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Fourth Party Logistics: «30 Prozent Einsparungen möglich»

In der Logistikkette vom Rohstoff bis zum Verkaufspunkt können nach den Worten von Alexander Bauer, Chairman der 4PL Central Station Group, noch erhebliche Kosten eingespart werden.

Von Interview: Kurt Bahnmüller
am 12.11.2003

Der Begriff 4PL ­- also Fourth Party Logistics ­- ist für viele in der Logistikwelt noch immer ein Buch mit sieben Siegeln. Wie würden Sie 4PL kurz und bündig definieren?

Alexander Bauer: 4PL-Anbieter sind unabhängige Generalunternehmer für Prozessmanagement und betriebsübergreifende Logistik. Unsere Aufgabe besteht darin, die physische Versorgung, die innerbetriebliche Logistik und die Distributionslogistik für die Auftraggeber zu entwickeln, zu steuern und zu kontrollieren. Um diese Aufgabe richtig wahrnehmen zu können, nehmen 4PL-Provider Einsitz auf dem Areal des Auftraggebers. Sie werden so zum integrierten Bestandteil der Supply Chain und machen sich die Sichtweise des Auftraggebers zu eigen.

In welchen Bereichen der Logistikkette lassen sich heute noch wesentliche Kosteneinsparungen realisieren?

Bauer: In allen Bereichen ­ denn rund ein Viertel der Gesamtkosten eines Industrieunternehmens sind Logistikkosten. Sie stellen somit ein bedeutendes Feld dar. Und überall, wo Schnittstellen reduziert, Bestände und Kapitalbindungen abgebaut und Prozesse verbessert werden können, lassen sich Kosteneinsparungen realisieren. So gesehen sind die reinen Transport-Distributionskosten, auf die viele Betriebe nach wie vor ihren Fokus richten, nur eine wenig bedeutsame Grössenordnung von etwa 6 bis 8%. Vergleicht man nämlich das Einsparungspotenzial der Transport-Distributionskosten mit jenem der übrigen Logistikkosten, so sind diese etwa 100-mal geringer...

Heisst dies konkret, dass durch interne Optimierungen innerhalb der gesamten Logistikkette derart bedeutende Kosteneinsparungen möglich sind?

Bauer: Ja, denn unsere Erfahrung zeigt, dass ein durchschnittliches Industrieunternehmen in der betriebsübergreifenden Logistik über ein Einsparpotenzial von etwa 30% verfügt ­ und Einsparungen in dieser Grössenordnung können die Umsatzrenditen um etwa 20 bis 25% verbessern.

Diese Optimierung der Supply Chain ist aber nur durch eine exakte Kenntnis der gesamten innerbetrieblichen Abläufe durch den 4PL-Provider möglich. Woher nimmt ein 4PL-Anbieter diese Spezialisten?

Bauer: Wenn es um die Optimierung oder gar um ein Re-Engineering der Supply Chain geht, sind Spezialisten gefragt. 4PL-Anbieter beschäftigen solche Fachleute, sei dies nun für die Belange der Fertigungs- und anderer operativer Prozesse oder die Entwicklung von komplexen Logistiknetzwerken. Selbst in steuerrechtlichen Fragen können wir die Auftraggeber mit unserem Spezialwissen unterstützen.

Der billigste Transport ist derjenige, der nicht stattfindet, heisst ein geflügeltes Wort. Ist dies noch immer der Fall?

Bauer: Aber sicher. Die Minimierung der Anzahl an Strassen- und Bahntransporten gehört zur Aufgabe aller, die in der Logistik Verantwortung tragen. Wir haben jedenfalls bei zahlreichen Firmen, für die wir eine Generalunternehmer-Funktion ausüben, durch die Bündelung von Bestellungen und Frachten erhebliche Kosteneinsparungen realisieren können und folglich die Anzahl Transporte reduziert.

Dies erfordert doch zwangsläufig auch eine starke Vernetzung zwischen 4PL-Anbieter und dem Kunden. Treten hier keine Probleme auf?

Bauer: Die Vernetzung zwischen 4PL-Provider und Auftraggeber ist tatsächlich sehr intensiv. Da wir die Sichtweise des Auftrag gebenden Kunden übernehmen, eine gemeinsame Strategie verfolgen und die Verantwortlichkeiten sauber gelöst haben, treten keine besonderen Probleme auf.

Wie steht es aber mit dem für einen speziellen Kunden erarbeiteten Know-how in der Optimierung der Logistikkette. Kann oder darf ein 4PL-Provider dieses Know-how auch bei einem ähnlich gelagerten Kunden einsetzen?

Bauer: Auf jeden Fall, denn dieser Grundsatz ist Teil unseres Wissensmanagements. Schliesslich können ja alle unsere Kunden vom täglich wachsenden Generalunternehmer-Know-how profitieren. In etlichen Fällen ist es bereits so, dass uns unsere Kunden bei anderen Unternehmen empfehlen.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Speditionsfirmen, die sich ja oft als Konkurrenten zum 4PL verstehen?

Bauer: Aus unserer Sicht völlig normal. In aller Regel sind die «Best-in-class»-Ressourcen vieler Spediteure unsere Auftragnehmer und Netzwerkpartner. Das Gleiche gilt für Strassentransporteure, Bahngesellschaften, Airlines, Reedereien und Lagerhalter. Die Tatsache, dass wir am Logistikmarkt absolut unabhängig auftreten, ist eine vertrauensbildende Massnahme, die uns unsere Aufgabe zusätzlich erleichtert.

Bei der Optimierung der Supply Chain spielt ja nicht nur der physische Transport der produzierten Güter eine wichtige Rolle, ebenso sehr müssen bereits bei der Produktentwicklung die vor- und nachgelagerten Logistikbedürfnisse berücksichtigt werden. Wird auch hier der 4PL-Provider beigezogen?

Bauer: Der 4PL-Provider wird nicht nur beigezogen, sondern ist durch seine Implant-Politik ein integrierter Teil der betriebsinternen Planung, Entwicklung und Kommunikation im Bereich Logistik des Auftraggebers. Der Einbezug von 4PL-Know-how in das Management der Kapazitäten und vor allem in die Steuerung der Fertigungstiefe gehört zum Tagesgeschäft.

Stichwort Fertigungstiefe. Übernehmen 4PL-Provider auch die Koordination der Lieferungen zwischen den Herstellern und ihren Zulieferern?

Bauer: Selbstverständlich ­ Beschaffungslogistik und Expediting gehören zu unseren Hauptaufgaben. Gerade in diesem Sektor können wir auf einige sehr erfolgreiche Lösungen entlang der Lieferkette hinweisen.


4PL Central Station ist derzeit schwergewichtig in Zentraleuropa tätig. Andererseits sind viele Konzerne heute weltweit präsent und fordern auch eine globale Supply Chain. Wie kommt hier Central Station zum Zug?

Bauer: Wir sind heute in Europa, den USA und in Asien bereits mit 16 Stützpunkten präsent. Um unsere europäischen Auftraggeber auch in Übersee noch effizienter unterstützen zu können, werden wir unsere operative Basis entlang der Supply Chains ausweiten. Zudem befassen wir uns vermehrt mit der 4PL-Integration in Handelsstrukturen. Im Vordergrund des Interesses stehen Firmen, die durch Zergliederungsmassnahmen ihr ursprüngliches Logistik-Know-how «verloren» haben und diesen Nachholbedarf durch 4PL-Implants abdecken wollen.


Steckbrief

Name: Alexander Bauer

Geboren: 1948

Zivilstand: Verheiratet, ein Sohn

Ausbildung: Speditionskaufmann

Funktion: Chairman 4PL Central Station AG, Basel

Logistik-Provider

Wer ist die 4PL Central Station Group?

1999 gegründet, ist die 4PL Central Station heute mit 16 Geschäftsstellen in sieben Ländern tätig und beschäftigt rund 150 Mitarbeitende. Die Gruppe erzielte 2002 einen Umsatz von 83,6 Mio Fr. 4PL-Anbieter verstehen sich als Generalunternehmer für das gesamte Logistikprozess-Management (Supply Chain Management) inklusive der gesamten innerbetrieblichen Produktionslogistik. Zentraler Punkt ist die absolut neutrale Beratung der Kunden, denn 4PL-Provider sind nicht an historisch gewachsene Transportnetze und Assets (Fahrzeuge, Lagerhäuser) gebunden, sondern sie können die Logistik der Kunden absolut frei von Sachzwängen ganzheitlich entwickeln und steuern. (kb)

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