Das waren noch Zeiten, als der Autohändler Walter Haefner Anfang der sechziger Jahre im Osten Irlands auf einem abgetakelten, einige Dutzend Hektar grossen Milchviehgehöft vorfuhr, feilschte und das gesamte Gelände erwarb. Die Europäische Union hiess noch EWG – und Irland gehörte noch nicht dazu. Im Gegenteil: Steuerbetrüger aus aller Welt, speziell aus Deutschland, erfreuten sich dort grenzenloser Freiheit. Irland ignorierte internationale Auslieferungsbegehren.

Multimillionär Haefner war allerdings nicht auf der Flucht vor Steuervögten. Sein Hausarzt hatte dem Vater von zwei Kindern Reitsport als Therapie gegen erste körperliche Ermüdungserscheinungen, bedingt durch die anstrengende Aufbauarbeit bei der Amag, empfohlen. Da war Irland naheliegend, denn nirgendwo sonst auf der Welt geniesst die Reiterei einen solchen Stellenwert. Nirgends grünt es so prächtig und üppig wie auf dem auch Grüne Insel genannten Eiland. Speziell das Geläuf auf Koppeln und Rennbahnen im 50-Meilen-Radius der Hauptstadt Dublin gilt bei Pferdezüchtern als absolute Weltspitze.

Das Städtchen Maynooth im County Kildare, ein paar Meilen von Dublin Airport entfernt, ward fortan Haefners zweite Heimat. Wenn der Unternehmer etwas anpackt, dann richtig. Erst einmal triumphierte der damals schon über 50-jährige Hobbyreiter 1963 mit grandiosen Ritten im Sattel, die ihm den Titel des Europa-Champions der Amateurreiter bescherten. Intensiv investierte der Quereinsteiger fortan in die eigene Zucht und heuerte mit dem heimischen Veterinär Stanley Cosgrove und dem inzwischen legendären Trainer Dermot K. Weld zwei Vollblut-Pferdefreunde als Statthalter seines Gestütes Moyglare Stud an. Auf etwa 180 Hektaren grasen und gebären drei Dutzend Mutterstuten. Eigene Hengste springen nicht auf Moyglare, männliche Fohlen werden zumeist profitabel verkauft.

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Parallel liess Haefner eine Dependance von Moyglare im amerikanischen Pferdestaat Kentucky einrichten. Mehr als zwei Dutzend Siege in sogenannten Gruppe-1-Rennen für Haefners Gestüt mehrten in fast fünf Jahrzehnten den Ruhm des Schweizer Pferdeflüsterers. Das Trinity College, Dub­lins weltberühmte Universität, ehrte den Züchterzaren Haefner 1988 mit der Ehrendoktorwürde. Tochter Eva-Maria Bucher, inzwischen selbst verheiratet und Mutter zweier erwachsener Kinder, entdeckte ebenfalls früh den Reiz der Reiterei. Sie trat vor zwei Jahren in Irland in die väterlichen Fussstapfen. In einem Interview mit der «NZZ» bekannte sie, ganz Geschäftsfrau, ihre Marschrichtung: «Der Break-even ist das Ziel.» Das Gestüt hängt dabei als Tochterfirma am langen Zügel der Zürcher Careal Holding, deren Verwaltungsrat unverändert der Patriarch präsidiert. Auch bei der Vollblutzucht ist der Rat des ­Seniors weiter gefragt . «Ich ­verwalte das Gestüt für meinen ­Vater», bekennt die Tochter. «Das bleibt so, so lange er lebt.»