1. Home
  2. Unternehmen
  3. Eigenstrom: Mit der Heizung Strom erzeugen

Eigenstrom: Mit der Heizung Strom erzeugen

 

In Aarau ersetzt eine stromerzeugende Heizung die alte Heizung in einem Zweifamilienhaus.

Von Martin Stadelmann
am 05.06.2012

Für seine alte Heizanlage erhielt ein Zweifamilienhaus in Aarau innova­tiven Ersatz: Ein Mikro-Blockheizkraftwerk (BHKW) mit Stirling-Motor plus 750-Liter-Speicher. So erzeugt es seinen Strom mit der neuen Heizanlage selber.

«Viele kleine Kraftwerke» hiess es vor drei Jahren an der europäischen Leitmesse für Haustechnik, der ISH in Frankfurt. An vielen Messeständen waren Stirling-Mikro-BHKW zu besichtigen. Bloss: Kaufen konnte man sie nicht. Jetzt ist die Technik ausgereift. Das erste in der Schweiz ­lieferbare Stirling-BHKW ist das Vitotwin 300-W von Viessmann AG, Spreitenbach. Sein Freikolben-Stirling arbeitet ohne Kurbelwelle in einem hermetisch geschlossenen System mit Helium als Arbeitsmittel. Die Bewegung des Arbeitskolbens wird in einem integrierten Lineargenerator in elektrische Energie umgesetzt, die Abwärme des Brenners zum Heizen genutzt. Die Wärmeleistung von 6 kWth und die elektrische Leistung von 1 kWe entsprechen dem Grundbedarf von Ein- und Zweifamilienhäusern. Der Gesamtwirkungsgrad beträgt 96 Prozent (Hs). Zur Deckung von Bedarfsspitzen liefert das integrierte Gas-Brennwertgerät zusätzlich bis zu 20 kW Wärme.

Nicht für neue Einfamilienhäuser

Mindestens 40000 kWh Erdgas im Jahr sollte ein Haus schon verbrauchen, damit das Stirling-Gerät vernünftig betrieben werden kann, sagen die Fachleute von Viessmann. Also nichts für neue, gut gedämmte Einfamilienhäuser mit rund 10000 kWh Jahresbedarf. Da passt das Erstbesitzer-Gebäude in Aarau gut. Es braucht im Jahr über 40000 kWh Heizenergie.

In diesem Haus aus den Jahren 1920 bis 1925 mit einer Wärmebedarfsfläche von 300 Quadratmetern an der Dufourstrasse in Aarau, in dem sich ausser den beiden Wohnungen noch eine Gesundheitspraxis befindet, war die alte Ölheizung am Ende. Die Haus­eigentümer-Gemeinschaft – zwei Par­teien – war sich einig: Der Ersatz sollte energieeffizient und innovativ sein. Da waren sie bei den IB Aarau an der richtigen Adresse: Diese suchten ein Objekt für den ersten ­Vitotwin. «Das Prinzip Wärmekraftkopplung faszinierte», erklärt einer der Hausbesitzer, Claudio Ronchetti, selber Elektroingenieur. Das Vitotwin mit Speicher wurde im Oktober 2011 installiert. Das erste in der Schweiz. Darauf sind sie stolz.

«Die Installation gestaltet sich ganz einfach, wie bei einem normalen Gasheiz­gerät, nur dass eben noch der Elektroanschluss dazukommt», stellt Kurt Dober, ­Abteilungsleiter Heizung von Paul Ryser AG, Aarau, fest.

Strom im Haus verbraucht

Der Vitotwin mit seinen 1 kWe Stromleistung dürfte etwa ein Drittel bis die Hälfte des Stromverbrauchs des Hauses decken, schätzt Claudio Ronchetti. Nicht im Haus genutzter Strom wird ins Netz zurückgespeist. Die IB Aarau lässt dabei einfach den Stromzähler rückwärts laufen; die Besitzer zahlen also nur den effektiv bezogenen Strom. Eine nicht nur technisch einfache Lösung, sondern auch gut für die Besitzer. Die (nicht verrechnete) Rückvergütung entspricht dem vollen Strompreis.

Die Anlage funktionierte vom ersten Moment an völlig problemlos und lieferte Wärme und Strom am Ort des Verbrauchs, im Hause. Gerade heute, bei der Diskus­sion über den Ausbau der Stromnetze, ein nicht zu vernachlässigender Aspekt. Dezentrale Stromerzeugung durch Wärmekraftkopplung – nicht nur mit Stirling-­Motoren, sondern alle Systeme – entlastet die Stromverteilnetze.

Anzeige