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Globus-Gruppe: Globus hat den Höhenkoller

Bei der Migros-Tochter gehen Umsatz und Gewinn zurück. Die ABM-Umwandlung in Oviesse ist bisher ein Misserfolg, die Globus-Warenhäuser stagnieren. Dem soll die neue interne Strategie «Globus to the To

Von Gret Heer
am 04.02.2003

Was ist bloss mit Globus los? Alle Schweizer Globus-Unternehmen mit Ausnahme des Herren Globus verzeichneten letztes Jahr einen Umsatzverlust (siehe Tabelle). Auch im Ausland, wo rund ein Viertel des Gruppenumsatzes erarbeitet wird, resultierte ein Minus von 4,8%. Besonders happig an dieser negativen Entwicklung ist: Der Gewinn des zu Migros gehörenden Einzelhandelskonzerns ist weiter geschmolzen. Der Gruppen-Reingewinn 2002 wird unter dem Vorjahresergebnis von 40,4 Mio Fr. liegen. Zwei Jahre zuvor betrug er noch 44,3 Mio Fr.
«Die ABM-Transformation reduziert den Konzern-Umsatz eben massiv und belastet die Konzernrechnung», erklärt Pressesprecher Ernst Pfenninger. «Und die Umsatzentwicklung war geprägt durch die Zurückhaltung der Konsumentinnen und Konsumenten.» Doch allein mit der Umwandlung von ABM in Oviesse, Nannini und Estorel und der Wirtschaftsflaute kann das schlechte Abschneiden der Globus-Gruppe nicht erklärt werden. Unter der miesen Konsumentenstimmung leidet auch die Konkurrenz. Trotzdem konnte die Warenhauskette Manor im Gegensatz zu den Globus-Warenhäusern den Umsatz letztes Jahr leicht steigern (1,2%), und auch Ikea konnte 2002 laut eigenen Angaben den Umsatz halten, im Gegensatz zu Interio, der Möbelhaustochter von Globus. Immerhin ist auch Positives zu vermelden: So konnten die 22 Herren Globus ihren Umsatz erhöhen. Eine beachtliche Leistung angesichts eines laut IHA rückläufigen Herrenmarktes von 4 bis 5%.
*Träge Warenhäuser*
Eigentlich wären die Voraussetzungen für die elf Globus-Warenhäuser ideal. Der Markenname bürgt für Qualität, und die Kette ist klar oben positioniert. Doch nun drängt die Konkurrenz Manor, gefolgt von Coop/Epa, nach oben. Manor investierte letztes Jahr in ein neu gestaltetes Flaggschiff an der Zürcher Bahnhofstrasse und expandierte mit zwei neuen Läden. Coop übernahm Epa und wurde damit auf einen Schlag zweitgrösste Warenhauskette. Nur Globus blieb träge.
«Handel ist Wandel», sagt Samuel Dubno, Detailhandelsexperte des Gottlieb-Duttweiler- Instituts, «davon spürt man aber bei den Globus-Warenhäusern wenig.» Und Wolfgang Giehler vom Institut für Marktanalyse IHA-GFK in Hergiswil ergänzt: «Globus hat es geschafft, einen grossen Schritt voraus zu sein, aber er verliert an Tempo.» Er weist auf die Gefahr für Globus hin, wenn sich die Konkurrenten vermehrt höher positionieren: «Die Luft ist oben dünn.»
*Neue Strategie*
Dass Handlungsbedarf existiert, haben nun auch die Globus-Verantwortlichen gemerkt: Unter dem internen Arbeitstitel «Globus to the Top» wird momentan die Strategie der Warenhäuser überarbeitet. «Der Prozess beruht auf einer umfassenden Kundenbefragung, die 2002 durchgeführt wurde, sowie einer kritischen Durchleuchtung des gesamten Marketingmix», sagt Pressesprecher Pfenninger. 2200 Kunden wurden dazu interviewt. Details will Pfenninger allerdings noch nicht verraten. Er weist aber darauf hin, dass 2003 rund 50 Mio Fr. in die Erneuerung und Expansion investiert werden, zum Beispiel in das Grossprojekt am Zürcher Bellevueplatz. Dort wird im ehemaligen ABM-Warenhaus ein «Globus am Bellevue» entstehen. Und der Genfer Globus werde dieses Jahr um eine Delicatessa erweitert.
Grösstes Sorgenkind der Gruppe ist die italienische Modekette Oviesse, welche die Globus-Gruppe in der Schweiz als Franchise-Nehmerin führt. «Die Umsatzentwicklung der Oviesse-Geschäfte entspricht noch nicht den Erwartungen», gibt Pfenniger zu. 28 Oviesse-Geschäfte sind bisher in umgestalteten ABM-Filialen und an zwei neuen Standorten eröffnet worden. Doch die italienische Modekette konnte sich in der Schweiz bisher nicht verankern, und das wird nur schwer zu ändern sein. Denn der Bekleidungsmarkt ist in der Schweiz hart umkämpft und schrumpfte letztes Jahr um 2 bis 3%. Und die Konkurrenz mit H&M oder Vögele ist etabliert. Textilhandelsexperte Giehler führt weitere Gründe für die Schwierigkeiten von Oviesse an: «Der Standort ist entscheidend. Nicht alle ehemaligen ABM-Standorte eignen sich für Oviesse. Und bisher ist die Modekette auf Zehenspitzen dahergekommen.» Das soll bald anders werden: Eine neue grosse nationale Werbekampagne der Werbeagentur Schlumpf soll ab März den Bekanntheitsgrad der Modemarke steigern. Auch in Deutschland hat Oviesse grosse Mühe und muss nun die Strategie ändern. In der Schweiz soll die ABM-Transformation bis 2004 abgeschlossen sein. Bis dahin wird sich zeigen, ob Oviesse zu retten ist und aus «Globus to the Top» nicht ein Flop wird.

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