Nestlé kann in der Nudel-Affäre in Indien einen Erfolg verbuchen: Der High Court in Bombay hat das bestehende Verkaufsverbot der Maggi-Instant-Nudeln widerrufen. Die indische Lebensmittelaufsicht hatte dem Konzern die Herstellung und den Verkauf von Maggi-Instantnudeln verboten, nachdem bei Tests in einigen Bundesstaaten laut Angaben erhöhte Bleiwerte gefunden wurden. Nestlé vernichtete daraufhin 29'000 Tonnen Lebensmittel. Der Konzern ist nun erfreut über den entlastenden Gerichtsentscheid, schreibt der Konzern auf seiner indischen Webseite.

Die Nudel-Affäre mit der indischen Regierung wurde für Nestlé zur Chefsache. Präsident Peter Brabeck sagte im «Handelszeitung»-Interview, Nestlé habe sich nichts vorzuwerfen: «In Labors in den USA, in Grossbritannien, in Australien und in Singapur wurde nichts Schädliches in den Nudeln gefunden. Mit anderen Worten, unsere Produkte sind sicher für die Konsumenten.»

Der angeblich verseuchte Honig

Es ist nicht das erste Mal, dass in Indien Schweizer Firmen wegen angeblich verseuchter Lebensmittel an die Kasse kommen – und die Resultate von Tests der Lebensmittelprüfer anderer unabhängiger Labors nicht reproduziert werden konnten.

2010 machte die Bieler Lebensmittelfirma Narimpex ganz ähnliche Erfahrungen wie Nestlé. In Proben eines Honigs der Schweizer fand eine Konsumentenschutz-Organisation nach ihren Angaben Antibiotika-Rückstände. Sofort, nachdem sich die Nachricht in Indien wie ein Lauffeuer verbreitete, sorgte Narimpex dafür, dass die betreffende Lieferung von zwei externen unabhängigen Labors überprüft wurde. Beide Labors konnten im betreffenden Honig keinerlei Antibiotika-Spuren finden.

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Trotzdem blieb die indische Konsumentenschutz-Organisation bei ihren Vorwürfen. Zu Beginn dachte man in Biel, man könne die Sache in Indien aussitzen, weil dieser Markt für die Firma nicht sonderlich wichtig war. Als dann aber in der «Gulf News» von Dubai ein ganzseitiges Interview zum Thema erschien, wurde die Sache unangenehm, denn der Nahe Osten ist einer der wichtigsten Märkte von Narimpex. Das Unternehmen setzte sich mit der Botschaft und einer PR-Agentur in Verbindung, um den Schaden zu begrenzen. Doch bald sah man ein, dass der Honigtest vor allem einen politischen Hintergrund hatte: Die Konsumentenorganisation wollte Druck auf die indische Regierung ausüben, endlich Konsumentenschutz nach westlichen Standards einzuführen.

Erheblicher Imageschaden

Auch Nestlé hat die Nudel-Affäre offenbar unterschätzt. Der Lebensmittelriese benannte den Verkaufswert der in Indien zurückgezogenen Instantnudeln auf rund 46 Millionen Franken. Der für Nestlé tatsächlich entstandene Image-Schaden dürfte aber noch deutlich höher sein.

Auch für Nestlé wäre die Sache vielleicht einfacher zu lösen gewesen, als mit der Vernichtung von Tonnen an mutmasslich einwandfreien Lebensmitteln und dem Gang vors Gericht. Laut Recherchen des «Business Standards» sollen die indischen Beamten zu Beginn der Affäre vor allem eine öffentliche Entschuldigung Nestlés im Auge gehabt haben. Es ging ihnen darum, dass der Konzern ihnen zufolge seine Ware mit einem «irreführenden» Label als «Glutamatfrei» angepriesen habe. Erst als Nestlé sich weigerte, fokussierten sich die Behörden auf die Bleibelastung.