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Rohstoffe
Glencore wird eine Sorge im Kongo los

Ivan Glasenberg
Ivan Glasenberg: Der gebürtige Südafrikaner hat Glencore zum führenden Rohstoffkonzern gemacht.Quelle: Anadolu Agency/Getty Images

Glencore einigt sich in einem Rechtsstreit in der DR Kongo und schreibt Milliarden ab. Die Lage im Kongo bleibt für Glencore verzwickt.

Von Marc Bürgi
am 13.06.2018

Die Demokratische Republik Kongo (DRC) ist für Glencore Chance und Risiko zugleich: In diesem Land in Zentralafrika baut der Zuger Rohstoffkonzern Kupfer und Kobalt ab. Die Preise für die beiden Rohstoffe sind dank des Batterienbooms in die Höhe geschossen. Es ist eine lukrative Förderung, die Glencore allerdings grosse Schwierigkeiten verursacht – Rechtsstreitigkeiten und politische Unabwägbarkeiten belasten das Geschäft.

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Noch diese Woche riskierte Glencore, einer seiner wichtigsten Vermögenswerte zu verlieren: Dem Joint-Venture KCC, welches in der DRC die weltgrösste Kupfer- und Kobaltmine betreibt, drohte wegen eines Rechtsstreits die Verstaatlichung. Dieses Problem kann Glencore jetzt lösen. Und nimmt dafür einen Abschreiber von 5,6 Milliarden Dollar in Kauf. Zusätzlich zahlt Glencore beziehungsweise die kanadische Minengesellschaft Katanga Mining unter anderem Entschädigungszahlungen von rund 150 Millionen Dollar.

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Wahlplakat von Präsident Josef Kabila, im Hintergrund ist eine Kobaltmine zu sehen.
Quelle: Franco Origlia / Getty Images

Milliardenhohe Schulden

Angeklagt war nicht Glencore selbst, sondern Katanga Mining, die mehrheitlich Glencore gehört. Katanga wiederum besitzt zu 75 Prozent KCC. Der Rest an KCC kontrolliert die staatliche kongolesische Minengesellschaft Gécamines. Gécamines beschuldigte Katanga, für den finanziellen Engpass von KCC verantwortlich zu sein. Das Joint-Venture KCC ist mit über neun Milliarden verschuldet, grösstenteils bei Glencore. Durch den 5,6-Milliarden-Abschreiber von Glencore verringern sich die Schulden von KCC nun auf 3,45 Milliarden Dollar.

Mit dem Deal ist die Klage vom Tisch, und Glencore hat weiterhin Zugriff auf die weltgrösste Kupfer- und Kobaltmine. Von Analysten der Credit Suisse, Goldman Sachs und Bernstein wird die Einigung gelobt. Bernstein sieht den Deal sogar grundsätzlich als positives Signal für Glencores Tätigkeit in der DRC. «Es zeigt, dass Gécamines und die Regierung nicht nur darauf aus sind, Vermögenswerte zu beschlagnahmen.» Die Bankanalysten halten den Deal auch für ein Zeichen, dass reguläre Verhandlungen in der DRC trotz allem zum Ziel führten.

Klage von Ex-Geschäftspartner

Bernstein spielt auf die grossen Probleme an, mit denen Glencore in der DRC weiterhin konfrontiert ist. So fordert der israelische Geschäftsmann Dan Gertler in einer Klage eine Entschädigung über mehrere Milliarden Dollar. Gertler, ein früherer Geschäftspartner Glencores, ist wegen den «Paradise Papers» in Verruf geraten. Er wird von den USA verdächtigt, Schmiergeld an die Regierung der DRC gezahlt zu haben.

Ein zusätzliches Risiko ist das neue Minengesetz, welches die DRC beschlossen hat. Unter den neuen Regeln müssen ausländische Minenbetreiber höhere Steuern sowie Sonderabgaben bezahlen – welche finanzielle Folgen es für Glencore haben wird, lässt sich momentan schwer abschätzen. Und just vor einigen Wochen ist ein neues Problem aufgetaucht. Der US-kongolesische Geschäftsmann Charles Brown sieht sich um seine Anteile an der Kupfer- und Kobaltmine Mutanda betrogen. Mutanda gehört heute Glencore. Laut der Agentur Bloomberg fordert Brown von Glencore und weiteren Parteien eine Entschädigung von über einer Milliarde Dollar.

Machthaber führt Wahlen durch

Kongo ist trotz seiner Bodenschätze sehr arm und die Regierung gilt als korrupt. Machthaber Josef Kabila, seit 2001 im Amt, will Ende Jahr Wahlen durchführen. Die politische Situation ist deswegen angespannt. Für Glencore wird das Geschäft in der DRC auf absehbare Zeit schwierig bleiben.