Es ist ein Anblick, der für Herzrasen sorgt: die zierliche Linie eines Aktienkurses, die abrupt in die Vertikale fällt, der Ticker, dessen Zahlen alarmrot zu leuchten beginnen und der schliesslich ein zweistelliges Minus ausweist.

Als die Volkswagen-Aktie, das zuvor solide Papier, vergangene Woche an einem Tag 27 Prozent verlor, dokumentierte dieser drastische Kursabsturz das Ausmass der Erschütterung angesichts des Abgas-Skandals. Die weltweite Nummer eins der Autoindustrie wankte, von Gefahren für die deutsche Wirtschaft ist seither die Rede. Es scheint, ein absoluter Ausnahmezustand.

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90 Prozent des Börsenwertes eingebüsst

Und doch gibt es eine Aktie, die noch schneller fällt als die von VW. Rohstoffriese Glencore hat am ersten Handelstag dieser Woche 29 Prozent eingebüsst. Damit liegt der Titel 76 Prozent tiefer als zu Jahresbeginn. Seit dem Gang aufs Parkett 2011 hat das Unternehmen 90 Prozent seines Börsenwertes verloren.

Die Aktionäre haben Glencore wie Ramsch behandelt: Das umfangreiche Sparpaket hat nicht gegriffen, das Konzernchef Ivan Glasenberg Anfang September lanciert hat, um Glencores Schulden um 10 Milliarden auf 20 Milliarden Dollar zu reduzieren. Dabei war schon dieses Vorhaben ein Zugeständnis an die Anleger, um den Wertverfall aufzuhalten.

«Das sind Verkäufe aus Angst»

«Das sind Verkäufe aus Angst», sagt Tom Vorhees, Analyst bei Brean Capital, gegenüber Bloomberg. Die Stimmung am Markt ist aktuell ohnehin angespannt. Investoren sorgen sich um das globale Wachstum und die schwächelnde Nachfrage aus China, schreibt die Credit Suisse in einer Analyse. «Diese Entwicklungen bedeuten eine herausfordernde Umgebung für Glencore», so die Analysten, «Das Unternehmen ist verletzlicher als etwa BHP oder Rio, weil seine Anteile viel stärker gehandelt werden.»

Am Freitag sagte Goldman Sachs voraus, dass Glencore die Bankverbindlichkeiten nicht mehr bedienen könnte, sollte der Rohstoffpreis um gerade einmal 5 Prozent fallen. Das hiesse, noch knapp zwei Dollar pro Fass trennen Glencore vom Kollaps. Diese Prognose war offenbar zuviel für die Anleger: Sie stiessen das Papier im drastischen Umfang ab. Glencore-Chef Glasenberg allein hat gestern 500 Millionen Dollar an Vermögen eingebüsst.

Glencore im Überlebenskampf

Glencore kämpft ums Überleben. Das Papier ist noch 75 britische Penny wert. Die 2,5 Milliarden Dollar, die Glasenberg an Eigenkapital aufgestockt hat, sind wenige Wochen später nur noch die Hälfte wert. Es stellt sich die Frage, ob es noch Glasenberg sein wird, der Glencore aus der Krise führt.

Ein Hoffnungsschimmer: Die Glencore-Aktie legte bis Dienstagnachmittag um 17 Prozent zu. Tatsächlich empfiehlt die Credit Suisse den Titel nach wie vor zum Kauf. Die umfangenreichen Verkäufe seien eine Überreaktion, so ihr Fazit. Die Aktie von VW dagegen liegt heute erneut knapp 2 Prozent im Minus. Der Kursabsturz vergangene Woche verfestigt sich zum Abwärtstrend: Volkswagen ist an der Börse nur noch halb so viel wert wie zu Jahresbeginn.

VW zählt nicht mehr zu den Besten

Und das ganze Ausmass der Krise bei VW beginnt sich erst abzuzeichnen. Das Unternehmen wird Anfang Oktober aus dem Dow Jones Sustainability Index gestrichen, meldete Bloomberg heute. Dieser enthält jeweils die Bestwerte einer Branche, VW gehört nun nicht länger dazu.