Der Handel mit Emissionsrechten in der EU gilt für alle Betriebe, gleich wem sie gehören. Betroffen sind also auch Schweizer Firmen in Deutschland oder Italien.

Zur Reduzierung der Emissionen erhalten die Unternehmen künftig jährlich von der Regierung Emissionsrechte zugeteilt. Verbrauchen sie diese nicht vollständig etwa weil sie nachgerüstet haben mit verbesserten technischen Verfahren, dann können sie die restlichen Rechte am Markt verkaufen. Brauchen sie dagegen mehr Rechte etwa weil der Absatz boomt , dann müssen sie Emissionsrechte hinzukaufen. Kauf wie Verkauf werden über Börsen laufen. Drei Plätze in Europa sind bemüht, ihre Position aufzubauen: Die International Petroleum Exchange (IPE) in London, die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig und die älteste europäische Strombörse, Nord Pool in Oslo. Leipzig geht mit einem Handicap ins Rennen. Der Handel in Europa beginnt am 2. Januar 2005. Die ersten deutschen Zertifikate sind aber erst zwei Monate später, am am 28. Februar, verfügbar.

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Ein Kriterium des Ratings

Manche Firmen behaupten, die CO2-Emissionszertifikate brächten sie in Schwierigkeiten. Auf der Londoner «Euromoney Energy Events»-Konferenz zeichneten Ende November 2004 Banker und Ökonomen ein weniger düsteres Bild. Für manche, so hiess es, eröffneten sich sogar neue Geschäftsfelder, andere könnten unerwaretete Gewinne einstreichen. Ross McIntyre, künftig bei der Deutschen Bank für den Handel mit CO2- Zertifikaten zuständig, sieht verschiedene Faktoren, die den Preis für Emissionsrechte bestimmen werden, bis hin zum Wetter. Für den Derivatehandel der Banken jedenfalls bringe der Emissionshandel neue Impulse. Das hält auch Paul Lund, Analyst für Energieunternehmen bei Standard & Poor's, für sicher. Sein Haus, das derzeit 109 Versorgungsunternehmen in Europa bewertet, ziehe künftig die Position eines Konzerns bei Emissionszertifikaten ob Verkäufer oder Käufer in das Rating mit ein.

Aluminium, Textil, Raffinerie

Für Michael Grubb, Professor für Klimaveränderung und Energiepolitik am Imperial College in London, geht es darum, den Einfluss des Produktionsfaktors Umwelt auf die Wettbewerbsfähigkeit der Industrien zu prüfen. Dabei kommt es nach Grubb darauf an, ob Unternehmen ihre Kosten am Markt weitergeben können. Anhand von drei Szenarien, ausgerichtet an den von der EU vorgegebenen Zeitphasen, rechnet Grubb für die Elektrizitätswirtschaft und grosse industrielle Energieverbraucher vor, wie sich die Belastungen auswirken könnten. Sein Ergebnis: Nur bei Aluminium, der Textilwirtschaft und bei Raffinerien übersteigen die Importe aus Drittländern die Produktion in der EU, sodass hier Wettbewerbsnachteile für europäische Anbieter entstehen könnten.

Preisaufschlag auf Reserve

Bei der Elektrizitätswirtschaft, die jetzt schon ihre Strompreise anzuheben versucht, könnte es dagegen sogar zu so genannten Windfall-Profits kommen. Das sind Gewinne, die sich ohne eigenes Zutun einer Firma, allein aus der Einführung der CO2-Emissionszertifikate ergeben. Denn in der Phase I, die ab 2005 jede über die Freimenge hinaus emittierte Tonne CO2 mit 5 Euro belastet (es sei denn, das Unternehmen hat dafür entsprechend Zertifikate von jemanden gekauft, der weniger emittiert als erlaubt), lässt sich nur eine Erhöhung des Strompreises von rechnerisch 0,1% rechtfertigen. In der Phase II, von 2008 bis 2012, in der eine Belastung von 10 Euro pro Tonne CO2 unterstellt ist, kommen allenfalls 4,9% Preiserhöhung heraus. Lediglich in Phase III liesse sich ein Anstieg von 10,6% in der Stromwirtschaft mit den Emissionsrechten begründen.

Europäer verkaufen

Ohnehin tendieren, so Chris Rowland, Leiter der Sparte Stromwirtschaft bei Dresdner Kleinwort Wasserstein, manche Stromversorger dazu, ihre Zertifikate zu verkaufen. Ein Grund ist, dass in vielen Ländern der Stromabsatz wegen der Konjunkturschwäche gesunken ist, die Kapazitäten nicht ausgelastet sind. Ausserdem kaufen viele europäische Stromverteiler billige Elektrizität auf dem Weltmarkt zu.

Insgesamt, so erwarten Experten, werden in nächster Zeit die Europäer weltweit eher auf die Seite der Verkäufer von CO2-Zertifikaten sein, während die Japaner auf der Seite der Nachfrage dominieren dürften.