Jahrelang stand das italienische Modehaus Gucci für Luxus, Lifestyle und Must-haves. Jetzt stockt das Wachstum der Traditionsmarke – sehr zum Missfallen von dessen Mutterhaus Kering. Um den Umsatz anzukurbeln, hat sich Kering nun nach einer zusätzlichen Lösung umgeschaut und diese gefunden: Für 1,7 Milliarden Euro in bar kann Kering einen Anteil von 30 Prozent am Modehaus Valentino erwerben.

Die restlichen 70 Prozent stehen zur Diskussion. Wie die Konzerne am Donnerstag mitteilten, hat das französische Unternehmen die Option, bis Ende 2028 den Rest von Valentino zu erwerben. Dessen aktueller Eigentümer, der katarische Investor Mayhoola, hat dem Deal zugestimmt. Das Geschäft sei Teil einer strategischen Partnerschaft, die wiederum zu einer Beteiligung von Mayhoola an Kering führen könnte, hiess es.

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Eine Kering-Beteiligung durch Mayhoola wäre eine weitere prominente französische Investition für katarische Firmen, die in den letzten Jahren Vermögenswerte aufgekauft haben, darunter den Fussballclub Paris Saint-Germain.

Rivalität im Luxusgeschäft

Dass Kering Probleme hat, erstaunt. Denn die Luxusbranche boomt, Konkurrentinnen verkaufen ihre Güter zu Höchstpreisen, der Secondhand-Markt knackt stetig neue Rekorde. Zuvorderst mit dabei: das ebenfalls französische Unternehmen LVMH, das mittlerweile zu den wertvollsten Unternehmen in Europa gehört. Während Kering am Donnerstag für das abgelaufene Quartal zwar einen Umsatzanstieg von 3 Prozent auf 4,96 Milliarden Euro auswies, hatte LVMH zuletzt mit deutlich zweistelligen Zuwachsraten geglänzt.

Nun will also Kering wieder vorne mitmischen. Bereits letzten Monat stimmte Kering zu, den Parfümhersteller Creed von Fonds zu kaufen, die von Blackrock und dem Vorsitzenden Javier Ferrán kontrolliert werden. Die Übernahmen zeigen die Dringlichkeit des CEO Francois-Henri Pinault, die Lücke zu seinem Rivalen zu schliessen.

Dabei sei jetzt der Valentino-Deal «ein grosser Gewinn bei einem angemessenen Multiplikator und eine gute Ergänzung, um das Wachstum während einer Übergangszeit für die Marke Gucci zu beschleunigen», so Deborah Aitken, Analystin bei Bloomberg Intelligence, in einer Mitteilung.

Valentino und Gucci in Zahlen

Die Marke erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 350 Millionen Euro. Nach Angaben der Unternehmen betreibt Valentino 211 Geschäfte in mehr als 25 Ländern.

Valentino, dessen Entwürfe für rote Teppiche in letzter Zeit von Stars wie Zendaya und Florence Pugh getragen wurden, wurde 1960 in Italien gegründet und vor mehr als einem Jahrzehnt von Mayhoola aus Katar für Investitionen SPC übernommen. Pinault erklärte gegenüber Analysten, er glaube, dass Kering die Rentabilität der Marke steigern könne.

Gucci hingegen stagniert laut dem zweiten Quartalsbericht. Das Unternehmen teilte am Donnerstag mit, dass der Umsatz auf vergleichbarer Basis nur um 1 Prozent gestiegen sei. Damit blieb er deutlich hinter dem von Analysten erwarteten Zuwachs von 4,2 Prozent zurück.

Genaue Pläne, wie die Einverleibung erfolgt, sind keine bekannt. Dafür findet bereits eine Umgestaltung bei Gucci statt. Kering hat dessen Führungsspitze umgestaltet, um die Attraktivität der Marke wieder zu erhöhen. Letzte Woche gab das Unternehmen den bevorstehenden Abgang von Gucci-Chef Marco Bizzarri bekannt, der vorübergehend durch Jean-Francois Palus, einen Vertrauten von CEO Pinault, ersetzt werden soll. Laut Pinault wird Kering ab September mit der Suche nach einem dauerhaften Gucci-CEO beginnen.

Auch in der Kreativabteilung brodelt es: Der Kreativdirektor Alessandro Michele war im letzten November mit extravagante Entwürfe in Ungnade gefallen. Michele wurde durch Sabato de Sarno ersetzt, einen ehemaligen Valentino-Designer, der voraussichtlich im September in Mailand seine erste Kollektion vorstellen wird.

Ob und wie sich das Geschäft von Gucci und Valentino unter dem Haus Kering verändern wird, wird die Zeit zeigen.

(bloomberg/reuters/mdl)

Übernahmeflut im Luxusgeschäft

Nicht nur Kering übernimmt Mehrheitsanteile an einer weiteren Luxusmarke. Am Freitag teilte das der Luxuskonzern Richemont mit, die Edelschuhmarke Gianvito Rossi zu übernehmen.