Ist dies das letzte Interview mit Ihnen?

Fritz Ammann: Ich denke nicht. Solange ich das Vertrauen der Aktionäre geniesse, bleibe ich im Amt. Es gibt Statuten, und daran orientieren wir uns.

Sie könnten als Verwaltungsratspräsident abgesetzt werden?

Ammann: Das ist möglich, aber es gibt keine überzeugenden Indizien in dieser Richtung.

Mit der Investorengruppe um Adriano Agosti haben Sie einen neuen kritischen Grossaktionär, der 11,01% besitzt.

Ammann: Zunächst handelt es sich um eine Gruppe von fünf Firmen, die genau gleich wie ein Einzelaktionär behandelt wird. Gemäss unseren gültigen Statuten hat diese Gruppe somit ein Anrecht auf ein Stimmrecht von 5%.

Haben Sie mit dem neuen Aktionär bereits gesprochen?

Ammann: Nein. Ich habe ihm letzte Woche drei Terminvorschläge gemacht, aber noch keine Antwort erhalten.

Die Gruppe um Agosti möchte Sie als Verwaltungsratspräsidenten absetzen.

Ammann: Die Absetzung als Verwaltungsrat kann nur mit der Mehrheit der Aktionärsstimmen an einer Generalversammlung entschieden werden. Der Verwaltungsrat konstituiert sich selbst und bestimmt somit den Präsidenten.

Etwas Erfreulicheres: Sind Sie eigentlich mit der neuen Miss Schweiz, Amanda Ammann, Ostschweizerin wie Sie, verwandt?

Ammann: Nein.

Eine Miss in der Verwandtschaft könnte die missliche Lage bei Valora vielleicht beheben und dem Kurs Fantasie verleihen.

Ammann: Wir befinden uns in keiner misslichen Situation.

Der Aktienkurs ist aber arg gefallen, über 23% in einem halben Jahr.

Ammann: Momentan steigt der Kurs wieder. Im 3. Quartal 07 fanden deutliche Marktkorrekturen statt, denen sich auch die Titel von Valora nicht entziehen konnten. Im ersten halben Jahr hat das Kioskgeschäft in der Schweiz unsere Erwartungen nicht erreicht. Ende August haben wir eine Gewinnwarnung publiziert, die zu einer tieferen Bewertung unserer Titel führte.

Weshalb soll man in Valora investieren?

Ammann: Weil wir eine klare Strategie haben, die vom Verwaltungsrat einstimmig verabschiedet wurde, und die wir mit Konsequenz umsetzen. Wir haben drei Säulen: Retail, Media und Trade. Dazu haben wir noch fünf Produktionsgesellschaften, wo der Verkaufsprozess läuft. Sobald diese verkauft sind, ist die Gruppen-Restrukturierung abgeschlossen. Der Managementfokus liegt auf dem Bereich Kiosk, in welchem wir Schwierigkeiten gehabt haben. Die anderen Bereiche, Media und Trade, liefern weiterhin gute Ergebnisse.

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Von einer klarer Strategie sprechen Sie seit Jahren. Aber noch immer ist Valora eine Baustelle.

Ammann: Die Bereinigung der unverständlichen Expansions- und Diversifikationsstrategie der 90er Jahre dauert leider viel länger, als wir ursprünglich geplant haben. Vergessen wir nicht, der grösste Teil der Wegstrecke liegt hinter uns.

Wann ist die Bereinigung abgeschlossen?

Ammann: Im Laufe des nächsten Jahres werden wir nur noch reine Handelsaktivitäten haben.

Erst dann soll es aufwärts gehen?

Ammann: Unsere Strategie stimmt, die Umsetzung läuft mit regelmässigen Verbesserungen der Prozesse und Systeme.

Die Baustellen wie das Kioskgeschäft bleiben Valora also weiterhin erhalten.

Ammann: In jedem Handelsgeschäft haben sie stets Anpassungen an sich verändernde Marktbedingungen und Konsumentenbedürfnisse. Das sind keine Baustellen. Ab dem 2. Halbjahr werden wir bessere Resultate erzielen.

Welches Umsatzziel, welche Margen wollen Sie erreichen?

Ammann: Das 2. Semester 07 wird besser als das erste. Präzise Zahlen betreffend Umsatz oder Ergebnis kann ich, aus Gründen der Gleichbehandlung sämtlicher Aktionäre, nicht mitteilen.

Wenn das Ergebnis nicht besser wird, wäre das eine Katastrophe für Valora.

Ammann: Nein. Das Kioskgeschäft Schweiz macht ein Drittel des Gesamtumsatzes aus, die anderen Teile haben gute bis sehr gute Resultate erzielt. Trade und Media, Spettacolo und Convenience laufen gut, auch das Retailgeschäft in Deutschland und Luxemburg.

Wann wird Valora verkauft?

Ammann: Der heutige VR hat nicht die Absicht, Valora zu verkaufen, wir konzentrieren uns auf eine nachhaltige Wertsteigerung der Gruppe. Im Weiteren haben wir vom Aktionär an der Generalversammlung kein Mandat erhalten, das Unternehmen in Teilen oder als Ganzes zu veräussern.

Sie beabsichtigen bereits, Teile des Unternehmens zu verkaufen, wie die fünf Produktionsgesellschaften. Wollen Sie weitere Teile verkaufen.

Ammann: Nein. Das macht überhaupt keinen Sinn.

Vor eineinhalb Jahren sagten Sie mir dasselbe bezüglich eines Verkaufes der Produktionsgesellschaft Kägi Söhne.

Ammann: Meine damalige Antwort war korrekt. Die neue Strategie zur Fokussierung auf die reinen Handelsgeschäfte wurde vom Verwaltungsrat im März 2007 einstimmig verabschiedet. Die einzigartige Kombination unserer Handelsaktivitäten macht Sinn und gibt dem Unternehmen einen grösseren Wert, als wenn wir einzelne Teile herausnehmen und abstossen würden. Es gibt keinen vernünftigen Anlass, diese klare Strategie zu modifizieren.

Sind Käufer an Sie herangetreten?

Ammann: Nein. Konkrete Offerten wurden keine gemacht. Wir haben im Oktober 2006 eine unverbindliche Interessenskundgebung von Hachette Distribution Services erhalten. Seither hat uns niemand mehr kontaktiert, der Interesse an einer oder an allen Handelsaktivitäten von Valora hätte.

Würden Sie bei einem konkreten Kaufangebot zu einem guten Preis zugreifen?

Ammann: In einem solchen Fall hätten wir als Verwaltungsrat die Verpflichtung, das Angebot ernsthaft zu prüfen und einen konstruktiven Wettbewerb zu initiieren. Aber es gibt kein solches Angebot.

Wann werden die Produktionsgesellschaften verkauft?

Ammann: Unser Ziel ist es, diese alle möglichst gleichzeitig zu devestieren. Für den Verkaufsprozess braucht es normalerweise etwa ein Jahr. Im Frühling 2008 sollte dieser abgeschlossen sein. Die fünf Produktionsgesellschaften befinden sich in vier verschiedenen Ländern, daher ist das Vorgehen komplizierter. Aber das Interesse an den Marken-Produktionsgesellschaften ist gross. Wir lassen uns nicht unter Zeitdruck setzen.

Der späte Verkaufstermin kann sich auch als Bumerang erweisen, weil Interessenten abspringen könnten.

Ammann: Damit müssen wir rechnen, aber wir sind überzeugt, mit unserem Vorgehen das bestmögliche Resultat zu erzielen. In der Zwischenzeit tragen diese Gesellschaften weiterhin zum positiven operativen Gruppenergebnis bei.

Zurück zum Sorgenkind Kiosk. Was ändern Sie, um gute Ergebnisse zu erzielen?

Ammann: CEO Peter Wüst leitet das Kioskgeschäft interimistisch nun selber, was eine erhöhte Aufmerksamkeit und positiven, operativen Druck mit sich bringt. Wir haben nun dank dem elektronischen Kassensystem bessere Steuerungsmöglichkeiten und können das Geschäft mit Tabak, Presse, Food und Services wie Lotto transparenter und damit professioneller betreiben. Selbst wenn wir in einem Bereich tätig sind, der schrumpft, wie Tabak oder Presse, können wir die Abläufe der einzelnen Produkte besser steuern und die Produktivität spürbar steigern.

Wie?

Ammann: Entscheidend ist die Sortiments- und die Lieferantenpolitik, die wir laufend, auf rationalen Erkenntnissen basierend, anpassen können.

Wird die Lieferantenanzahl reduziert?

Ammann: Unser Ziel ist eine stärkere Konzentration im Sortiment und bei den Lieferanten.

Wie viele Kioske werden Sie schliessen?
Ammann: Es ist keine Schliessungswelle geplant.

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Steckbrief

Name: Fritz Ammann
Funktion: Valora-VR-Präsident
Alter: 63
Wohnort: Frauenfeld
Familie: Verheirater, zwei Kinder
Ausbildung: Dr. oec. HSG

Karriere

CEO Omega, Swatch, Charles Jourdan, Esprit, Carrera Eyewear, Metro
(Österreich), Spar (Deutschland)
Seit 2001 Valora-Verwaltungsrat
Seit 2005 Valora-VR-Präsident

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Investoren
Eine Gruppe um Adriano Agosti hat letzte Woche eine Beteiligung von 11,01% an Valora bekannt gegeben. Dazu gehören Golden Peaks Capital Management, Lombard Odier Darier Hentsch, Pictet, Alphanatics und 3V Asset Management. Sie wollen einen neuen VR-Präsidenten.

Zahlen
Der Berner Gemischtwarenkonzern hatte Ende August einen
Gewinneinbruch von 55% für das 1. Halbjahr gemeldet. Der Ebit reduzierte sich auf 17 Mio Fr., die Marge lag bei knapp 1,2%. Grund war das
Kioskgeschäft in der Schweiz. Für das 2. Semester wird ein besseres Resultat erwartet.