Der Sanitärtechnikkonzern Geberit hat einen sehr soliden Start ins neue Geschäftsjahr gezeigt und im ersten Quartal 2019 sowohl den Umsatz als auch den Gewinn stärker gesteigert als erwartet. Als Wachstumsbremse erweisen sich die Badezimmersysteme.

Der Umsatz litt unter negativen Währungseffekten in der Höhe von 23 Millionen Franken, dennoch ergab sich ein Umsatzplus von 0,9 Prozent auf 830 Millionen, wie Geberit am Donnerstag mitteilte. Organisch lag das Wachstum bei 3,6 Prozent, was am obersten Ende der Erwartungen lag. Gegenüber den 3 Prozent vom letzten Quartal 2018 bedeutet dies eine leichte Beschleunigung des Wachstumstempos.

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Allerdings hat sich Geberit für den Umsatz ein Wachstumsziel über die Zyklen im Bereich von 4 bis 6 Prozent gesetzt und liegt damit derzeit leicht darunter. Gleichwohl bezeichnet das Unternehmen das erreichte Wachstum als «erfreulich», zumal die Basis aus dem Vorjahr stark und das Umfeld in der Bauindustrie zwar insgesamt positiv, aber gleichwohl anspruchsvoll gewesen sei.

Badezimmersysteme laufen schleppend

Betrachtet man die drei Produktbereiche, so schlugen sich die angestammten Geschäfte Installations- und Spülsysteme (+5,0%) sowie Rohrleitungssysteme (+7,5%) besser als der über die Akquisition von Sanitec hinzugekommene Bereich Badezimmersysteme (-1,6%).

In der Hauptregion Europa, wo Geberit über 90 Prozent des Umsatzes erzielt, wuchsen die Verkäufe um 3,5 Prozent, in Nahost/Afrika (+4,8%) etwas stärker und in Amerika (+2,8%) etwas geringer. Das stärkste Wachstum ergab sich in der Region Fernost/Pazifik (+8,6%).

Auf der Gewinnebene legte Geberit noch etwas stärker zu als beim Umsatz. Die höheren operativen Ergebnisse werden auf tiefere Rohmaterialpreise, Preiserhöhungen, den gesteigerten Umsatz und auf einen verbesserten Produktmix zurückgeführt. Ausserdem will Geberit die Effizienz weiter gesteigert und eine hohe Kostendisziplin an den Tag gelegt haben.

Mitarbeiter bleiben treibender Kostenfaktor

Weiter kam ein positiver Effekt aus einer Änderung im IFRS Rechnungslegungsstandard hinzu, der die Marge um einen halben Prozentpunkt anhob. Belastet wurde das operative Ergebnis erneut von den «tarifbedingt» steigenden Personalkosten.

So nahm der Betriebsgewinn auf Stufe EBITDA um 6,8 Prozent auf 262 Millionen Franken zu, was einer Marge von 31,6 Prozent entsprach. Diese liegt damit um 180 Basispunkte über dem Vorjahreswert. Der Reingewinn verbesserte sich auf vergleichbarer Basis um 4,9 Prozent auf 192 Millionen. Damit wurden die Erwartungen der Analysten auf der ganzen Linie übertroffen.

Für das Gesamtjahr 2019 haben sich die Einschätzungen seit der Veröffentlichung der Ergebnisse für das Gesamtjahr 2018 im März laut Geberit nicht wesentlich verändert. Das Geschäftsjahr 2019 werde aufgrund einer generell höheren Volatilität und der Abschwächung der Baukonjunktur in einzelnen Märkten anspruchsvoll und die Entwicklung in den einzelnen Regionen und Sektoren verlaufe unterschiedlich.

Fachkräftemangel in Deutschland

Die Baukonjunktur in Europa beurteilt Geberit «gesamthaft weiterhin positiv». Wie in den Quartalen zuvor bleibt im wichtigsten Einzelmarkt Deutschland das Wachstumspotential wegen des Mangels an Arbeitskräften eingeschränkt, trotz einer «gesunden Nachfrage».

Positiv mit einer abgeschwächten Wachstumsdynamik sieht Geberit die Märkte in Österreich und Benelux, stagnierend in Frankreich und leicht rückläufig im Heimmarkt Schweiz. In Grossbritannien dürften die Unsicherheiten wegen des Brexits die Geschäfte bremsen.

Wichtig ist für Geberit jeweils auch die Entwicklung der Rohstoffpreise, wobei das Unternehmen sowohl Kunststoffe als auch Metalle verarbeitet. Geberit schreibt in diesem Zusammenhang, dass die Unsicherheit über die Entwicklung auf den Rohmaterialmärkten zugenommen habe und einen Ausblick schwierig mache. Nach einem rückläufigen Umfeld im ersten Quartal 2019 geht das Unternehmen für das zweite Quartal aber von wieder steigenden Preisen aus.

(awp/mlo)