Denn schon eine Digitaluhr in einem Kugelschreiber für wenige Franken ist heute höchst präzis, präziser jedenfalls als jede Luxusuhr einer hoch dotierten Edelmanufaktur. Und eine mechanische Uhr für 2000 Franken läuft nicht zwingend ungenauer als ein Luxusticker für den zehnfachen Preis.

Was also macht eine gute Uhr aus? Während der Recherchen zu der vorliegenden Sonder-­BILANZ zum Thema Uhren haben wir die Frage Managern, Unternehmern, Marketingleuten und Ingenieuren gestellt. Und spannende, wenn auch höchst unterschiedliche Antworten erhalten.

Jean-Claude Biver zum Beispiel, der die Firma Hublot von einer verschlafenen Marke zum heiss diskutierten Trendlabel gemacht hat, sieht es so: Eine gute Uhr brauche erstens Anknüpfung an Kultur, zweitens Anknüpfung an Tradition, drittens exzellente Qualität (siehe Interview auf Seite 110). Nur wenn alle drei Bedingungen erfüllt seien, könne man von einer Luxusuhr sprechen, die Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit ausstrahle.

Jérôme Lambert, CEO der Marke Jaeger-LeCoultre aus dem Vallée de Joux, setzt den Akzent anders: Eine gute Uhr müsse mehr bieten als das Vorgängermodell. Sie müsse zum Beispiel präziser sein, über mehr Gangreserve oder eine neue Komplikation verfügen (siehe Seite 68).
Man kann über das Thema trefflich streiten. In zwei Punkten indes herrscht in der Branche hierzulande Einigkeit: Eine gute Uhr ist erstens von Vorteil «made in Switzerland», und zweitens spielt die Vertikalisation eine immer wichtigere Rolle.

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Einige Unternehmer, wie zum Beispiel Luigi Macaluso, Chef von Girard-Perregaux, haben das sehr früh gemerkt (Seite 62). Andere kommen heute nach und präsentieren spannende Kaliber. Carl F. Bucherer zum Beispiel zeigt an der Basler Messe ein neues Basiswerk mit einer ungewöhnlichen Schwungmasse, die den Blick auf die Mechanik erfreulich offen lässt (Seite 62). Auch die Luxusmarke Hermès wartet mit einem neuen Werk auf (Seite 66). Und Chopard sowie Girard-Perregaux wollen mit bahnbrechenden Hemmungen die Herzen der Uhrenfreunde bezirzen.
Wirklich nötig sind solche Spielereien zwar nicht. Und entscheidend genauer machen sie keine Uhr. Doch meistens sind sie wunderschön anzusehen. Und freuen deshalb eine stetig wachsende Fangemeinde und Klientel.

In eigener Sache: Mit dieser Nummer verabschiede ich mich von der BILANZ. Viereinhalb Jahre habe ich als Stellvertreter des Chefredaktors insbesondere die Themenbereiche Uhren und Luxus betreut. Jetzt wechsle ich zur Tamedia-Gruppe, wo ich die Chefredaktion der «Automobil Revue» und die publizistische Leitung der Fachmedien Mobil übernehme. Bei der BILANZ habe ich eine schöne Zeit erlebt, und ich danke Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, für Ihr Interesse an den von mir betreuten Themen, für Ihre Reaktionen und den Dialog, den ich mit Ihnen führen durfte.
Au revoir!

Pierre-André Schmitt, Stv. Chefredaktor BILANZ