104 Gates, drei Start- und Landepisten, eine Bahnstation, ein Shoppingcenter: So wird der Flughafen Kloten oft in Kürzestform charakterisiert. Eine weitere wichtige Zahl geht dabei meist vergessen: 19'800 Parkplätze.

«Graues Gold» nennen Immobilienprofis diese fast 20'000 Autoabstellflächen. Was sie hergeben, taucht in der Erfolgsrechung des Flughafens Zürich unter der Position «Parkingerträge» auf: Einnahmen von über 81 Millionen Franken verbuchte man 2018 mit dem gesamten Parkplatzangebot. Tendenz: steigend.

«Durchbrechen Sie die Betondecke!»

Da lässt es aufhorchen, dass kurz vor Jahresende das US-amerikanische Unternehmen Ideas stolz eine neue Zusammenarbeit mit den Klotenern verkündete. Die Firma aus Minneapolis ist darauf spezialisiert, Preismodelle zu ersinnen, die ihren Kunden helfen sollen, Erträge aus Hotellerie, Konferenzen und Parkplätzen zu optimieren. Beim Thema Parkplätze rühmt sich Ideas, seine Kunden im ersten Jahr zu einer Umsatzsteigerung von durchschnittlich 12 Prozent zu beflügeln.

Der Ideas-Slogan für Parkplatzbewirtschafter, die mehr Geld aus ihrem Grauen Gold holen wollen: «Durchbrechen Sie die Betondecke!»

Neues Preissystem ab Mitte 2020

Aufgrund solcher Werbeaussagen drängt sich der Verdacht auf, dass der Flughafen Zürich nun auf sogenannte dynamische Preise setzen will – ähnlich wie dies immer mehr Airlines, Hotels und Bergbahnen anwenden. Unternehmen tun dies in der Regel so, dass sie Frühbuchern billigere und Spätbuchern teurere Preise verrechnen. Wenn der Mix stimmt, ergibt sich dadurch ein Mehr an Erträgen für das Unternehmen.

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Beim Flughafen Zürich bestätigt man den Deal mit dem US-amerikanischen Unternehmen, schränkt die Wirkung des Systems aber stark ein: «Die dynamische Preisgestaltung bei den Parkgebühren bezieht sich ausschliesslich auf die online buchbaren Angebote, die bereits heute je nach Angebot und Nachfrage dynamisch gestaltet werden», sagt Flughafensprecher Philipp Bircher. «Neu erfolgt die Ermittlung der Preise dieser online buchbaren Angeboten nicht mehr nur manuell, sondern unterstützt durch künstliche Intelligenz.»

Das System, das mit Faktoren wie Angebot, Nachfrage, Saisonalität oder Verfügbarkeit von Parkplätzen in den verschiedenen Parkhäusern arbeitet, solle schrittweise ab Sommer 2020 eingeführt werden. Mit dem Gebührenstreit, den der Flughafen und das Bundesamt für Zivilluftfahrt haben, habe das neue System nichts zu tun.

Online-Buchungen steigern

Beim neuen System und der zugehörigen Preisgestaltung gehe es «nicht ausschliesslich um Ertragsoptimierung», sagt Bircher, vielmehr gelte es, «die Preise der beschränkten Parking-Kapazitäten am Flughafen möglichst gut auf die Bedürfnisse der Reisenden und Besucher abzustimmen. So sind beispielsweise gerade in den Hauptreisezeiten im Sommer die Parkhäuser 1 oder 2 zeitweise ausgebucht. Hier haben wir über den Preis eine gute Möglichkeit, die Verfügbarkeit über einen Preisanreiz aktiv zu steuern.»

Ungewöhnlich für ein System mit dynamischen Preisen: Der Maximalpreis soll beim neuen System des Flughafens nicht über dem Tarif vor Ort zu liegen kommen. Wenn der Flughafen also vor allem Preisanreize nach unten setzt, wird er damit wohl einen Lenkungseffekt erzielen wollen, beispielsweise vom Terminal weiter weg gelegene Parkplätze per tieferem Preis attraktiver machen und damit die ganze Anlage besser auslasten. Heute, sagt Bircher, bewege sich der Anteil der Online-Parkplatzbucher bei den Langzeit- und Ferienparkieren bei etwa 35 Prozent, langfristig solle er auf 50 Prozent gesteigert werden.

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Wie sehr die Parking-Umsätze mit dem neuen System gesteigert werden sollen, will Bircher nicht sagen: «Zu geplanten Umsatzsteigerungen geben wir aktuell keine Zahlen bekannt.» Hauptziel sei es vielmehr, mit der vorhandenen Kapazität der in Spitzenzeiten stärkeren Nachfrage entsprechen zu können. 

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