Die horrenden Salär- und Bonuszahlungen verärgern die Kunden der Credit Suisse. Vor allem der Bonus von CS-CEO Brady Dougan sorgt für Empörung. Der Unmut geht inzwischen offenbar so weit, dass die Bank selber gemäss CS-Mitarbeitern, die nicht genannt werden wollen, interne Listen führt; diese halten fest, wie viele Bankbeziehungen aufgrund der hohen Lohnzahlungen ins Wanken gerieten. «Wir wissen gar nicht mehr, wie wir uns gegenüber den Kunden erklären beziehungsweise rechtfertigen sollen», sagt ein CS-Manager gegenüber der «Handelszeitung».

Verärgerte Kunden

Nicht nur bei den Privatkunden sorgt der Bonusexzess für Kopfschütteln. Immer mehr institutionelle Anleger, insbesondere Pensionskassen, äussern ihren Unmut gegenüber hohen Vergütungen. «Ich persönlich halte die hohen Boni für völlig übertrieben, da ist das richtige Augenmass verloren gegangen», sagt Dieter Stohler, Direktor der Pensionskasse Basel-Stadt (PKBS). Stohler weiter: «Ein Teil der Finanzbranche gleicht für mich einem Selbstbedienungsladen.» Unzufrieden zeigt sich auch der CEO der auf KMU spezialisierten Nest Sammelstiftung. «Auch wir ärgern uns über die hohen CS-Boni», sagt Peter Beriger. Bei einigen seiner Kunden geht der Ärger noch weiter. «Wir haben durchaus Kunden, die uns empfehlen, auf Geschäfte mit der Credit Suisse zu verzichten», sagt er.

2009 erhielt der CS-Konzernchef ein Jahressalär von 19,2 Mio Fr. Daneben kassierte er eine Bonuszahlung in der Höhe von über 70 Mio Fr. Diese basiert auf einem Bonusprogramm, das im Jahr 2004 lanciert worden war.

Rechtfertigungstour

Diese hohe Vergütung sorgt für Unverständnis - auch bei Schweizer Unternehmen wie dem Zürcher Traditionshaus Orell Füssli. «Das angeschlagene Vertrauen zu den Banken wird so nicht gestärkt», sagt Klaus Oesch, Verwaltungsratspräsident der Orell Füssli Holding. Deshalb auf Dienstleistungen der Banken zu verzichten, sei aber unrealistisch. «Gerade aus der vermeintlichen Unersetzbarkeit heraus leiten einige Banker wohl das Recht ab, schier unbegrenzte Gehälter - im stillschweigenden Einverständnis der ganzen Zunft - zu beziehen», sagt Oesch. Ähnlich äussert sich auch Edgar Oehler, CEO und Verwaltungsratspräsident von AFG Arbonia-Forster: «Persönlich ärgere ich mich zwar ebenfalls über die horrenden Boni. Aber ein international tätiges KMU ist auf die Grossbanken angewiesen.»

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Obwohl demnach die Grossbanken für die meisten Unternehmen unersetzbare Geschäftspartner sind: CS-Insider, bestätigen, dass im Firmenkundenbereich bestimmte Geschäfte nicht abgeschlossen werden konnten - unter anderem wegen der hohen Vergütungen. Aus Angst, dass Kundenbeziehungen gekappt und Gelder gar abgezogen werden könnten, zogen offenbar Kundenbetreuer durchs Land, um die Kunden wieder zu besänftigen.

Von offizieller Seite her lässt die CS verlauten: «Wir nehmen die Kritik von Kunden sehr ernst und haben die Vergütungspolitik erklärt. Die konstant hohen Neugeldzuflüsse während der letzten Quartale, gerade auch während der Finanzkrise, zeigen das grosse Vertrauen, das die Kunden der Credit Suisse entgegenbringen», so Sprecher Marc Dosch.

Raiffeisen und Co. im Aufwind

Sollten sich verärgerte Firmenkunden nach neuen Bankbeziehungen umschauen, dürften zum Beispiel Raiffeisen und PostFinance profitieren, pflegen sie doch eine restriktive Vergütungspolitik. «Das Firmenkundengeschäft weist eine gute Entwicklung mit einem konstanten Wachstum und wenigen Risiken auf», sagt Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz. Im 1. Quartal 2010 generierte die Regionalbank im Vergleich zur Vorjahresperiode ein Wachstum von 7%.

Auch PostFinance freut sich über Neukunden im Firmensegment. «Im 1. Quartal 2010 konnten wir wiederum 14 000 neue Geschäftskunden gewinnen», sagt Sprecher Marc Andrey. Dass das Wachstum im direkten Zusammenhang mit den hohen Vergütungen anderer Banken stehe, sei nicht auszuschliessen, so Andrey. «Wir merken, dass bei den Kunden das Vertrauen in die Grossbanken weiterhin fehlt. Privat- und Geschäftskunden sind heute eher bereit, eine Geschäftsbeziehung mit einem neuen Finanzpartner einzugehen, oder dies zumindest in Erwägung zu ziehen.»

Selbst wenn es ihrem Geschäft nützt: Die CEO von Raiffeisen und PostFinance distanzieren sich von den Lohnexzessen. «Übermässige Bezüge betreffen nur eine kleine Minderheit, aber sie sind nicht förderlich für den sozialen Zusammenhalt», sagt Vincenz. Auch PostFinance-CEO Jürg Bucher warnt vor zu hohen Vergütungen. «Insbesondere bei international tätigen Banken ist das Lohngefüge in den letzten Jahren völlig ausser Kontrolle geraten und hat keinen Bezug mehr zur Leistung der Manager», sagt er.