Am 11. Juli stimmen die Aktionäre des Rohstoffkonzerns Glencore über die Fusion mit Xstrata ab. Einen Tag später wäre es eigentlich auch an den Eignern der Bergbaufirma Xstrata über den Zusammenschluss der beiden Giganten zu entscheiden. Doch der Termin wurde verschoben, wie Xstrata-Sprecherin Alison Flynn bestätigte. Ein neuer Termin ist noch nicht bekannt.

Bereits bekanntgegeben wurde derweil die Zusammensetzung des Verwaltungsrats der neuen Gruppe bekanntgegeben. Die Heirat wird als «Fusion unter Gleichwertigen» etikettiert. Im Topmanagement allerdings hat Xstrata unter CEO Mick Davis das Sagen. Doch auch im Verwaltungsrat dominiert der Kleinere. Xstrata stellt die Mehrheit mit den sechs Verwaltungsräten Mick Davis, Con Fauconnier,Peter Hooley, Sir Steve Robson,Ian Strachan sowie dem Präsidenten Sir John Bond.

Glencore dagegen kommandiert nur fünf Leute ab, und zwar Ivan Glasenberg,Leonhard Fischer,Anthony Hayward, Peter Coates und William Mac­aulay. Auch die zwei einzigen Wahlschweizer, ­Glasenberg sowie Ex-«Winterthur»-CEO ­Fischer, kommen von Glencore. Der frische Verwaltungsrat wird beherrscht von sechs Briten. Bei einem Durchschnitts­alter von 61,8 Jahren ist das Gremium alles andere denn ein Jungbrunnen.

Auch der VR ist eine Mogelpackung

Wie das Management ist auch die ­Zusammensetzung des Verwaltungsrats eine Mogelpackung. Aktuell hält das ­Management an Glencore rund 80 Prozent der Aktien, im fusionierten Konzern wird diese Gruppe die Mehrheit kontrollieren. Allein Glasenberg besitzt künftig rund 8 Prozent – und ist damit grösster Aktionär.

Anzeige

Dass dennoch Xstrata in Management und VR das Sagen haben wird, haben sie Glasenbergs Winkel­zügen zu verdanken. Der 4,6fache Milliardär, dessen Beteiligung seit dem IPO von Glencore massiv an Wert eingebüsst hat, rechnet mit einem Anstieg der Börsen­kapi­talisierung im fusionierten Konzern – und damit mit einer kräftigen Vermögensvermehrung. Deshalb bescheidet er sich mit dem Titel des stellvertretenden CEO.

Der gebürtige Südafrikaner hat bei Marc Rich abgeguckt, wie man aus Kohle Kohle macht. Das hat er nicht verlernt. Ausser sein Schuss geht nach hinten los. Damit das Xstrata-Management die ­Fusion auch bejubelt, wird über sie ein Füllhorn mit bis zu 370 Millionen Franken ausgeleert. Das war den Aktionären zu viel des Guten. Einige Grossanleger kritisieren das Geschenk heftig. Nun ist offen, ob die Fusion seitens Xstrata eine Mehrheit findet.