Wohnen ist ein emotionales Thema. Nicht ohne Grund gibt es die Floskeln vom «Traum vom eigenen Haus» und von der «Traumwohnung». Clevere Vermieter machen sich diesen Umstand zunutze – und versuchen mit ihren Wohnungsinseraten positive Gefühle zu wecken.

Eine solche Strategie ist erfolgsversprechend, wie eine Analyse der Zürcher Kantonalbank (ZKB) zeigt: Je mehr angenehme Emotionen ein Titel weckt, desto häufiger wird das entsprechende Inserat angeklickt – und desto schneller geht die Wohnung weg.

Die ZKB analysierte die Inserate auf mehreren Immobilienportalen. Titel mit positiv besetzten emotionalen Begriffen wurden im Schnitt zehn Mal pro Tag angeklickt. Titel, die negative Gefühle hervorriefen, erhielten weniger als halb so viele Klicks. Zu den positiven Begriffen zählen Adjektive wie «ruhig», «toll» und «top», als negativ aufgeladen gelten Wörter wie «alt», «kalt» oder «grau».

Anzeige

Etwa ein Viertel der Titel riefen positive Gefühle hervor. Und diese Inserate waren erfolgreicher als der Rest: Im Schnitt wurden die Objekte zwischen drei und fünf Tage schneller vergeben als Wohnungen, deren Inseratetitel neutral oder negativ wirkten.

Die alte Wohnung wird zum Altbau

Es rät sich also, negativ bewertete Wörter mit anderen Begriffen zu ersetzen: So wird aus der «alten» Wohnung ein «Altbau». Oft reicht es aus, nur den Zustand zu beschreiben: So ist die Wohnung nicht alt, sondern «saniert», «renoviert» oder «in Stand gehalten».

Eine andere Strategie ist hingegen wenig erfolgversprechend: Die Interessenten direkt anzusprechen, wirkt abschreckend – und hat also die gegenteilige Wirkung, die erzielt werden wollte.

Inserate mit Formulierungen wie «Ihr neues Zuhause» oder «Lassen Sie sich verzaubern» werden seltener angeklickt und es dauert 30 Prozent länger, die Wohnung zu vergeben.

Auch Profis greifen auf Phrasen zurück

«Viele der verwendeten Formulierungen, zum Beispiel "Profitieren Sie jetzt" oder "Schlagen Sie zu", wirken schlicht zu plump, um die gewünschte Wirkung zu erzielen», schreibt die ZKB. Rund vier Prozent aller Inserate weisen solche Phrasen auf.

Interessanterweise setzen sie vor allem Profis ein: Sie schreiben 60 Prozent solcher unvorteilhaft verfassten Inserate.

(mbü)