Ich habe in meinem Berufsleben manches erreichen können und empfinde tiefe Dankbarkeit für all die Chancen, die mir geboten wurden», sagte Fritz Gerber anlässlich seines 70. Geburtstags. Der wohl erfolgreichste Industriekapitän seiner Generation gab damals die Gründung der «Fritz-Gerber-Stiftung für begabte junge Menschen» bekannt. Das war vor sechs Jahren. Jetzt hat sich der Sohn eines Emmentaler Schreinermeisters, der die Zürich Versicherungen und den Pharmakonzern Hoffmann-La Roche während Jahren parallel dirigiert und durch seine Persönlichkeit geprägt hatte, auch dort von seinen Pflichten entbinden lassen.

Als neuer Stiftungsratspräsident firmiert seit Anfang 2005 Gerbers langjähriger Kommunikationsberater, der Zürcher Kantons- und Verfassungsrat Urs Lauffer, während Ehefrau Renate Gerber Vizepräsidentin geworden ist. Im prominent besetzten Gremium sitzen des Weiteren etwa der langjährige Roche-Kadermann Markus Altwegg, Financier René Braginsky, FDP-Nationalrat Felix Gutzwiller, Ex-Bundesratskandidatin Christine Beerli und IKRK-Präsident Jakob Kellenberger.

Offiziell nie in Erscheinung getreten ist der frühere «Zürich»-Finanzchef Rolf Hänggi, obschon der medienscheue Gerber-Ziehsohn und Präsident der Zürcher Privatbank Rüd, Blass & Cie bisher die Finanzen der Stiftung verwaltete. Mit bescheidener Fortüne: Im Zuge der Börsenbaisse der Jahre 2001 und 2002 sackte das aktienlastige Anlagevermögen des ursprünglich mit 20 Millionen Franken dotierten Hilfswerks dramatisch in sich zusammen. Um die Substanz der Stiftung zu erhalten, sahen sich Gerber und seine Mitstifter in der Folge genötigt, mehrere Millionen Franken nachzuschiessen. Auch dank Kursgewinnen in den letzten beiden Jahren seien die Verluste inzwischen wieder «vollumfänglich eingeholt worden», beruhigt Stiftungspräsident Urs Lauffer.

Hänggi, so heisst es, habe Gerbers Rückzug zum Anlass genommen, sich vom Portfoliomanagement der Stiftung zu entlasten. An seiner Stelle soll künftig René Braginsky über die gedeihliche Entwicklung des Stiftungsvermögens wachen.

Wie hat Fritz Gerber doch immer argumentiert? Wenn das Haus erst einmal bestellt ist, muss man als Chef nur noch loslassen können. Dass er sich selbst an diese Maxime zu halten gedenkt, beweist die Absicht des mittlerweile 76-Jährigen, im kommenden Jahr auch noch sein allerletztes Mandat – den Vorsitz in der Paul Sacher Stiftung – zur Verfügung zu stellen. JB