BILANZ: Zur «Generation Y» gehören Menschen, die nach 1980 zur Welt kamen. Was zeichnet die soge­nannten Millennials aus?

Nelly Riggenbach: Die Millennials sind die erste Generation, die mit Internet, PC-Games und Handy aufgewachsen sind. Dadurch sind diese Menschen extrem technologieerfahren, auf ihren Gebieten topinformiert und allzeit kritisch eingestellt. Sie stellen Hierarchien in Frage, können nicht akzeptieren, dass Erfahrung mehr zählt als Kompetenz, Technologiekompetenz beispielsweise. Das kann in Unternehmen zu einem Generationen-Clash führen.

«Generation respektlos»?

Das würde ich nicht sagen – auch wenn sich im Umgang mit Millennials eine gefühlte Arroganz einstellen kann. Weil es Menschen sind, die ihren Wert kennen und ungeniert wissen wollen, was man ihnen bieten kann. Was wir derzeit erleben, ist wohl eher eine «Generation jetzt und alles».

Welche Arbeitsmoral bringt sie mit?

Sie sind extrem leistungsbereit, wollen aber auch honoriert werden dafür. Feedback ist ihnen sehr wichtig – nicht nur einmal im Jahresgespräch, sondern ständig. Sie verstehen es nicht, wenn man ihnen den Gebrauch von Social-Networking-Websites wie Facebook verbieten will am Arbeitsplatz – weil das zu ihrem Leben gehört. Gerade im Technologie­bereich reagieren Millennials äusserst ungnädig, wenn Vorgesetzte Spielregeln machen wollen für ein Spiel, das sie selber nicht mitspielen.

Die Generation Y kennt weder Krieg, noch hat sie eine Rezession erlebt. Wie krisenbeständig ist sie?

Nicht weniger als andere Generationen. Sie kennt andere Krisen. Die Möglichkeit, alles haben und erreichen zu können, erzeugt einen ganz anderen Druck auf diese Generation, als es ihre Vorgänger je hatten.

Wie kann ein Unternehmen solche Leute halten?

Man muss die Millennials ständig fordern und unterhalten. Lässt sich das – etwa aus wirtschaftlichen Gründen – nicht machen, muss man sie an der langen Leine führen. Auf jeden Fall sollte das Management darauf achten, dass es im Trennungsfall zu einem Abschied im Guten kommt. Das Stichwort dazu lautet «Boomerang Hire»: darauf hinarbeiten, dass ein Millennial später wieder zur Firma zurückkehrt – und dann möglicherweise mit dem Wissen, das er sich beim Konkurrenten geholt hat.

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Nelly Riggenbach (29) ist Countrymanagerin Schweiz beim Weltmarktführer für Employer Branding, Universum Communications.