Der amerikanische Top-Manager steckt seinen Finger in die kleine Öffnung. Das schwarze Gerät blinkt, piepst und gibt ihm innert einer Sekunde den Zugang zum VIP-Bereich des Hotels Seehof frei. Für die kleine Schwyzer Firma TBS war das diesjährige Weltwirtschaftsforum die Feuertaufe. Im Auftrag der Bündner Polizei regelte sie den Zutritt zum Davoser Fünfsternehotel, in dem die Grössen der Welt während des WEF nächtigten. «Nicht einer oder eine hat sich negativ geäussert oder Einwände bezüglich des Datenschutzes gehabt», freut sich Marketingchef Rolf Aerne.

Doch TBS hat mit ihren Produkten weit mehr vor, als bloss unerwünschte Gäste von geschlossenen Veranstaltungen fernzuhalten. Das elfköpfige Team hat in Pfäffikon SZ ein berührungsloses System entwickelt, welches momentan bei Zutrittskontrollen und der Zeiterfassung Anwendung findet, inskünftig aber auch den Zahlungsverkehr und die Kriminaltechnik revolutionieren soll.

Fast wie bei den alten Römern

Das Touchless Biometric System - kurz eben TBS - könne überall dort eingesetzt werden, wo personifizierte Vorgänge stattfänden, erklärt Aerne. «An der Haustür wie am Bancomaten, in der Forensik genauso wie im Fussballstadion.» Das eigentliche Herzstück des Terminals ist ein Kästchen mit Loch. Es erinnert an die «Bocca della Verità», den Mund der Wahrheit aus Römerzeiten. Wer seine Hand in die Öffnung des Reliefs steckt und lügt, dem wird dieselbige gleich abgebissen. Das ist beim TBS-System ähnlich, auch wenn dort kein Blut fliesst.

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«Stecken Sie Ihren Zeigefinger da rein», fordert Aerne den Besucher auf. Kurze Zeit später erscheint auf dem Bildschirm ein dreidimensionales Abbild der Fingerkuppe. «Bei einem zweidimensionalen Scan gilt gemäss Polizeispezialisten eine Person als identifiziert, wenn zwischen 12 und 14 Einzelmerkmale übereinstimmen. Bei unserer 3-D-Abbildung sind mindestens 40 dieser charakteristischen Punkte notwendig, um Zutritt zu einem gesicherten Gebäude zu erlangen.»

Und wenn einer auf die Idee kommt, sich mit List Zugang zu Räumen und Daten zu verschaffen? «Das System funktioniert sozusagen lebenderkennend, auf einen abgetrennten Finger beispielsweise reagiert es nicht», sagt Aerne. Und werde ein anderer Finger als der vorab definierte eingeführt, könne sogar ein stiller Alarm ausgelöst werden. Das Touchless Biometric System sei zudem in sich geschlossen, sämtliche Daten und Bilder seien verschlüsselt und würden auf einen genau definierten Zeitpunkt hin gelöscht, zerstreut er Bedenken zur Datensicherheit gleich vorauseilend (siehe Kasten).

Millionen investiert

Das Besondere an TBS: Anders als bei herkömmlichen Biometriesystemen wird hier der Fingerabdruck erfasst, ohne dass ein Kontakt mit einem Trägermedium, beispielsweise einer Scheibe, stattfindet. Deformationen der Hautoberfläche werden so vermieden. Aufwendige Abläufe, wie sie etwa mit der herkömmlichen Anfertigung von Fingerabdrücken oder dem Erfassen von Zutrittsberechtigten verbunden sind, entfallen. «Eine absolute Weltneuheit, in der über sechs Jahre harte Arbeit und einiges an Geld stecken», sagt der Marketingverantwortliche des Schweizer Kleinunternehmens.

Wie viel konkret in die Entwicklung des 3-D-Terminals investiert worden ist, darüber schweigt man sich bei TBS indes aus. Genauso nennt das kleine Unternehmen auch keinerlei Geschäftszahlen. Bekannt ist bloss, dass sich das amerikanische Jus- tizdepartement einst mit 3,5 Millionen Dollar an der Entwicklung eines Prototyps beteiligt hat. «Wir haben damit in der Fachwelt an Glaubwürdigkeit gewonnen. Und befinden uns in einer günstigen Ausgangslage, was allfällige Folgeaufträge anbelangt», sagt Aerne.

Das Touchless Biometric System mit seinem berührungslosen Fingerscan ist heute vor allem in Hotels und Banken zur Zutrittsregelung des Personals im Einsatz. Aber auch bei der Arbeitszeiterfassung leistet das System gute Dienste. «Einen Badge können Sie einem Kollegen mitgeben, damit der schon mal eincheckt, während Sie draussen weiter Pause machen. Mit TBS geht das nicht: Entweder der Finger ist da, dann sind Sie es auch, oder er ist eben nicht da ...» Dem Erschwindeln von Arbeitszeit werde so rigoros ein Riegel vorgeschoben. Und dabei sei das System erst noch günstiger als etwa ein Scan der Iris. «Weniger als die Hälfte», sagt Aerne.

Auch im Innenministerium

Wie in der gesamten Sicherheitsbranche sind Diskretion und Vertrauen auch bei TBS das A und O guter Geschäftsbeziehungen. Die Systeme des Unternehmens würden in die ganze Welt verkauft. In Deutschland, Grossbritannien, den Niederlanden sowie Dubai, Oman, Saudi-Arabien, Singapur, China und Brasilien werden sie vertrieben. Ein paar Namen lässt Aerne sich dann aber doch entlocken, schliesslich geht es ja auch ums Marketing. Die Hotels von Mövenpick, der deutsche Versicherungskonzern Allianz, die Turkish Petroleum, das Innenministerium von Abu Dhabi und das US-Justizdepartement gehörten zu den Kunden.

«Was die Einsatzmöglichkeiten anbelangt, besteht ein riesiges Potenzial», ist sich Marketingchef Aerne sicher. Dabei profitiert das Pfäffiker Unternehmen auch von den Gefahrenszenarien, welche mal mehr, mal weniger realistisch ausfallen. Aktuell stehe man in Verhandlung mit den Verantwortlichen für die Kandidatur der Olympischen Winterspiele 2018 in München, verrät Aerne noch und meldet sich dann ab in Richtung Italien.

Auch der Heilige Stuhl respektive die Schweizergarde zeige eben grosses Interesse am Einsatz der berührungslosen 3-D-Technik. Nur die «Bocca della Verità» kann es noch nicht ersetzen.