Die Ankündigung des Börsengangs der Sportschuhmarke On hat hohe Wellen geschlagen. Das hat unter anderem damit zu tun, dass der Sportsuperstar Roger Federer nicht nur Aushängeschild der Marke, sondern auch beteiligt ist.  Nicht nur er, sondern auch die drei Gründer von On könnten mit dem Börsengang zu Milliardären werden.

Die Aktien sollen nicht an die Schweizer Börse, sondern in New York kotiert werden. Dort erhoffen sich die Gründer bessere Marketingeffekte für ihre Sportschuhverkäufe und auch höhere Preise für ihre Aktien. Es wird von einer Bewertung von acht Milliarden Dollar geredet, die On anstreben solle. Das wäre vergleichsweise eine stolze Bewertung, selbst wenn On bald schon die angestrebte Umsatzmilliarde erreichen würde.

Nur Nike ist so hoch bewertet

Zum Vergleich: Addidas macht 20 Milliarden Franken Umsatz und ist an der Börse dreimal so viel Wert, also 60 Milliarden Euro. Auch bei Puma liegt der Börsenwert rund beim Dreifachen des Umsatzes von 5 Milliarden Euro. Beim US-Sneeker-Hersteller Skechers liegt der Umsatz bei 3,6 Milliarden Dollar und der Börsenwert bei 8 Milliarden Dollar, also weniger als das Dreifache des Umsatzes. Die japanische Sportschuhfirma Asics macht einen Umsatz von rund 2,6 Milliarden Euro und ist an der Börse etwa 3,4 Milliarden Euro wert.

Das sind die grössten Sportschuhersteller der Welt, bei denen der Börsenwert einem Faktor von etwas über eins bis drei Mal dem Umsatz entspricht. Bei On wäre das ein Börsenwert von einer bis drei Milliarden Franken.

Einzig Branchenprimus Nike ist an der Börse höher bewertet. Mit einem Umsatz von 31 Milliarden Dollar liegt der Wert der Firma an der Börse bei 265 Milliarden Dollar, also sogar noch etwas mehr als dem Achtfachen des Umsatzes, wie ihn On anstreben soll.

Fragezeichen bei Qualität der Schuhe

Klar, wenn On stark wächst, den Umsatz in den nächsten Jahren vervielfachen kann, dann ist die Bewertung sicher gerechtfertigt. Allerdings scheinen die Leser der Handelszeitung mehrheitlich nicht daran zu glauben. Fast zwei Drittel haben sich in einer Umfrage gegen den Kauf von On-Aktien ausgesprochen. Nur 26 Prozent haben geantwortet, dass sie On-Aktien kaufen würden. 12 Prozent sind unentschlossen.

Ein Grund ist sicher die oben beschriebene Bewertung, die relativ hoch erscheint, wie auch ein Leser der Handelszeitung in einem Kommentar schreibt. Zudem schreibt er, dass der Hype um die Schuhe vorbei sei, und es (nach seiner Beurteilung) berechtigte Reklamationen zum Schuhwerk gäbe. Dem Pflichten einzelne Medienberichte bei: So hat der Kassensturz einen Beitrag, der die Schuhe als «teuer und schnell kaputt» beschreibt. Viele Nutzer klagen zudem darüber, dass oft Kieselsteine in den On-Sohlen hängen bleiben.

Fazit:
Ob sich der Kauf von On-Aktien lohnen wird, hängt davon ab, wie die Firma sich in Zukunft entwickelt. Mit gutem Marketing, Roger Federer als Aushängeschild und Qualitätsarbeit könnte eine Wette auf die Aktien aufgehen. Allerdings nur, wenn die Börsenbewertung nicht schon von Anfang an, viel zu viel positive Zukunft hineinrechnet. Bei den Lesern der Handelszeitung muss die Firma auf jeden Fall noch Überzeugungsarbeit leisten.