Soll noch jemand behaupten, es brauche die hohe Politik, um uns zu ökologischem Verhalten zu verdonnern. Um uns korrektes Ess-, Trink- oder Fahrverhalten einzutrichtern und mit Grenzwerten aller Art Mores zu lernen. Mein Gegenvorschlag: Statt immer neue Paragrafen aus der Benimm-dich-Abteilung zu bemühen, genügen Unternehmer, die Draufgänger sind und etwas bewegen wollen. Und von denen gibt es zum Glück noch ganz viele.

Der schillerndste dieser Gattung ist aktuell zweifellos Elon Musk. Ja, der Grössenwahnsinnige, der einen Roadster zum Mars losschickte. Und der seit vier Jahren mit seinem Genius Industrien vor sich hertreibt. Es geht um CO₂-befreite Mobilität.

Das Auto wird zum Heimkino und zum Einkaufsführer

Ausgelöst hat der rastlose Unternehmer die faszinierendste Hasenjagd, welche die Wirtschaft seit der Erfindung des Verbrennungsmotors zu bieten hat. Vorneweg der Tesla-Erfinder, der wie Meister Lampe wilde Haken schlägt und vor laufender Kamera getrocknetes Gras samt Whiskey konsumiert. Hinterher hecheln die hoch bezahlten Automobilmanager, die verzweifelt versuchen, den Abstand zum Branchenvordenker zu verringern. Einfach wird es nicht.

Während BMW, GM, Nissan, Renault oder VW Dutzende Milliarden Franken in die sträflich verpasste Elektromobilität investieren, liefert Musk mit der Entspanntheit des Branchenneulings einen Software-Over-the-air-Update nach dem andern. Seine Marke definiert Mobilität neu: Die bald autonom fahrende Hightech-Plattform auf vier Rädern ist auch Heimkino, Jukebox, Spielkonsole, Rat­geber und Einkaufsführer – gesteuert über das Smartphone.

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Als möchte Musk speziell der deutschen Automobilindustrie die lange Nase zeigen, will er in Grünheide östlich von Berlin eine Produktion hochziehen, die dereinst 500'000 Model 3 und Model Y ausspucken soll. Ein gut gewählter Standort, an dem bereits BMW eine Fabrik hinsetzen wollte. Während also der Elektro-Zampano wieder einmal Visionen umsetzt, streiten sich die deutschen Autobauer mit Betriebsräten und Lokalpolitikern.

Am ambitioniertesten unter den Tesla-Konkurrenten ist der Sportwagenbauer Porsche, der mit seinem Taycan die Verfolgung aufgenommen hat. Es wird rund um das 800-Volt-Geschoss gross angerichtet: An der Super-Bowl-Gala letzte Woche platzierten die Deutschen einen Sechzig-Sekunden-­TV-Spot, der locker 10 Millionen Dollar gekostet hat.

Autobauer Porsche will ein Miniflugzeug entwickeln

Porsche setzt voll auf integrierte Mobilität, auf der Strasse und in der Luft. Gemeinsam mit Flugzeugbauer Boeing hat die Edelmarke kürzlich ein Joint Venture gestartet, das ein elektrobetriebenes UAMV (Urban Air Mobility Vehicle) entwickelt, welches bereits 2025 durch die Metropolen pfeilen soll.

Gewinner in diesem Wettbewerb der Ideen sind wir Konsumenten. Das Mobilitätsangebot auf der Erde wird so vielfältig wie nie. Und Musk wird uns schon bald auf den Mars pilotieren.