Die Schaffhauser Kabelnetzbetreiberin SASAG ist teilstaatlich und mit rund 39'500 Haushalten eine typische kleine Anbieterin im grossen Geschäft mit TV, Internet und Telefon. Doch gerade das Kleine entpuppt sich als die grosse Stärke. Dies zeigt das Interview mit Schaffhausens Stadtpräsident Thomas Feurer und SASAG-CEO Walter Blanz. 

Thomas Feurer, für Sie als VR bei der SASAG ist es sicher eine schwierige Zeit - vor allem das Agieren im Schatten des Kampfes von UPC und Swisscom, oder?

Thomas Feurer: Als Vertreter der Stadt Schaffhausen im Verwaltungsrat muss ich sagen, dass die SASAG den Kampf mit den Grossen immer bravourös gemeistert hat und auch jetzt auf die Offensive mit gratis HD-TV eine Antwort hat.

Walter Blanz: Wir wollen die Leute nicht anlügen und sagen, HD sei auch bei uns gratis. Bei uns heisst es «Triple-Light». Das kostet je nach Gemeinde zwischen 55 und 65 Franken. Wer kein Internet will, der benötigt den Grundanschluss der SASAG. Je nach TV-Gerät reicht eine Karte für vier Franken pro Monat. Wir sprechen dann von einem Betrag für HD-TV von unter 28 Franken pro Monat. Das ist sehr günstig, das ist konkurrenzfähig.

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Die Stadt hat eine Minderheitsbeteiligung an der SASAG. Macht ihnen das Bauchweh und fürchten Sie als öffentliche Hand Geld zu verlieren?

Feurer: Zu dem ist zu sagen: Die Stadt hat nie Geld verloren bei der SASAG. Die Infrastruktur ist sehr gut. Die städtischen Werke haben seit Jahren bei Sanierungen von Strassen und Leitungen eng mit der SASAG zusammen gearbeitet. Die Infrastruktur ist modern und auf dem neuesten Stand. Sehr früh sind wir auf Breitband umgestiegen, dies zahlt sich jetzt aus.

Blanz: Die Stadt ist ein guter Partner und muss sicher nicht um ihr Investment fürchten. Da wir die differenzierteren Produkte anbieten können, sind wir viel näher beim Kunden wie UPC oder Swisscom. Wem der analoge Anschluss reicht, der zahlt dann eben nur die Grundgebühr. Über Digital-TV Angebote kann man dazu buchen was man will. Die Nachfrage nach kleinen Paketen ist ein grosses Kundenbedürfnis, wie wir in der letzten Zeit fest gestellt haben. Das Schöne am Digital-TV ist, dass wir genau auf den Kunden bezogene Pakete schnüren können. Das wird die Zukunft sein - wir kleinen Anbieter können den Kunden mit persönlichen Präferenzen bedienen. Bei uns zahlt der Kunde seit 15 Jahren gleichviel für den Grundanschluss. Wer mehr will, zahlt den technischen Aufwand extra. Schauen Sie: Rund 60 Prozent der SASAG-Kunden sind mit dem analogen Angebot noch immer ganz zu frieden. Warum sollen diese mehr bezahlen?

Der Werbedruck von UPC, Swisscom und anderen Anbietern ist enorm. Können sie da im Kielwasser mitfahren und profitieren?

Blanz: Wir profitieren vom Konkurrenzdruck, denn Konkurrenz belebt das Geschäft. Aber es geht nicht ohne eigne Werbung.  Wir haben im Jahr 2012 sehr viele Kunden dazu gewonnen. Im Internet haben wir einen Nettozuwachs von über 10 Prozent, bei der Telefonie einen Zuwachs von über 20 Prozent und im Digital-TV-Bereich über 30 Prozent. Auf einem hohen Niveau konnten wir noch wachsen. So haben von unseren Grundanschlusskunden 43 Prozent das Internet von uns. Dort konnten wir noch 10 Prozent wachsen. Da macht man auch als Kleiner im harten Umfeld sicher nicht alles falsch. Wir können mit Kundenfreundlichkeit extrem punkten. Kommt eine neue Box auf den Markt, kann die alte bei uns im Kundenzentrum gratis umgetauscht werden.

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Auf was führen Sie das Wachstum zurück?

Blanz: Die lokale Verankerung ist ein sehr grosser Vorteil. Wenn jemand ein Problem hat, dann kommt er ins Geschäft und bekommt eine Antwort. Ein weiterer grosser Vorteil ist, dass wir klein sind. Wir sind mit dem Verwaltungsrat sehr flexibel. Als CEO kann ich zum Beispiel wie bei dem «schein-gratis» der Swisscom eine Gegen-Strategie aufbauen und damit in den Verwaltungsrat gehen. Ein weiterer Vorteil ist unser Netz. Wir haben noch viel freies Potenzial. Die Swisscom zieht jetzt in Schaffhausen Glasfaser ein. Damit haben wir schon 1997 begonnen und haben heute schon Glasfaser im Boden. Damit gibt es bei der Bandbreite noch gewaltige Reserven.

Wo liegen die Probleme der Zukunft.?

Blanz: Technisch gesehen können wir locker mithalten. Das grosse Problem wird künftig für uns Kleinen die Beschaffung der Inhalte sein. Die Tendenz geht dahin, dass die grossen Anbieter wie UPC und Swisscom Inhalte exklusiv einkaufen und dann die Kleinen über Monate oder Jahre die Inhalte (Sender) nicht bekommen. Darum müssen sich die kleinen Anbieter zusammenschliessen und gemeinsam die Inhalte beschaffen. Denn wenn uns künftig die Inhalte fehlen, dann haben wir ein grosses Problem. 

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Probieren die grossen Player, so kleine Anbieter wie die SASAG auszubremsen?

Blanz: Ganz klar, das sieht man bei der Swisscom, die sich Teleclub gesichert hat und so die Sportübertragungen. Das ging nur mit Quersubventionierung aus dem Mobil-Bereich wo das grosse Geld verdient wird.

Muss die Politik da aktiv werden, um diesem «Sender-Kauf» einen Riegel vorzuschieben?

Feurer: Das wird mit Garantie ein Thema auf nationaler Ebene werden. Der Zugang zu Inhalten muss für alle gewährleistet bleiben. Die Politik und das Bakom haben da einiges zu tun in Zukunft. Meiner Meinung nach sind die Netze als Durchleiter da, und nicht als Rechtehalter für Programme. Der Regulator wird über kurz oder lang eingreifen müssen.

Blanz: Da gibt es Natürlich einen Konflikt, wenn der, der eine der grössten Firmen in diesem Markt besitzt, auch noch die Gesetze macht.

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Herr Blanz, Sie haben von «schein-gratis» gesprochen. Wie ist das zu verstehen?

Blanz: Damit das TV-Angebot gratis ist, müssen Sie bei der Swisscom das Angebot Internet und Telefon buchen. Dies müssen Sie bei uns nicht. Wer alles über die SASAG bezieht – mit einem der «Triple» Angebote – der kann sich für eine einmalige Gebühr von 30 Franken HD-TV auch nach Hause holen. Und das Gute dabei: Bei uns laufen alle drei Produkte parallel. Es ist immer wichtig, das Kleingeruckte ganz genau zu lesen. Was nicht gratis ist, will ich nicht als gratis verkaufen.