Ist Ihre Lieblingszahl aus professionellen Gründen die Null?
Marc Baumann*: Nun ja, im Gegensatz zu den meisten Unternehmen hat die Null bei uns grosse Bedeutung, denn sie macht am Roulette-Tisch den Bankvorteil von 1,35 Prozent. Ohne die Null wären die Chancen mathematisch ausgeglichen und unser Gewinn weg. Meine persönliche Glückszahl ist allerdings die acht, wie ich in einem lustigen Onlinetest feststellen durfte. Und bemerkenswerterweise wurde meine Beförderung am 8.8. bekanntgemacht.

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Das Casino in Zürich war für Sie ein grosser Erfolg. Schaffen Sie das nächstes Jahr auch in Schaffhausen, Pfäffikon SZ und St. Gallen?
In Zürich hatten wir gute Voraussetzungen für einen Markterfolg. Das Casino steht sehr zentral und ist noch jung. Damit hatte es ein grosses Potenzial, das wir offensichtlich wecken konnten. Die anderen Casinos sind schon seit 15 Jahren in einem sehr kompetitiven Markt und behaupten sich neben allen Ausgeh-Angeboten gegen einen internationalen Online-Markt. Wir haben sehr gute Chancen in diesem Markt und wollen die Möglichkeiten und Herausforderungen, die das neue Geldspielgesetz uns bietet, konsequent aufnehmen. Der Erfolg wird nicht über Nacht einschlagen, sondern muss Schritt für Schritt erarbeitet werden.

Gehen Sie auch gerne privat in ein Casino?
Wie alle Casinoangestellten unterliege ich in der Schweiz einem Spielverbot, was auch richtig ist. Im Ausland allerdings besuche ich regelmässig andere Casinos, einerseits aus professionellem Interesse und dann auch sehr gerne, um ein bisschen zu spielen und die Casinoluft zu atmen.

Haben Sie schon äusserst beglückende und traurige Momente von Kunden am Spieltisch miterlebt?
Ja sicher. Ich habe einer Dame auf ihren Wunsch Roulette erklärt; gegen meinen Ratschlag setzte sie ihr ganzes Spielgeld von 100 Franken auf eine Zahl – und gewann 3500 Franken. Dieses verblüffte, ungläubige und dann höchst erfreute Gesicht werde ich nicht vergessen.

Was ist Ihr liebstes digitales Gadget?
Mein Smartphone. Es hilft mir meine Mails zu verwalten, mit Freunden und Mitarbeitenden zu kommunizieren, meine Agenda zu führen, Sitzungen vorzubereiten, Steaks richtig anzubraten, Cocktails zu mixen, Ferien zu buchen, in den Bergen zu wandern, meine Gitarre zu stimmen, Musik zu hören, Filme zu schneiden – und es würde im Notfall die Rega alarmieren.

Welches sind Ihre wichtigsten Führungsprinzipien?
Meine Mitarbeitenden auf allen Stufen sollen den Handlungsspielraum erhalten, den sie für die optimale Umsetzung ihrer Aufgabe brauchen. Dazu müssen sie befähigt und motiviert werden. Die Mitarbeitenden und die Führungskräfte brauchen:
1. Klarheit: Ich kenne das Ziel und weiss, was von mir erwartet wird.
2. Sicherheit: Ich darf im vereinbarten Rahmen selbstständig handeln.
3. Verbindlichkeit: Vereinbartes gilt für mich wie für andere.

Von wem haben Sie am meisten gelernt?
Ich habe im Leben viele Menschen kennengelernt, von denen ich etwas lernen durfte. Der damalige Stadtpräsident Elmar Ledergerber hat mir viele Chancen gegeben als sein Stabschef und mir damit ermöglicht, praktische Lehren zu ziehen. Auch der heutige CEO der Swiss Casinos Gruppe, Peter Meier,  hat mir grosses Vertrauen geschenkt, obwohl ich ein Newcomer in der Branche war. Es ist ein grosses Glück, solchen Menschen zu begegnen.

Was ist Ihre grösste Sorge?
Dass mir der Himmel auf den Kopf fällt …

Ihr Lieblingsbuch?
Ich habe kein eigentliches Lieblingsbuch, wahrscheinlich würde ich Richard Ford oder TC Boyle als meine Lieblingsautoren bezeichnen. Kürzlich habe ich «Alles Licht, das wir nicht sehen» von Anthony Doerr gelesen. Es hat mich tief beeindruckt und emotional bewegt. So gibt es immer wieder herausragende Bücher, und es tut mir leid, dass ich nicht alle lesen kann.

Was stimmt Sie traurig?
Wenn Menschen vom Schicksal geplagt werden und keine Perspektiven haben, wenn Unrecht geschieht und niemand etwas dagegen tun kann und wenn mir nahe stehende Personen unglücklich sind.

Was tun Sie in Ihrer Freizeit?
Zusammen mit meiner Frau produzieren wir seit ein paar Jahren einen eigenen Whisky, der allerdings immer noch in den Fässern auf seine Reife wartet. Diese Tätigkeit bildet einen schönen Kontrast zu meinem Alltag. Daneben filme ich gerne für mich und Freunde und bin aktiv an einem Entwicklungsprojekt für eine Modellfarm in Westafrika (Togo) beteiligt.

Welche Küche ist Ihnen am liebsten?
Ach, darüber diskutieren meine Frau und ich oft. Ich liebe die mediterrane Küche. Und wenn sie einen asiatischen Einschlag hat, dann umso besser.

Kochen Sie auch selber?
Ja, immer wieder mal und sehr gerne.

Was würden Sie gerne erfinden?
Ein sich selbst ladendes Elektroauto aus natürlichen Baustoffen.

Wie wichtig ist Ihnen Geld?
Es ist leicht zu sagen, dass Geld nicht so wichtig ist, weil es mir und meiner Familie gut geht. Das war auch schon anders, als unsere Kinder klein waren und wir unser Budget ganz genau planen mussten.

Welches war Ihr erstes Auto, und welches fahren Sie derzeit?
Das war ein Mini 850, bei dem die Heizung nie richtig funktionierte und an dem ich Stunden bastelte, um ihn am Leben zu erhalten. Das ist jetzt anders, unsere Geschäftsautos sind von Audi – und bald als Elektroautos erhältlich.

Wie wohnen Sie?
Ich wohne seit fast 20 Jahren in der Nähe des Hegibachplatzes in Zürich. Es ist ein wunderbares Quartier, nahe beim Zentrum. Wir haben den Wehrenbach vor dem Haus und gleichzeitig das Tram unmittelbar dahinter. Auf der Strasse treffen wir regelmässig Freunde und Bekannte.

Wohin werden Sie als nächstes verreisen, und wo waren Sie in Ihren letzten Ferien?
Im Herbst gehen wir nach Sizilien zum Segeln, rund um die Inseln. Im Februar habe ich unser Entwicklungsprojekt in Westafrika besucht.

Welche Musikstücke hätten das Potenzial, so etwas wie Ihre persönliche Hymne zu sein?
Es gibt so viele Musikstücke, die mir gefallen von Tschaikowskys Violinkonzert (D-Dur) über «Going Home» von Leonard Cohen, zu Marc Sways «Severina». Das hat oft mit der Stimmung zu tun, in der ich gerade bin.

Welchen Lebenstraum wollen Sie sich erfüllen?
Meine Lebensträume sind erfüllt. Ich bin in einer wunderbaren Familie aufgehoben, habe viele tolle Freunde, einen anregenden und vielseitigen Beruf und lebe in einem Land, das so viel Sicherheit und Perspektiven bietet, wie kaum ein anderes. Und wenn dann unser Whisky gut ankommt beim Publikum, dann bin ich rundum glücklich.

*Marc Baumann (60) ist Betriebsökonom mit einem MBA der Unis Salzburg und St. Gallen. Er hat das Zürcher Casino in kürzester Zeit neu ausgerichtet und am Markt positioniert. Baumann wird seine neue Aufgabe am 1. Januar 2018 antreten. Er folgt auf Peter Meier, der Ende 2017 altershalber von seinen Aufgaben als operativer Leiter zurücktritt.