Der Reiseaktivitäten-Vermittler Getyourguide wird mit Milliarden bewertet und gehört damit zu den wenigen «Einhörnern» aus der Schweiz – also Startups, die mit mindestens einer Milliarde Firmenwert aufwarten können.

Doch der Ausbruch der Corona-Krise trifft das Unternehmen mit Sitz in Berlin und Zürich hart. Die Reisevent-Plattform spürt den Einbruch des gesamten Tourismussektors.

Einbruch über 50 Prozent

Gründer und Chef Johannes Reck sagt: «Wir sehen weltweit einen Einbruch von Buchungen für Reiseaktivitäten von fast 50 Prozent» – dies im Vergleich zur Nachfrageprognose für die letzten beiden Wochen. Das betreffe Reisende aller Nationalitäten und Länder, so Reck. «Die meisten überlegen sich jetzt zweimal, bevor sie etwas buchen.»

Italien, die Touristen-Hochburg, ist dabei natürlich besonders betroffen. «Reisende, die einen Trip nach Italien geplant haben, stornieren ihre Aktivitäten». In den letzten zwei Wochen hätten sechsmal mehr Personen ihre geplanten Trips storniert. 

GetYourGuide vermittelt Aktivitäten wie Museumsbesuche, Eintritte zu Sightseeings, geführte Touren in Reise-Destinationen. Das Handling findet auf einer App und Website statt. Viele Aktivitäten können kurzfristig gebucht und storniert werden. Damit entfallen vor allem auch lange Wartezeiten vor Sehenswürdigkeiten. 

Johannes Reck von Getyourguide: «Mister Einhorn»

Mit 1,3 Milliarden Dollar wurde GetYourGuide bewertet: Mitgründer Johannes Reck ist mit seinem Schweizer Start-up auf der Überholspur. Mehr dazu lesen Sie hier

Getyourguide beobachtet, dass vor allem auch Schweizer besonders oft stornieren. Sie würden mit 42 Prozent über dem europäischen Durchschnitt liegen, wenn es um Stornos in Italien geht. Am gelassensten sind die Niederländer. Sie haben nur 15 Prozent der Aktivitäten in Italien storniert. 

«Staycation»

Die Folge davon kann man als «Staycation» bezeichnen. Die Leute bleiben zu Hause und unternehmen dort etwas. Das beobachtet auch Getyourguide. 

«Reisende weichen zunehmend auf Aktivitäten aus, die näher bei ihnen Zuhause sind. Der Anteil der Buchungen von Reisenden für Erlebnisse in der näheren Umgebung ist um 7 Prozent gestiegen», heisst es. 

Vor allem Spanier, Amerikaner und Australier buchen deutlich mehr Erlebnisse in näherer Umgebung als vor der Ausbreitung des Coronaviruses. In der Schweiz sei dieser Trend noch nicht erkennbar. 

Wird eine Sehenswürdigkeit geschlossen, gibt es Geld zurück

Getyourguide zeigt sich in der Ausnahmesituation kulant: Kunden, die ihre Buchung mehr als 24 Stunden im Voraus stornieren, erhalten ihr Geld komplett zurückerstattet.

Reisende, die eine Buchung für Attraktionen hätten, die aufgrund des Coronavirus geschlossen worden sei, würden individuell kontaktiert. 

Es wird für viele Reisefirmen schwierig

Die Situation sei «unvergleichbar mit allem, was wir kennen», heisst es von Getyourguide.

Das gesamte Ausmass des Schadens für die Tourismusbranche lasse sich derzeit nur schwer einschätzen, «aber es wird mit Sicherheit für viele Firmen schwierig werden», sagt Christine Stundner von Getyourguide.

Das Schweizer Startup sei aber in der «glücklichen Position», letztes Jahr eine sehr grosses Investment in der Höhe von 484 Millionen Dollar erhalten zu haben. Trotz der Corona-Krise würde man nach wie vor «eng und partnerschaftlich» mit den Investoren zusammenarbeiten, sagt Stundner. 

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Bild aus besseren Zeit: Ein Getyourguide-Mitarbeiter nimmt vor dem Kolosseum Touristen in Empfang. 

Quelle: ZVG

Homeoffice bei Getyourguide

Das Corona-Virus beeinträchtigt aber nicht nur den Geschäftsgang von Getyourguide – das Startup ist auch intern davon betroffen. 

Alle 650 Mitarbeiter in den 17 globalen Büros würden seit dem 11. März im Homeoffice sitzen. Das gelte auch für die rund 50 Mitarbeiter in Zürich

Damit ist das Startup nicht alleine. Getyourguide beschäftigt am meisten Mitarbeiter in Berlin. Auch andere Startups in Deutschland ergreifen solche Massnahmen. Der deutsche Startup-Verband hat nun einen Leitfaden für Startups während der Corona-Krise herausgegeben.