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Hilcona-Chef: «Wir haben 100 Prozent Rindfleisch bestellt»

Hilcona-Chef Dr. Martin Henck sieht sein Unternehmen getäuscht. (Bilder: Keystone/ZVG)

Schweizer Detailhändler haben im Pferdefleisch-Skandal Gerichte von Hilcona aus dem Verkauf genommen. Firmenchef Martin Henck erklärt im Interview, was Hilcona am meisten fürchtet - und wehrt sich geg

Von Vasilije Mustur (Interview)
am 19.02.2013

«Handelszeitung Online»: Detailhändler wie Coop oder Manor haben Hilcona-Fertigprodukte aus den Regalen genommen. Wie hoch fallen der finanzielle und der Image-Schaden für Hilcona aus?
Martin Henck: Der grösste Schaden für Hilcona wäre der Vertrauensverlust der Kunden und Konsumenten. Daher haben wir die schnelle Umstellung aller Marken-Produkte auf 100 Prozent Schweizer Rindfleisch veranlasst und ab Donnerstag ist das erste Produkt bereits mit 100 Prozent Schweizer Rindfleisch im Regal.

Hilcona macht den Lieferanten Vossko aus Deutschland für die falsch deklarierten Fertigprodukte verantwortlich. Wird Hilcona jetzt gegen Vossko rechtliche und finanzielle Schritte einleiten?
Wir konzentrieren uns derzeit auf die lückenlose Aufklärung des Sachverhalts. Das Veterinäramt ist seit Sonntag vor Ort und untersucht die Umstände der fehlerhaften Rohware.

Muss Hilcona selbst seitens der Detailhändler ebenfalls mit rechtlichen oder finanziellen Ansprüchen rechnen?
Wir haben mit allen Kunden intensiven Kontakt.

Es steht der Vorwurf im Raum, dass Hilcona lediglich auf öffentlichen Druck reagiert und erst dann Fehler eingesteht, nachdem neue Fälle aufdeckt wurden. Wie reagieren Sie auf diesen Vorwurf?
Wir haben nach Bekanntwerden des europäischen Rindfleischskandals sofort eine Lagebeurteilung gemacht. Wir haben uns von unseren Lieferanten ausdrücklich bestätigen lassen, dass kein Pferdefleisch in den gelieferten Rindfleisch-Rohware enthalten ist. Am Freitag haben wir von den Ergebnissen der AGES erfahren, einen Krisenstab gebildet und die Ursache auf Lieferungen von Vossko eingrenzen können. Wir haben die Rohware noch am Freitag gestoppt, auf andere durch DNA-Analysen bestätigte Rindfleisch-Rohwaren umgestellt. Zusätzlich haben wir entschieden, die Markenprodukte von Hilcona auf 100 Prozent Schweizer Rindfleisch umzustellen und am Donnerstag ist das erste Produkt im Handel. Aus unserer Sicht ist das eine sehr transparente und konsequente Umsetzung.

Neben dem Pferdefleisch besteht der Verdacht, dass sogar für den menschlichen Körper schädliche Medikamente in die betroffenen Lebensmittel gelangt sind. Können Sie sicher sein, dass in den betroffenen Hilcona-Produkten keine solche Medikamente gefunden wurden?
Der Konsum der Produkte ist gesundheitlich unbedenklich.

Der Preisdruck im Schweizer Detailhandel hat sich in den vergangenen Jahren im Zuge des Markteintritts der Harddiscounter massiv verschärft. Können Sie einen Zusammenhang zwischen dem Preis- und Spardruck und dem Pferdefleisch-Skandal herstellen?
Die Beimischung von nicht deklariertem Pferdefleisch in Rindfleisch ist Betrug und eine Täuschung. Wir haben 100 Prozent Rindfleisch bestellt und bezahlt und dann wollen wir diese auch erhalten.   

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