Die Sicherheitsfirma McAfee zählte in den letzten fünf Jahren insgesamt 72 Opfer, wie das Unternehmen mitteilte. Hinter den Attacken, die sich mit 49 Fällen vor allem gegen US-Ziele richteten, stecke vermutlich ein Staat.

McAfee benannte das verdächtige Land nicht. Sicherheitsexperten vermuten jedoch China als Drahtzieher. Das Land ist in der Internet-Spionage sehr aktiv. McAfee erklärte, zu den Opfern des Langzeit-Angriffs zählten die Regierungen der USA, Taiwans, Indiens, Südkoreas, Vietnams und Kanadas.

Ausserdem hätten sich die Attacken gegen das UNO-Sekretariat in Genf, das Internationale Olympische Komitee (IOK), die Organisation Südostasiatischer Staaten (ASEAN) und die Welt-Anti-Dopingbehörde gerichtet. Auch Unternehmen von Militär-Dienstleistern bis hin zu High-Tech-Firmen seien betroffen.

Täter drangen bei UNO in Genf ein

Im Fall der UNO seien die Täter 2008 in das Computersystem der Organisation in Genf eingebrochen, hätten sich dort zwei Jahre lang verborgen gehalten und in aller Ruhe riesige Mengen geheimer Daten durchkämmt.

«Sogar wir waren überrascht von der ungeheuren Vielfalt der Opfer und entsetzt über die Dreistigkeit der Angreifer», schrieb der Vize-Präsident von McAfee für die Bedrohungsanalyse, Dmtri Alperovitch, in seinem 14-seitigen Bericht.

Anzeige

Was mit den ganzen Daten geschehe, sei unklar. «Sollte allerdings nur ein Bruchteil davon genutzt werden, um bessere Konkurrenzprodukte zu bauen oder einen Wettbewerber bei Verhandlungen zu schlagen, dann bedeutet der Verlust eine massive wirtschaftliche Bedrohung».

McAfee deckte das Ausmass des Angriffs im März auf, als Mitarbeiter bei der Untersuchung eines zentralen Steuerungsservers Protokolle der Attacken fanden. Auf den Server war das Unternehmen 2009 bei Ermittlungen zu einem Hacker-Angriff auf Rüstungsunternehmen gestossen.

Die ersten Zugriffe reichen nach Angaben von McAfee zurück bis Mitte 2006. Einige Angriffe hätten lediglich einen Monat gedauert, der längste mit Unterbrechungen 28 Monate. Ziel sei das Olympische Komitee eines asiatischen Staates gewesen.

Die meisten Opfer merken es nicht

«Unternehmen und staatliche Behörden werden jeden Tag geplündert, sie verlieren wirtschaftliche Vorteile und Staatsgeheimnisse an skrupellose Konkurrenten», sagte Alperovitch der Nachrichtenagentur Reuters.

«Dies ist der grösste Vermögenstransfer in Form von geistigem Eigentum in der Geschichte. Das Ausmass ist wirklich sehr, sehr erschreckend». Alle 72 Opfer der Angriffe seien informiert worden, die Behörden ermittelten. Zu Details wollte sich Alperovitch nicht äussern.

«Ich bin überzeugt, dass jede grosse Firma in jeder denkbaren Branche, die im Besitz wertvollen geistigen Eigentums und Geschäftsgeheimnissen ist, bereits erfolgreich angegriffen wurde oder bald wird», sagte er. Kaum eine Firma entdecke jedoch die Eindringlinge oder den Schaden.

Spionage im Vorfeld der Olympischen Spiele

Cyber-Experte Jim Lewis vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien vermutet China hinter den Attacken. Die Computersysteme des IOK und mehrerer nationaler olympischer Komitees seien im Vorfeld der Olympischen Spiele 2008 in Peking angegriffen worden, sagte er. McAfee wollte sich zur Frage des Täters nicht äussern.

Anzeige

(cms/laf/sda)