Der weltgrösste Bierkonzern Anheuser Busch Inbev hat nun auch ein offizielles Gebot an die Aktionäre des Konkurrenten SABMiller für den geplanten Milliardenzukauf vorgelegt.

AB Inbev bietet wie erwartet den Aktionären von SABMiller 44 Pfund je Aktie in bar für den Grossteil der Anteile, wie beide Unternehmen am Mittwoch mitteilten. Die beiden grössten Aktionäre von SABMiller – der US-Tabakkonzern Altria und Bevco – sollen ihre Anteile gegen einen Mix aus speziellen AB-Inbev-Aktien und Bargeld abgeben.

US-Bier weg

Bei dem geplanten Deal im Umfang von knapp 70 Milliarden Pfund (rund 107 Milliarden Franken) handelt es sich um den bisher grössten in der Braubranche. Beide Unternehmen hatten sich bereits auf grundsätzliche Punkte für eine Fusion geeinigt. An diesem Mittwoch lief die verlängerte Frist für die Vorlage einer offiziellen Übernahmeofferte durch die britischen Behörden aus.

Um den Deal auch in den USA durchzubringen, verzichtet SABMiller auf die Beteiligung an dem US-Konzern MillerCoors. SABMillers 58-Prozent-Anteil werde für zwölf Milliarden Dollar an den Brauer Molson Coors verkauft, teilte Anheuser-Busch am Mittwoch mit.

AB Inbevleiht sich Rekordsumme

Für die Finanzierung des Mega-Deals leiht sich Anheuser Busch eine Rekordsumme. Mit einem Volumen von 75 Milliarden Dollar sei es der größte gewerbliche Kredit in der Geschichte des Marktes, erklärte die beratende Kanzlei der Geldgeber, Allen & Overy, am Mittwoch. Das Kapital komme von einem Konsortium bestehend unter anderem aus den Banken Banco Santander, Bank of America Merrill Lynch, Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ, Barclays, BNP Paribas und Deutsche Bank.

Der Konsortialkredit von AB InBev verdrängt den bisherigen Rekordhalter Verizon Communications, der 2013 eine Anleihe über 61 Milliarden Dollar aufnahm, um den Kauf des verbliebenen 45-Prozent-Anteils an Verizon Wireless zu stemmen. In einem für so grosse Übernahmen ungewöhnlichen Schritt habe AB InBev die Anleihe selbst organisiert und die Bankengruppe zusammengestellt, sagten mit der Situation vertraute Personen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

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Lemann am Ziel

Bei der Fusion der Biergiganten dreht ein Schweizer am grossen Rad: AB-Inbev-Chef Jorge Paulo Lemann. Er lenkt den grössten Bierkonzern von St. Gallen aus, obschon Lemann letztes Jahr seinen Sitz im Verwaltungsrat dem 47-jährigen Sohn Paulo Alberto überliess. Mit 12,5 Prozent der Aktien bleibt Lemann grösster Einzelaktionär des Biergiganten.

Lemann, der in Rio de Janeiro als Sohn von Einwanderern aus dem Emmental aufwuchs, startete seine Karriere 1989 mit der brasilianischen Brauerei Brahma. Diese schloss er mit der Lokalkonkurrentin Antarctica zu AmBev zusammen. AmBev fusionierte in der Folge mit der belgischen Interbrew zu Inbev. 2008 gelang mit der Übernahme von Anheuser-Busch der Schritt zur Weltmarktführung.

Schweiz als schwieriges Pflaster

Der nun eingefädelte Deal sichert ihm die absolute Vorherrschaft im Biermarkt. Jedes dritte Bier, das weltweit getrunken wird, spült nun Geld in die Kasse von AB Inbev und von Jorge Paulo Lemann – dem Mann, der von der «Süddeutschen Zeitung» seiner Zurückgezogenheit wegen das «Phantom aus der Schweiz» genannt wurde.

In der Schweiz spielt Lemann aber kaum eine Rolle. Den hiesigen Markt teilen sich Heineken und Carlsberg auf. Traditionsmarken wie Calanda, Eichhof, Haldengut und Ittinger gehören den Holländern von Heineken. Der Schweizer Marktführer Feldschlösschen ist im Besitz der Dänen.

(ise, mit Material der Nachrichtenagentur awp)