Nach jedem grösseren Kurseinbruch an den Aktienmärkten regt sich die Kritik an den Finanzana-lysten. Vor allem in Abschwungphasen würden die Gewinnschätzungen «einseitig nach oben verzerrt», stellte letztes Jahr etwa die Deutsche Bundesbank in einem Bericht fest. Anstelle der prognostizierten 21% stiegen die Aktien in den vergangenen 20 Jahren jeweils nur halb so stark an.

Das Rüstzeug für ihren Job erwerben sich Finanzanalysten durch die Weiterbildungen zum Chartered Financial Analyst (CFA). Die Vorgaben für diesen Titel kommen vom CFA Institute in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia. Gut 80 Institutionen weltweit vergeben diesen Titel, der als einer der ganz wenigen auch wieder aberkannt werden kann, wenn der Titelträger gegen die Standards der Organisation verstösst. In der Schweiz ist das Center for Business Studies (CfBS) in Zürich die Vertretung, die auch Prüfungen in Genf abnimmt.

Im Anschluss an das Studium

«CFA ist eine globale berufsbezogene Finanzausbildung auf Masterstufe», sagt Enzo Mondello, der Gründer und Leiter des CfBS. Er empfiehlt Kandidaten, diese Weiterbildung rasch nach dem Studium in Angriff zu nehmen. «Die Praxis ist zwar Voraussetzung für die Erlangung des CFA-Diploms, aber idealerweise beginnt man mit der dreijährigen CFA-Ausbildung im Anschluss an das Studium beziehungsweise Mitte 20 oder 30», ergänzt Mondello, «denn einerseits ist das Programm anspruchsvoll und zeitaufwendig, andererseits bildet der CFA-Abschluss eine Art Zugangsticket zu bestimmten Bereichen der Finanzindustrie - man gehört dann einfach dazu.»

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Die CFA-Absolventen gehen typischerweise ins Asset Management und Investment Banking von international ausgerichteten Finanzdienstleistern und arbeiten dort beispielsweise als Finanzanalysten, Portfoliomanager und Consultants.

Weltweit anerkanntes Diplom

Im Gegensatz zu den von den Hochschulen angebotenen Master of Advanced Studies (MAS), die einen hohen Praxisbezug haben - vor allem bei Fachhochschulen-, ist die CFA-Ausbildung laut Mondello relativ stark theorie- und prüfungslastig. MAS-Lehrgänge sind Post-Graduate-Studiengänge, die idealerweise nach einer mehrjährigen beruflichen Tätigkeit absolviert werden sollten, um sich wieder auf den aktuellen Stand des Wissens zu bringen. Der CFA-Charter ist ein weltweit anerkanntes Diplom in der Finanzindustrie. Dies im Gegensatz zu Hochschulabschlüssen wie etwa einem Master of Business Administration (MBA) oder MAS, deren internationale Bedeutung und Anerkennung von der akademischen Institution abhängt, die den Titel vergibt.

Die Wirtschaftskrise hat auch im CFA-Lehrplan ihre Spuren hinterlassen. So gibt es zum Beispiel im Rahmen der zweiten Prüfungsstufe gemäss Enzo Mondello vom CfBS einen Abschnitt zum Thema Subprime-Krise. Das Curriculum wird vom CFA Institute aufgrund von Best-Practice-Ansätzen laufend angepasst und so fliessen praxisrelevante Themen wie eben die Subprime-Krise oder auch die Distressed Securities zeitgerecht in den Lehrplan ein.

Die Distressed Securities dürfte es gar nicht geben. Sie haben in Zusammenhang mit dem Stichwort «Black Swan» bei der Wirtschaftskrise eine gewisse Berühmtheit erlangt, weil ihre Sicherheiten öfter versagten und vermeintlich seltene Ereignisse in der Praxis viel öfter vorkamen als in der Theorie.