Liebe Leserin, lieber Leser

Seit November 1977, als unser Magazin als Monatstitel aus der Taufe gehoben wurde, sind 325 reguläre BILANZ-Ausgaben erschienen. Das sind rund 54 000 Magazin-Seiten und über 300 Millionen Buchstaben. Vergangenheit. Ab dieser Ausgabe erscheint BILANZ zweimal im Monat. Was aber hat uns nach reiflicher Überlegung dazu bewogen, diesen einschneidenden Rhythmuswechsel zu vollziehen?

«Tageszeitungen werden für den Tag gemacht. Was in BILANZ steht, soll einen Monat hinhalten. Besser noch: länger. Wir versuchen, Übersicht zu vermitteln und Hintergründe aufzuzeigen. Auch darüber, was sich in der Wirtschaft anderer Länder tut. Die Schweiz ist keine Insel.» Diese Sätze stammen aus dem «Redaktionellen Konzept» aus der Gründerzeit der BILANZ.

Der Gründungs-Chefredaktor Andreas Z’Graggen hat sie im September 1977 in einer schmalen, 16-seitigen Nullnummer publiziert, und für mich gelten sie noch heute und auch in Zukunft. Womit deutlich wird: Wir haben den Anspruch, ein Monatsmagazin im Zweiwochenrhythmus zu publizieren. Zumindest was Recherchetiefe, Sprache und moderne Optik anbelangt. Denn, wie gesagt, was in BILANZ steht, soll einen Monat hinhalten. Mindestens.

Das Wirtschaftsgeschehen ist ja bekanntermassen nicht nur schneller geworden, sondern auch komplexer, unübersichtlicher und globaler. Damit steigt der Erklärungsbedarf, das Bedürfnis nach Orientierung und Einordnung – alles traditionelle Stärken der BILANZ. Wir jagen nicht der schnellen Schlagzeile hinterher und werden das auch in Zukunft nicht tun. Wir sind bestrebt, die Hintergründe zu den schnellen Schlagzeilen zu liefern. Ein hoher Anspruch, dem wir uns zusammen mit herausragenden Partnerverlagen stellen wollen. Mit «Fortune», der Mutter aller Wirtschaftsmagazine, das übrigens alle 14 Tage erscheint, haben wir einen Exklusivvertrag abgeschlossen. Die besten Storys aus dem US-Magazin, angereichert mit Eigenrecherchen, lesen Sie künftig in BILANZ. Beispiel in dieser Nummer: ein Inside-Bericht über den neuen US-Börsen-Highflyer Google und dessen Schweizer Connection. Unsere bewährte Zusammenarbeit mit unserem deutschen Partner «WirtschaftsWoche» führen wir ebenfalls weiter. Die USA sind die bedeutendste Volkswirtschaft der Welt, Deutschland unser wichtigster Handelspartner, und, wie gesagt, die Schweiz ist keine Insel.
Sondern unser journalistischer Heimmarkt, in den wir ebenfalls investieren. In die Redaktion, denn fundierte Recherchen kosten Geld, und in neue journalistische Gefässe. Eins davon nennt sich «Inside Bahnhofstrasse» (Seite 128), es bringt Orientierungshilfe der besonderen Art: Frank Goldfinger, unser Maulwurf in der Bannmeile der Zürcher Finanzindustrie, protokolliert, was hinter Bankfassaden geklatscht, geplant und gestritten wird. Auch damit dokumentieren wir, dass BILANZ ihrem Wesen treu bleibt: Wir lassen eine gleichnamige Rubrik aus den siebziger Jahren in neuem Gewand auferstehen.

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Wer seine Wurzeln nicht kennt, verleugnet sich, das ist mir als Historiker durchaus bewusst. Deshalb erlaube ich mir ein letztes Mal, das redaktionelle Gründungskonzept der BILANZ zu konsultieren. Darin heisst es sinngemäss: Beim Lesen soll man auch schmunzeln können. Wirtschaft darf Spass machen. Dem ist beizupflichten, und wir wollen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, in unserer neuen Rubrik «How to spend it» künftig darüber aufklären, wie Sie lustvoll Geld ausgeben können – falls Sie es haben. Und wenn nicht, dürfen Sie sich wenigstens darüber freuen, dass Sie ab sofort zweimal im Monat eine BILANZ erhalten. Ein bewährtes journalistisches Menü, zweimal druckfrisch serviert.