An der Hornbachstrasse 50, in einem auf raffinierte Weise sanierten Bau im Zürcher Seefeld, logieren illustre Namen. Das Haus beherbergt eine der interessantesten Mixturen der Stadt. Die Namensschilder am Eingang alleine vermögen Geschichten zu erzählen: Heidi Affolter-Eijsten, Rechtsanwältin, arbeitet hier. Ihr Gatte, Daniel Affolter, ebenfalls Rechtsanwalt, ebenso. Den ehemaligen Präsidenten von Kuoni jedoch haben die anderen Hausbewohner nur einmal in zwei Jahren gesichtet. Ebenfalls eingemietet ist Andreas Bantel, ehemaliger Journalist, heute PR-Fachmann und Spezialist für Corporate Publishing (unter anderem verantwortet er die UBS-Hauszeitung für KMUs). Von seinen Qualitäten und seiner Hartnäckigkeit profitieren unter anderen die lärmgeplagten Gegner der Südanflüge. Bantels elektronisch versandte Newsletters – von ihm sinnigerweise «Noiseletters» getauft – sind in ihrer Regelmässigkeit und Aufsässigkeit bereits Legende und von Unique- wie auch Regierungsverantwortlichen gefürchtet. Sie sind das Journal des Protests, ein zorniger Fortschrieb der Leiden von akustisch Geplagten.

Das Haus: Bruno Franzen hat es 1975 erworben und hält es über seine Firma Carta. Günstig sei die Gelegenheit gewesen, die ansässige Druckerei damals in Konkurs gegangen, sagt er. Franzen renovierte Haus und Druckerei, redimensionierte und eröffnete sein vierstöckiges «Freudenhaus» 1995 neu. Auf zwei Etagen liess er je 24 Multi-Anschluss-Arbeitsplätze sowie sechs Einzelbüros einrichten und begann sie zu vermieten. «Zu Beginn verstanden nur wenige das Konzept», erinnert sich Franzen.

Nach sieben Jahren war der Durchbruch geschafft. Von der Aufteilung der Infrastruktur und der Overhead-Kosten profitierten «alte und junge Neu-Unternehmer» in gleicher Weise, sagt Franzen, der am 1. Dezember am Ziel seiner Hausträume ist. Dann wird die letzte Ausbauetappe abgeschlossen und ein namhafter Mieter eingezogen sein. Die Stiftung Max Havelaar hat Arbeitsraum für acht Personen reserviert und splittet die heute in Basel konzentrierte Schweizer Niederlassung auf.

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Zurück zu den Namensschildern: Die Erfinder von Blacksocks logieren hier und kontrollieren den Internetvertrieb von Socken. Daneben sitzt Ex-Travag-Chef Urs Frey und arbeitet mit seiner Freyzeit AG in der Unternehmensberatung. Yvonne Helfenstein, die Schwester von Silvia Affolter (früher bei SF DRS, heute Hotel-TV), stellt mit ihrer Frampool GmbH Filme und Videos her. Das Wirtschaftnachrichtenportal Moneycab.com besetzt noch einige Plätze. Aktiv sind hingegen die Firmen Skillpartners (Beraterin von Krankenkassen, Spitälern und Ärzten), Primafila (Spin-off der ehemaligen Wirz Publishing), Highgate Wealth Management (Anlageberatung), Valley Electronics, das Büro des Schweizer Museumspasses, oder Franzens eigene Firma Operissimo, die nichts anderes als eine Website mit allen erdenklichen Informationen über die Oper betreibt.

Bekannte Namen zieren den Wohnungsbereich: Heinz Spoerli, Ballettmeister des Opernhauses, lebt schon lange im Haus. Neuerdings hat auch «Welt»-Chefredaktor und «Weltwoche»-Wiedererwecker Roger Köppel hier seine selten besuchte Zürcher Bleibe.

Wieder weitergezogen sind: Ex-Tamedia-Konzernleitungsmitglied Kurt Zimmermann mit seiner Consist Consulting, Markus Gisler (früher «Cash» und Moneycab, heute Chefredaktor der «Aargauer Zeitung») oder Daniel Frey (Ex-Kommunikationschef Accenture Schweiz, heute Frey Communications). Doch sie sind bereits wieder ersetzt. Und am 1. November zieht ein grosser Name ein: Karin Rhomberg, während langer Jahre Kommunikationsverantwortliche der Credit Suisse, macht sich in Franzens Bürohaus selbstständig. Sie ist eine starke Frau mehr im grossen Netzwerk, was den Hausherrn zu einem gewagten Bonmot verleitet: Er wollte einst ein «Freudenhaus» bauen, jetzt habe er ein «Frauenhaus».

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