Die Finanzmarktaufsicht Finma prüft, inwieweit das heutige Credit-Suisse-Management zur Rechenschaft gezogen werden kann. «Wir sind keine Strafbehörde, aber wir loten die entsprechenden Möglichkeiten aus», sagte Finma-Präsidentin Marlene Amstad.

Ob neue Verfahren eröffnet werden, sei noch offen. Nach der Übernahme liege der Fokus auf der Übergangsphase der Integration der CS in die UBS und der Finanzstabilität, so Amstad im Interview mit der «NZZ am Sonntag». Die Anforderungen an Kapital und Liquidität für die neue Riesenbank UBS sollen aber progressiv steigen. «Wir können das nicht per Montag verlangen, gewisse Übergangsfristen sind notwendig. Aber die Anforderungen werden steigen.»

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Die Finma begrüsse ausserdem die Diskussion über neue Interventions-Instrumente. «Erstens um die Bussenkompetenz, die die meisten Aufsichtsbehörden kennen. Das Zweite ist das sogenannte Senior-Manager-Regime, bei dem es um die Feststellung von Verantwortlichkeiten geht», sagte die Finma-Präsidentin.

Finma-Chef Urban Angehrn präzisiert in der «Sonntagszeitung», dass im einem Senior-Manager-Regime den obersten Verantwortlichen die Boni gekürzt werden könnten.

Harte Kritik an CS-Kultur

In der CS hat laut Amstad ein kulturelles Problem geherrscht, das sich in fehlenden Verantwortlichkeiten niedergeschlagen habe. «Oft war nicht klar, wer für was verantwortlich war.»

In vielen Fälle könne ihre Behörde aber jetzt schon einschneidende Massnahmen verfügen, sagte Amstad. Bei Verstössen gegen das Aufsichtsrecht habe die Finma schon früher intensiv eingegriffen. In den letzten Jahren seien sechs Enforcement-Verfahren gegen die CS geführt worden. «Aber gerade wenn wir scharf vorgehen, wird das meistens nicht öffentlich. Stellen Sie sich vor, es wäre bekannt geworden, dass wir bereits im November an der Sanierungsverfügung der CS arbeiteten oder die CS aufgefordert haben, alternative Lösungen für den jetzt eingetretenen Fall vorzubereiten.»

UBS muss CS-Schweiz-Geschäft nicht abspalten

Zum UBS-Deal sagt Amstad, man habe alle Optionen geprüft, auch die Aufspaltung und Abwicklung oder eine Verstaatlichung. «Wir hatten eine Sanierungsverfügung und eine Konkursverfügung vorbereitet, bei denen man noch das Datum hätte einsetzen müssen». Doch alle Parteien seien zum Schluss gekommen, dass die Übernahme durch die UBS die beste Lösung sei.

Man habe mit den ausländischen Behörden in Kontakt gestanden, «aber Druck gab es keinen». Dies hatten auch SNB-Chef Thomas Jordan und Finanzministerin Karin Keller-Sutter bekräftigt.

Zur Forderung aus der Politik, die zu grosse UBS müsse das Schweiz-Geschäft der CS abspalten, sagt Amstad, dass der Finma die Kompetenz fehle, direkt einzugreifen. Entscheidungen zur Strategie der Bank oblägen allein der UBS.

«Natürlich aber werden die fusionierte Grossbank und die Risiken im Fokus der Aufsicht sein», und kartellrechtliche Aspekte würden geprüft. Die Liquiditäts- und Kapitalanforderungen würden nach einer Übergangsfrist steigen. Ausserdem müssten die Behörden sich überlegen, ob die Too-big-to-fail-Gesetzgebung zu ergänzen sei.

Gemäss Finma-Direktor Angehrn wird die UBS allein schon durch das Zurückfahren des Investment Banking etwas kleiner werden. «Zudem werden wohl auch einige Kunden Alternativen suchen.»

(sda/rop)