Vor zwei Jahren verlegte die Globetrotter Group ihren juristischen Sitz von Zürich nach Bern. Nun rückt der Individualreisenanbieter wieder näher an Zürich heran. Die beiden Globetrotter-Besitzer André Lüthi und Walter Kamm verkaufen per 1. Juli die Hälfe des Unternehmens an die Zürcher Diethelm Keller Gruppe, grösste Aktionärin des börsenkotierten Handelskonzerns DKSH.

Die Familienfirma erweitert ihr Reiseportfolio. Der Diethelm Keller Gruppe gehört das Reiseunternehmen Diethelm Travel in Bangkok, vor allem aber die auf Reisen für Studenten und Jugendliche spezialisierte STA Travel. 1979 übernommen, setzte STA 2011 mit 2000 Mitarbeitern mehr als eine Milliarde Dollar um.

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Globetrotter erzielte vergangenes Jahr mit 400 Mitarbeitern 241 Millionen Franken Umsatz. Nun geht Lüthis «Baby» zu einem schönen Teil in einem Milliardenkonzern auf. Dagegen hatte sich CEO Lüthi (53) stets gewehrt. «Wir wollten eigentlich nicht verkaufen. Aber als Diethelm Keller uns bat, bei der Neuaufstellung von STA zu helfen, konnten wir uns entsprechend zukunftsorientiert, auf Synergien basierend absichern», sagt der gelernte Bäcker in bestem Corporate-Deutsch. Ein Verkauf an einen grossen Reisekonzern sei nicht in Frage gekommen, die Mitarbeiter hätten sich verraten gefühlt, «ein eigenständiges, familiengeführtes Unterehmen passte hingegen schon».

Lüthi will sich nicht zur Ruhe setzen

Für Lüthi selbst bleibt Globetrotter «sein Leben». Neben dem Job als CEO amtiert er künftig zusätzlich als VR-Präsident. Kamm bleibt VR-Mitglied.

Zur Ruhe setze er sich sicher nicht, sagt Lüthi. Finanziell läge es allemal drin. Diethelm Keller bezahlt einen zweistelligen Millionenbetrag für die Globetrotter-Beteiligung. «Unsere Ebit-Margen liegen im Branchenschnitt bei rund zwei Prozent», sagt Lüthi. Nimmt man den in der Branche üblichen Kaufpreis vom vier- bis achtfachen Betriebsgewinn, dann dürften die 50 Prozent inklusive Paketzuschlag um die 20 Millionen Franken wert sein. Über den Verkaufspreis haben die beiden Parteien Stillschweigen vereinbart.

Diethelm Keller kauft sich bei einem wachstumsstarken Unternehmen ein, das noch nie rote Zahlen geschrieben habe, sagt Lüthi. «Jährlich wachsen wir um drei bis sechs Prozent, auf Umsatz- wie auch auf Ebit-Ebene.» Jetzt soll es noch rascher gehen. Mit STA im Rücken lassen sich im Einkauf günstigere Flüge aushandeln, und in der IT sowie im Marketing fallen Synergien an. Und schliesslich erschliesst Globetrotter mit STA einen schönen Kundenstamm. Lüthi: «Jugendliche und Studenten buchen bei STA Travel. Später kommen sie zu Globetrotter.»