Gut, aber weniger gut als die Credit Suisse: So reagierten die Anleger auf die vorgelegten Halbjahreszahlen der UBS. Der Kurs der Namenaktien sank entsprechend in der ersten Stunde des Handels um mehr als 2 Prozent. Um 10:50 Uhr hat er sich leicht erholt und steht bei 21.34 Franken, gut 1 Prozent tiefer. Der Schweizer SMI steht insgesamt schwächer da, rund 0,8 Prozent am Vormittag.

Die Grossbank hat die Veröffentlichung ihrer Quartalszahlen aufgrund von Medienberichten in der Sonntagspresse um einen Tag vorgezogen. Die Zahlen liegen über den durchschnittlichen Erwartungen der Analysten. Allerdings dürften einige Anleger nach der deutlich positiveren Ergebnisüberraschung der Credit Suisse und den in der Presse erwähnten höheren Gewinnzahlen mehr erwartet haben.

UBS liegt über den Erwartungen

Die «Sonntagszeitung» hatte berichtet, dass UBS im zweiten Quartal 1,5 Milliarden Franken Gewinn verbuchen kann. Tatsächlich sind es 1,2 Milliarden Franken. Damit liegt die UBS aber noch immer deutlich über den Erwartungen der Analysten, die im Schnitt von einem Plus um 817 Millionen Franken ausgegangen waren.

Insgesamt zeigen sich die Analysten in ersten Reaktionen von den Zahlen der UBS aber angetan. Gelobt wird insbesondere die weiter gestärkte Kapitalposition der Grossbank. Die harte Kernkapitalquote hat sich auf 14,4 Prozent verbessert. «Kapital ist das Highlight», überschreibt die Bank Vontobel ihren Kommentar. Auch die Zürcher Kantonalbank, der Broker Kepler Cheuvreux und die Bank J. Safra Sarasin loben die Kapitalstärke. Die überlegene Kapitalposition zusammen mit der gut ausbalancierten Geschäftsstrategie seien die Schlüsselfaktoren für das künftige Wachstum, schreibt Safra Sarasin.

Schwachstelle Vermögensverwaltung USA

Vontobel und die Zürcher Kantonalbank weisen zudem darauf hin, dass die künftig höheren latenten Steueransprüche das Kapital zusätzlich stärken dürften. Vontobel gibt sich vor diesem Hintergrund überzeugt, dass die UBS in der Lage ist, attraktive Bardividenden auszuschütten.

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Unter den Geschäftsbereichen werden die Vermögensverwaltung sowie der Aktienhandel innerhalb der Investment Bank positiv hervorgehoben. Weniger gut aufgenommen wird das Ergebnis des Vermögensverwaltungsgeschäfts in den USA. Als Grund führt die Zürcher Kantonalbank die abermals hohen Kosten an, die jedoch vor allem auf nicht erwartete Rückstellungen für Rechtskosten zurückzuführen seien.

«Potenzial bei 35 Franken»

Der Broker Kepler Cheuvreux weist in seinem Kommentar darauf hin, dass die UBS-Zahlen zwar über den Erwartungen liegen, dass sie aber weniger überzeugend ausgefallen seien als diejenigen der CS. Ähnlich tönt es auch im Fazit der Zürcher Kantonalbank: Im Vergleich zur Credit Suisse zeige die UBS im zweiten Quartal nicht die gleiche Stärke.

Das gilt auch perspektivisch: Es dürfte jetzt für die Credit Suisse an der Börse besser laufen als für die UBS, sagte Andreas Ruhlmann, Marktanalyste der IG Bank, vergangene Woche im Interview mit handelszeitung.ch. Zwar kann sich das Papier der Grossbank heute nicht vom Abwärtskurs im SMI frei machen und verliert ähnlich wie die UBS über 1 Prozent. Doch Experte Ruhlmann sagt voraus: «Über einen Zeitraum von sechs Monaten sehe ich das Potenzial der Credit-Suisse-Aktie bei 35 Franken – was einen Anstieg um 20 Prozent gegenüber dem heutigen Kursniveau darstellt.»

 

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(me; mit Material von sda)