Die UBS ist auf dem harten Boden der Realität angekommen. «Die Händler sind immer dann zu hohe Risiken eingegangen, wenn sie die US-Subprime-Papiere nicht mit Kapital unterlegen mussten», erklärt Daniel Riediker, Partner und CEO von Alegra Capital, einem unabhängigen Manager von CLO-Anlagen, die Ursache des Subprime-Debakels. Aus organisatorischen Gründen sei dies bei der UBS in den meisten Fällen möglich gewesen. Denn das Treasury sei als Kostenstelle organisiert und nicht als Profit-Center. Damit konnten Händler ihre Positionen zu günstig finanzieren. «Genau dies war das Kernproblem», sagt Riediker. Im Gegensatz etwa zur Credit Suisse hätten die UBS-Händler «gratis» Geld verdienen können, was die Spekulation anheizte.

Kapitalbasis gestärkt

Die Finanzierung wird nun teurer werden, sagte CEO Marcel Rohner an einer Telefonkonferenz. Ferner werde die Bilanz weiter verkürzt. Er ist zuversichtlich für die Investmentbank. Bis Ende Jahr soll der angekündigte Abbau von 1500 Stellen in dieser Sparte abgeschlossen werden. «Unsere Risikokultur ist aber nicht gebrochen», erklärte VR-Präsident Marcel Ospel. Angesichts der Verwerfungen im US-Subprime-Markt musste die Grossbank nach 4 Mrd Dollar im 3. Quartal weitere 10 Mrd Dolar auf ihren Positionen abschreiben. Die Abschreibungen in diesem kleinen Geschäftsbereich sind so hoch, dass dem weltgrössten Vermögensverwalter in diesem Jahr nun erstmals in seiner 10-jährigen Geschichte ein negatives Jahresergebnis droht. Das Vermögensverwaltungsgeschäft läuft dagegen weiterhin gut. In einem Schreiben versucht die Bank, ihre Kunden zu beruhigen: Dank der ergriffenen Massnahmen würde die UBS auch sehr gravierende Verlustszenarien überstehen. Viele Analysten und Anleger sehen dies ähnlich. Obwohl weitere Abschreibungen nicht ausgeschlossen seien, glaubt etwa die Bank Vontobel, dass jetzt das Schlimmste vorüber ist. Diese Zuversicht unter den Investoren ist auch ein Grund, weshalb die UBS-Aktie am Tag der Bekanntgabe der grossen Abschreiber mit einem Plus von 1,4% geschlossen hat. Dennoch hat der Titel in diesem Jahr bereits rund 20% verloren.Positiv aufgenommen wurde von den Investoren zudem die Stärkung der Kapitalbasis mit insgesamt 19,4 Mrd Fr. Davon steuert der Staatsfonds aus Singapur 11 Mrd Fr. bei und ein ungenannter Investor aus dem arabischen Raum weitere 2 Mrd Fr. (siehe Text rechts). Damit werde keine weitere Erhöhung des Kapitals nötig sein, sagte Rohner am Investorentag.

Nachteile für die Aktionäre

Diese Kapitalerhöhung führt aber auch zu einer Gewinnverwässerung für die Aktionäre, die ausserdem bei der Dividende potenzielle Nachteile in Kauf nehmen müssen. Die Dividende wird nicht mehr in bar, sondern in Form von Aktien entrichtet. Die Ausschüttung an die Aktionäre werde wohl grob im Rahmen des Vorjahres ausfallen, stellte VR-Präsident Marcel Ospel zumindest in Aussicht. Wichtig für die UBS ist, dass sie dank der Kapitalaufnahme ihre hohe Kapitalquote halten kann, um die Kunden im Vermögensverwaltungsgeschäft bei der Stange zu halten. «Die bessere Kapitaldecke hilft sicher, es ist aber dennoch möglich, dass die Probleme im Investment-Banking noch auf das Vermögensverwaltungsgeschäft durchschlagen», gibt aber Andreas Venditti, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), zu bedenken.

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Ospel denkt über Einsitz des neuen Investors im Verwaltungsrat nach

UBS-Präsident Marcel Ospel heisst die neuen Financiers aus Singapur und dem arabischen Raum als Traumpartner willkommen. «Als ich sah, dass da etwas Grösseres auf uns zukommt, habe ich sofort zum Telefon gegriffen und diese Investoren gefragt, ob sie Interesse hätten, an einer Transaktion teilzuhaben», sagte Marcel Ospel am Montag Abend auf Radio DRS.

Der schon bald grösste UBS-Aktionär, der Staatsfonds Government of Singapore Investment Corporation (GIC), wird nach Zustimmung der Alt-Aktionäre an der a. o. Generalversammlung am 29. Februar 2008 rund 9% des Eigenkapitals der Bank besitzen. Hinzu kommt ein ungenannter arabischer Financier mit 2%. UBS-Präsident Ospel schien die Ankunft seiner Grossbesitzer in spe kaum erwarten zu können. «Singapur spielt bereits heute eine zentrale Rolle für die Wealth-Management-Branche im Allgemeinen und die UBS im Besonderen, und wir freuen uns auf eine erfolgreiche Partnerschaft in den kommenden Jahren», liess er sich in der offiziellen Mitteilung zitieren.

Warum sich Ospel die Hände reibt, wenn der staatliche Investmentfonds jenes Stadtstaats bei ihm mitredet, der in der weltweiten Vermögensverwaltung selbst grosse Ambitionen hat, leuchtet Bankenprofessor Beat Bernet von der Hochschule St. Gallen nicht ein. Einer der grössten Finanzplatzkonkurrenten werde nun «zum grössten Aktionär der grössten Schweizer Bank», lässt sich Bernet zitieren. Das liesse ihn aufhorchen.

Der Singapur-Staatsfonds will seine Beteiligung unter 10% halten. Weil der Staatsfonds Vertrauen in das Langfristpotenzial der Bankgeschäfte und insbesondere ins Wealth Management hat, entschied er sich entgegen den üblicherweise eingegangenen kleineren Beteiligungen für den Erwerb von fast einem Zehntel an den Schweizern. Man sehe sich als langfristiger Investor und unterstütze die Strategie von UBS-CEO Marcel Rohner, hiess es aus Singapur. «Wir wollen das Geschäft der Bank nicht kontrollieren», sagte Chief Investment Officer Ng Kok Song an einer Telefonkonferenz. Man möchte aber mit dem Management und dem Verwaltungsrat eng zusammenarbeiten. Präsident Marcel Ospel denkt laut über einen Sitz im Verwaltungsrat für GIC nach. Das werde man sich gerne überlegen, lautet die freundliche Antwort aus Fernost. Die Asiaten wissen, wie sie Macht vornehm verschweigen.

 

NACHGEFRAGT 

«Strategiewechsel in Investmentbank»

Hans Geiger, Bankenprofessor an der Universität Zürich

Welche Weichen werden in der Investmentbank der UBS gestellt?

Hans Geiger: Die UBS hat bereits angetönt, dass sie einen Strategiewechsel im Investmentbanking vornimmt. Sie wird in dieser Sparte zurückbuchstabieren: Die Einheit wird künftig im Dienste des Vermögensverwaltungsgeschäfts stehen. Diese Strategie macht in meinen Augen Sinn und eine Forderung nach einer Abspaltung der Sparte weniger notwendig.

Das tönt nach einschneidenden Folgen...

Geiger: Es kommt noch einiges auf die Investmentbank zu. Der Bereich wird sicher ein Stück kleiner, und es wird zu weiterem Stellenabbau kommen. Reine Spekulation wird es dann nicht mehr geben. Ich könnte mir auch vorstellen, dass einzelne Unternehmensteile verkauft werden.