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Elisabeth Gürtler: Die «eiserne Lady» aus Wien

Die Chefin des Hotels «Sacher» führt aus dem Bauch heraus und mit gesundem Menschenverstand. Nebenbei managt sie auch noch den anstehenden Wiener Opernball.

Von Dieter Friedl
am 02.02.2005

Am 3. Februar ist es wieder so weit, der Wiener Opernball geht über die Bühne, gemanagt von Elisabeth Gürtler. Das Unternehmen Opernball ist seit dem Mai des Vorjahres ausverkauft, diverse Überraschungen aber immer an der Tagesordnung. So wurde jüngst vom Chef der Oper für den Ball erstmals ein Rauchverbot ausgesprochen. Die Opernball-Lady reagierte sofort und schaffte «Raucher-Notfallstände», wo «Süchtige» mittels Inhalator Nikotinkapseln zu sich nehmen können. Managen heisst eben flexibel reagieren.

Grosser Druck vom Vater

Die kleine zierliche Frau, bestens gekleidet und geschminkt, heute Gallionsfigur des österreichischen Nationalheiligtums Hotel «Sacher» und im Nebenjob auch Chefin des berühmten Wiener Opernballs, hatte es in ihrem Leben nicht leicht. Ihr Vater, der ein grosses Getreideimperium aufbaute, setzte sie unter extremen Leistungsdruck, sie durfte nur Vorzugszeugnisse nach Hause bringen. Auch später, als sie in seiner Firma arbeitete, stand sie unter Kontrolle ihres Vater-Patriarchen, den sie heute noch vergöttert. Dann die Ehe mit einem Hotelier namens Peter Gürtler, der in einem schwierigen Umfeld aufgewachsen war. Er verliess sie wegen einer Jüngeren und beging im Jahre 1990 Selbstmord. Die Kinder aus ihrer Ehe erbten alles, als Vormund musste sie lange Erbstreitigkeiten mit der letzten Ehefrau Gürtlers führen.

Und da war auch noch das Hotel «Sacher», das berühmte, etwas verstaubte Hotel hinter der Wiener Oper, das vom Management in Eigenregie geführt wurde. Für ihre Kinder wollte sie nach dem Rechten sehen. Unerfahren, ohne Befähigungsnachweis. Sie hatte zwar im Rahmen ihres Studiums eine Diplomarbeit über Tourismus verfasst, aber ihr Wissensstand über das Hotelgewerbe war dürftig. Schnell wurde die Konzessionsprüfung ­ in alter Tradition mit ausgezeichnetem Erfolg ­ nachgemacht. Ihr erster Blick in die Hotelbuchhaltung förderte grosse Mängel zu Tage. Es gab keine Kostenstellenrechnung, das Management wollte Finanzdaten unter Verschluss halten.

Die erste Machtprobe der Newcomerin endete mit dem Rausschmiss des Hotel-Generaldirektors und eines weiteren Spitzenmanagers. Nun konnte sie richtig loslegen und moderne Strukturen aufbauen. Das Hotel, das auch damals keine Verluste schrieb, wurde einer Fitnesskur unterzogen, neu strukturiert, ein angrenzendes Haus erworben. Die berühmte Sachertortenproduktion wurde ausgelagert und der Versuch gestartet, den Markennamen Sacher auch international zu positionieren. Der Plan allerdings, ein Franchisesystem aufzuziehen, wollte bisher nicht so recht gelingen; «es muss das ganze Umfeld stimmen, da muss man vorsichtig sein», gibt sich Gürtler nun zurückhaltend.

Derzeit wichtiger ist der Umbau des Hotels «Sacher», der im Gang ist. 30 bis 40 Mio Euro wird er kosten und soll im Sommer abgeschlossen sein. Für die Hotelmanagerin eine Aufgabe, die viel Kopfzerbrechen bereitete; eine Zeitlang funktionierte etwa die Klimaanlage nicht, was für schwitzende Gäste in einem Luxushotel sorgte. Das «Sacher»-Imperium brauchte bis dato kein Fremdkapital; erst der Umbau wurde teilweise kreditfinanziert.

Was ist das Geheimnis der «eisernen Lady» aus Wien? «Ein ganz wichtiger Punkt ist der Aufbau von Netzwerken», meint Gürtler. Hier agiert die Managerin auf vielen Ebenen. Etwa als Präsidentin des Hofburg-Konferenzzentrums. Wien stieg in den letzten Jahren zu einer der weltweit führenden Kongressstädte auf. Kongressteilnehmer wollen sich nicht nur weiterbilden, sondern auch möglichst angenehm untergebracht sein also ab ins Hotel «Sacher».

Ihre Tätigkeit als Organisatorin des Wiener Opernballs («ab Weihnachten brauche ich dafür 60% meiner Arbeitszeit») bringt sie nicht nur ins öffentliche Rampenlicht, sie ist auch nützlich bei der Kontaktpflege und Umsatzanbahnung. Das Sacher-Geschäft wird allerdings streng von ihrer Tätigkeit beim offiziellen Ball der Republik getrennt, der «Sacher»-Portier darf nicht einmal Ballkarten verkaufen. Die Tätigkeit als «Kontrollorin» in der Notenbank und der zweitgrössten Bank des Landes, der «Erste-Bank», bringen weitere Verbindungen.

Von der Politik hält sie sich allerdings fern («Ich habe schon Angebote bekommen»), was sie aber nicht daran hinderte, dem Unterstützungskomitee für die Präsidentschaftskandidatin Benita Ferrero Waldner beizutreten (die Wahl wurde verloren, Ferrero ist inzwischen zur EU-Kommissarin aufgestiegen).

Von Beratern wird ihr schlecht

Wie managt Elisabeth Gürtler ihr Imperium? «Ich bin keine Teamworkerin und kann sehr emotionell sein.» Manchmal denkt sie dabei, dass das recht unangenehm für ihre Belegschaft sein kann. Dazu gehört auch, dass sie sich von «dummen Managementtheorien» nicht beeinflussen lässt. Da passt dann auch gut dazu, dass Berater nicht ihre Sache sind: «Wenn ich von denen höre, wird mir schon schlecht!»

Wonach wird dann aber vorgegangen? «Man muss ein Gespür haben, wo der Hund begraben liegt, auch aus dem Bauch heraus entscheiden, die Dinge vereinfachen, den gesunden Menschenverstand einsetzen.» Nicht die grossen Managementtheorien sind ihr Leitfaden, sondern das «handgestrickte» Herangehen an die Probleme.

Hat sie sich manchmal auch als «Quotenfrau» gefühlt, also Tätigkeiten angeboten bekommen, nur weil sie eine Frau ist? Ganz von der Hand weisen möchte sie das nicht, ist aber der Meinung, dass Frauen manches besser können. Bei der «emotionalen Intelligenz» hätten Frauen die Nase vorne, nur mangle es oft am nötigen Selbstbewusstsein.

Früh um fünf aufstehen und bis 23 Uhr arbeiten ­ wie lange will sie noch so weiterarbeiten? Schliesslich ist die 30-jährige Tochter Alexandra bereits in der Geschäftsführung, der 26-jährige Sohn Georg bereitet sich in London auf seine Tätigkeit vor. Gürtler hüllt sich da in Schweigen, erweckt aber den Eindruck, dass sie ihre Kinder noch einige Zeit an der langen Leine zu führen gedenkt. Wird der Verkauf einmal ein Thema? Ein empörter Aufschrei ist die Folge. «Man verkauft derartige Dinge nicht, das ist denkunmöglich!»

Zur Person

Elisabeth Gürtler-Mauthner (54), von einem autoritären Vater äusserst streng erzogen, ist Erbin eines milliardenschweren Getreideimperiums, Dressurreiterin, mit 29 Jahren Vizestaatsmeisterin. Nach dem Studium Arbeit im Markenartikelbereich in der eigenen Firma. 1995 bis 2000 Vizepräsidentin der österreichischen Wirtschaftskammer, seit 2000 Chefin des Wiener Opernballs. Tätigkeit als Aufsichtsrat der «Erste-Bank» und seit kurzem Verwaltungsrätin (Generalrat genannt) in der österreichischen Notenbank, Vorsitzende des Hofburg-Konferenzzentrums. Liiert mit dem Schauspieler Helmut Lohner.

Elisabeth Gürtlers

Führungsprinzipien

1. Baue Netzwerke auf.

2. Höre nicht auf Berater.

3. Glaube nicht an die grossen Managementtheorien.

4. Entscheide auch aus dem Bauch heraus.

5. Vereinfache die Dinge und benutze den gesunden Menschenverstand.

6. Schaue immer auf das Rechnungswesen.

Das Imperium

Die Sacher-Gruppe ist 2 Milliarden Euro schwer

Das Sacher-Imperium umfasst die Hotels «Sacher» in Wien (nach dem Umbau, der im Sommer 2005 fertig wird, 150 Zimmer, 350 Beschäftigte) und «Salzburg» (118 Zimmer, 160 Beschäftigte), die Cafés Sacher in Innsbruck und Graz sowie Anteile an den Österreichischen Casinos. Alle Unternehmen werden mit Gewinn geführt. Elisabeth Gürtler selbst hält keinerlei Anteile und führt die Unternehmen treuhänderisch für ihre Kinder. Am Getreideimperium «Mauthner Vermögensverwaltung» hält Elisabeth Gürtler 50%. Dazu gehören unter anderem ein Getreidegrosshandel, eine Grassamenproduktion sowie das Hotel «Astoria» in Seefeld in Tirol. Der Wert dieser Gruppe beträgt rund 2 Mrd Euro. Gürtler kümmert sich um die touristischen Aktivitäten der Gruppe.

Dieter Friedl, Wien

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