Der Zutritt zum Firmengelände von Haco ist gut gesichert: Drehtüren und Gitterzäune sorgen dafür, dass kein Unbefugter Eintritt erhält.«Das verlangen unsere Kunden, vor allem die aus den USA», erklärt Geschäftsführer Peter Speck. Unter die Lupe genommen werden nicht nur die Besucher, sondern auch die Rohstoffe, die in Gümligen weiterverarbeitet werden. Beispielsweise die aus Südamerika, Westafrika oder Asien stammenden Kaffeebohnen, die in grossen Säcken geliefert werden: Sie werden gereinigt, sortiert, in Haco-Säcke abgepackt und zu gefriergetrocknetem Kaffee verarbeitet. Eine minus 50 Grad kalte Walze gefriert flüssigen Kaffee zu hauchdünnen Plättchen, denen noch in gefrorenem Zustand im Vakuum das Wasser entzogen wird. Haco war 1969 der erste Hersteller in der Schweiz für gefriergetrockneten Kaffee.

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Bei Nacht und Nebel geliefert

Kaffee spielt für die Berner Nahrungsmittelgruppe bis heute eine entscheidende Rolle. Gegründet wurde die Haco 1922 aber mit der Absicht, Pharmazeutika zu produzieren. Der Kauf einer Fabrikanlage, die dem in Konkurs gegangenen Suppen- und Bouillonhersteller TexTon Foods in Gümligen gehört hatte, führte die Produktion in Richtung Lebensmittel.

Eine entscheidende Weichenstellung folgte im Jahr 1929: Die von allen Seiten boykottierte Migros war auf der Suche nach Lieferanten. Haco ergriff die Gelegenheit und stellte für Gottfried Duttweiler als erstes Produkt in Anlehnung an Ovomaltine das Produkt Eimalzin her. «Damals war die Migros ein rotes Tuch für die Detailhändler», betont Peter Speck und erzählt, wie die Haco-Lastwagen zu jenen Zeiten bei Nacht und Nebel lieferten, um nicht gesehen zu werden.

1930 bat Duttweiler den damaligen Haco-Geschäftsführer Gottlieb Lüscher, ein eigenes Verfahren zur Entkoffeinierung von Kaffee zu entwickeln. Es gelang ihnen, die Migros vertrieb das Produkt unerschrocken unter dem Namen Café Zaun, was der Haco prompt eine Klage von Kaffee Hag einbrachte. Diese wurde allerdings vor Gericht abgewiesen. Im Laufe der Jahre entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit mit der Migros. Der Grossverteiler wuchs, und Haco wuchs mit.

Hauptkunde bleibt wichtig

Noch heute generiert Haco die Hälfte des Umsatzes aus der Kooperation mit dem Grossverteiler mit dem grossen M. In den 50er Jahren war Migros interessiert, die Haco zu übernehmen und in ihre Produktionsbetriebe zu integrieren. Allerdings respektierte man den Wunsch der Haco nach Unabhängigkeit, auf die damals verschiedene Drittkunden grossen Wert legten. Haco gehört bis heute den rund 150 Aktionären. Die meisten sind Nachkommen der Basler Familien, welche die Haco einst gegründet hatten: Sarasin, Bally und Ehinger.

Ein sorgfältig gehüteter Brief im Firmenarchiv aus dem Jahr 1954 bestätigt, dass einst sogar Sir Winston Churchill zu den Anhängern des Haco-Kaffees Mocafino gehörte. Ende der 50er Jahre hatte Haco bereits 300 Mitarbeiter und sah sich nach weiteren Verkaufskanälen um. Eine Gelegenheit bot sich im Grossverbrauchermarkt. «Weil wir unsere Produkte bis anhin nicht unter eigenem Namen vertrieben hatten, mussten wir dafür sorgen, dass wir bekannter wurden. Haco begann, in einem eigenen Schulungszentrum Koch- und Ernährungskurse für Profis anzubieten, um Gastgewerbe, Hotels und Restaurants auf unsere Convenience-Produkte aufmerksam zu machen», so Peter Speck.

Auch die Produktepalette für den Hauptkunden Migros verbreiterte sich zunehmend: In den 70er Jahren entwickelte Haco für den Grossverteiler den ersten Getreideriegel. Dafür gründete sie im nahen Schwarzenburg eigens die Tochtergesellschaft Narida. Ende der 70er Jahre kam der entkoffeinierte Tee, Mitte 90er Jahren die Trocken-Fertiggerichte dazu. 10% der 550 Mitarbeiter in Gümligen und Schwarzenburg sind in Entwicklung und Qualitätskontrolle tätig. Peter Speck: «Anstatt in Marken investieren wir in die Produkteentwicklung und die Technologie.» Auch in Zukunft will Haco die Produktepalette und ihre Marktpräsenz ausweiten.

Heute stellt der Berner Fabrikationsbetrieb neben Schlankheits-, Sport- und Fitnessprodukten sowie Convenience-Produkten wie Bouillons, Suppen, Würzen, Saucen, Frühstücksgetränken und Getreideriegeln auch Halbfabrikate für die Lebensmittelindustrie her, zum Beispiel Kaffee-Extrakt für die Glacé- und Jogurtindustrie. Viele Produkte entwickelte Haco auf Anfrage der Kunden. Denn oft lassen sich Spezialitäten nur regional verkaufen.

Diversifikation und Aufbruch

Den gefriergetrockneten Tee beispielsweise, den Haco seit den 90er Jahren industriell produziert, ist ausschliesslich für den Export nach England und Japan bestimmt. Getestet wurde der Tee zunächst im firmeneigenen Mitarbeiter-Shop, wo er auf gutes Echo stiess. Doch gemäss Peter Speck hängen die Schweizer an ihren Teebeuteln und stehen gefriergetrocknetem Teegranulat eher skeptisch gegenüber.

Seit 1995 stellt Haco auch Eigenmarken für Grossverteiler und Lebensmittelindustrie im Ausland, allen voran in Europa, USA und Israel her. Wichtigster Wachstumsmarkt ist Asien; Hauptabnehmer von gefriergetrocknetem Kaffee ist Japan. Peter Speck: «Kaffee ist in Japan ein gefragter Geschenkartikel, beispielsweise als Mitbringsel bei Einladungen. Für den japanischen Markt bieten wir deshalb 30 verschiedenen Instantkaffee-Spezialitäten an, die in spezielle Geschenkkartons verpackt werden.»

Eine Verlegung der gesamten Produktion nach Asien kommt für Peter Speck nicht in Frage. Das Wachstum des asiatischen Marktes in den letzten Jahren hat aber zur Entscheidung geführt, in Malaysia im Januar 2004 eine Tochtergesellschaft, Haco Asia Pacific, zu gründen. Ab 2006 wird löslicher Kaffee für Asien auch im Werk in Kuala Lumpur produziert, das zurzeit gebaut wird. Die rund zehn malayischen Kadermitarbeiter erhielten im April 2005 eine dreimonatige Ausbildung auf vergleichbaren Produktionsanlagen in der Schweiz. Es ist vorgesehen, die Anlage in Malaysia für weitere Produktionssegmente auszubauen.

Als langfristiges Ziel bezeichnet es Peter Speck, den gesamten asiatischen Markt vom neuen Standort zu beliefern. Die Vorteile: Günstige Produktionsbedingungen und das Wegfallen von hohen Einfuhrzöllen. Sehr erfreut zeigt sich der Haco-Chef über das effiziente Tempo der Expansion: Zwischen der Präsentation der 2,5 ha grossen Landparzellen bis zur Ausarbeitung und Unterzeichnung des 30-seitigen Kaufvertrages vergingen gerade mal zwei Tage.

Firmen-Profil

Name: Haco AG
Gründung: 1922, Umwandlung in AG 1923
Geschäftsführer: Peter Speck
Umsatz: 200 Mio Fr.
Beschäftigte: 550
Produkte: Convenience-Produkte
Kunden: Detailhandel Inland (nur Migros) und Ausland, Grossverbrauchermarkt (Gastronomie, Hotels, Spitäler) in In- und Ausland, Lebensmittelhandel und -Industrie
Internet: www.haco.ch