Der Dachverband Hotelleriesuisse will vom Bund weitere Unterstützung für die von der Coronapandemie gebeutelte Hotelleriebranche. Neben den ausbleibenden internationalen Touristen hat die Branche zudem auch gegen einen Mangel an Arbeitskräften zu kämpfen.

«Wir fordern die Verlängerung der Härtefallhilfen und der Kurzarbeit bis mindestens Ende Jahr, weil diese Unterstützung notwendig ist», sagte Hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig in einem am Montag in der Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» veröffentlichten Interview. Zudem überlege der Verband gemeinsam mit dem Bund, wie ein Wiederaufbauprogramm auf die Beine gestellt werden könne. «Denn die Hotellerie hat während der Pandemie ihre Reserven aufgebraucht und braucht finanzielle Unterstützung für den Wiederaufbau», sagte Züllig.

Die Priorität: Stadthotels

Wie viel Geld man benötigt, um das Geschäft wieder in Gang zu bringen, wird laut dem Hotelleriesuisse-Präsidenten ab Mitte August diskutiert. «Sicher ist, dass unsere Priorität die Städte sein werden, um diese Neupositionierung zu unterstützen», sagte er. Dort sieht Züllig grosses Potenzial, vor allem im Freizeitbereich: «Für die Städte bietet sich jetzt eine echte Chance, sich anders zu positionieren und ein neues Verhältnis zwischen Geschäfts- und Freizeitkunden zu schaffen.»

Natürlich gebe es auch in den Bergregionen Nachholbedarf, räumte er ein. «Die Frage ist, worauf wir uns konzentrieren sollen, denn die Mittel sind begrenzt, und wir versuchen, eine koordinierte Lösung für den gesamten Sektor zu finden.»

 

Küche, Service, Reception: Tausende Hoteljobs bleiben unbesetzt

Der Lockdown ist vorbei, die Schweizer Hotels füllen sich wieder. Doch nun stellt sich ein anderes Problem: Die Betriebe suchen dringend Personal.

Nachhaltigkeit vorantreiben

Fördern will der Verband auch die Positionierung der Schweiz in Sachen Nachhaltigkeit. «Wir arbeiten auch an einem Projekt zum Thema Nachhaltigkeit, weil wir in der Schweiz in diesem Bereich grosse Chancen haben, auch in den Städten», sagte Züllig. Ökologisches Reisen sei ein grosses Kundenbedürfnis. «Die Schweiz ist ein nachhaltiges Land, und das müssen wir besser zeigen.» So könne man in der Schweiz beispielsweise das Leitungswasser überall trinken, was keine Selbstverständlichkeit sei.

Züllig sieht allerdings auch den Widerspruch zwischen nachhaltigem Tourismus und Mobilität: «Tourismus an sich ist nicht nachhaltig, denn sobald man mobil ist, braucht man Energie und stösst oft CO2 aus.» Dennoch sei es wichtig zu versuchen, den Touristen einen nachhaltigen Aufenthalt in der Schweiz zu ermöglichen.

Personalmangel als Problem

Abgesehen von finanziellen Problemen, die durch die Pandemie noch verschärft wurden, ist das Hotelgewerbe auch mit einem Arbeitskräftemangel konfrontiert. Züllig erklärte: «Das wird uns mehr beschäftigen als die Digitalisierung und die Krise, die durch die Pandemie entstanden ist.»

Um gegen den Personalmangel anzukämpfen, muss die Hotelbranche laut Züllig beispielsweise eine spezielle Hotel-Ausbildung für Berufsumsteiger anbieten. «Wir müssen aber auch neue Arbeitsmodelle entwickeln, Teilzeitarbeitsplätze anbieten.»

(sda/mbü)