Die grösste Personalvermittlungsfirma der Welt, Adecco, hat eine grosse Studie gemacht zur Stimmung in der Homeoffice-Arbeitswelt. Interessant ist, dass die Daten eine deutliche Spaltung anzeigen: 49 Prozent der Schweizer Arbeitnehmenden möchten nach der Pandemie weiterhin im Homeoffice arbeiten – das heisst: Eine andere Hälfte zieht es vor, die Arbeitskollegen wieder zu sehen.

Die internationale Befragung deutet an, dass Herr und Frau Schweizer vergleichsweise zurückhaltend sind in Sachen Homeoffice. In Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien oder den nordischen Ländern sprachen sich tendenziell etwas mehr Leute dafür aus, künftig im Homeoffice zu bleiben (50 bis 59 Prozent). In Grossbritannien, Kanada und Japan wünschten sogar über 60 Prozent eine Zukunft per Telearbeit. 

Eine leichte Mehrheit von 53 Prozent der Arbeitnehmer zieht aber so oder so ein hybrides Arbeitsmodell, bei dem sie mehr als die Hälfte ihrer Arbeitszeit an einem anderen Ort verbringen.

Zurück ins Büro – «aber zu den eigenen Bedingungen»

Wie die Studie weiter zeigt, hat sich hingegen die mentale Gesundheit von Arbeitnehmern im letzten Jahr verschlechtert. Ein bedenkenswertes Ergebnis: Knapp ein Drittel der befragten Schweizer – nämlich 30 Prozent – gaben an, dass sich ihre psychische Gesundheit im Laufe der Pandemie verschlechtert habe. 

Für die Adecco-Studie wurden weltweit Arbeitskräfte und deren Einstellung in den letzten zwölf Monaten befragt; erfasst wurden 25 Länder und 15’000 Befragte in Büros auf der ganzen Welt. 

«Schweizer Mitarbeitende schätzen die dazugewonnene Flexibilität des hybriden Arbeitens sehr. Gleichzeitig freuen sie sich im Vergleich zu anderen Ländern besonders stark, wieder ihre Kollegen zu sehen und ins Büro zurückzukehren», sagt Monica Dell’Anna, Chefin der Adecco Gruppe Schweiz. Führungskräfte seien gefordert, im Rahmen eines hybriden Arbeitens einerseits auf die Fähigkeiten und Stärken der Mitarbeitenden einzugehen, andererseits die Motivation und Gesundheit der Mitarbeitenden hoch zu halten, sagt sie. 

Die letzten 18 Monate hätten gezeigt, dass Homeoffice nicht mit Produktivitätseinbussen verbunden ist und dass eine flexiblere Arbeitsweise möglich ist, schreibt Adecco. Dabei wollen mehr als drei Viertel der Arbeitnehmenden weiterhin über ihren Zeitplan entscheiden und ins Büro zurückkehren, «aber zu ihren eigenen Bedingungen».

Dies gilt insbesondere für die jüngere Generation und für Eltern, die mehr Zeit im Büro verbringen wollen. Dabei fordern über 70 Prozent der Arbeitnehmenden und Führungskräfte, dass sie an Ergebnissen und Resultaten gemessen werden und nicht an der Arbeitszeit. Dieser Trend war bereits vor 2020 stark ausgeprägt. Dabei zeigt sich auch, dass Mitarbeitende nicht sehr zufrieden sind mit Führungskräften. Vor allem aus einem Grund: Führungskräften falle es schwer, mit ihren Teams in einer virtuellen, digitalen Welt in Kontakt zu treten. 

Auf Kosten der Gesundheit

Für Adecco ist klar, dass Unternehmen neu bewerten müssen, wie sie ihre Mitarbeitenden im Rahmen des neuen hybriden Arbeitsmodells besser unterstützen und ihnen Ressourcen für ihr Wohlbefinden zur Verfügung stellen können.

Eine weitere Entwicklung ist die grosse Diskrepanz zwischen der Einschätzung der eigenen Leistung durch die Führungskräfte und der Meinung der Mitarbeiter. «Dabei ist Zufriedenheit mit der Führung gering, nur ein Drittel hat das Gefühl, dass sie im Unternehmen die gebührende Anerkennung erhalten», heisst es in der Studie. Nur die Hälfte aller Arbeitnehmenden sei der Meinung, dass ihre Führungskräfte die Erwartungen in Bezug auf die Förderung einer guten Arbeitskultur  oder die Unterstützung ihrer Work-Life-Balance erfüllt.

(tdr)