Seit Streaming das Musikgeschäft dominiert, ist dieses zu einem Tummelfeld für Rappenspalter geworden. Die dominierende Plattform Spotify zahlt Künstlern pro abgespielten Song im Schnitt 0,00437 Dollar. Um auf den gesetzlichen Minimal-Monatslohn in den USA zu kommen, braucht ein Musiker also deutlich über 300'000 Streams. Der Schweizer Mundart-Rocker Gölä schafft das nicht. Er kommt aktuell auf knapp 100'000 Streams pro Monat. Auch die doppelte Zahl, die Lo & Leduc erreichen, ist noch zu wenig.

Die drei Gründer Géraldine Allemann, Dennis Hausammann und Moris Mar­chionna sind mit ihrer Firma iGroove 2013 angetreten, die Rappenspalterei für die Künstler angenehmer zu machen. Sie lancierten einen digitalen Musikvertrieb, der es Künstlern erlaubt, ihre Musik unabhängig von Plattenfirmen auf Spotify, Apple Music, Tidal und anderen Plattformen zu vertreiben – samt Promotion, Marketing und weiteren Dienstleistungen. Und das alles zu Konditionen, die für Musiker deutlich vorteilhafter sind als alles, was sonst auf dem Markt ist.

Wöchentliche Übernahmeangebote

Die «Bilanz» hat iGroove deshalb als «Fair-Trade-Musikvertrieb» beschrieben. Das hat prominente Investoren angezogen. Der europäische Inkubator von Microsoft zum Beispiel hat iGroove auf dem Radar und Gründer Hausammann bekommt wöchentlich Übernahmeangebote. Von wem, sagt er nicht. Klar ist: Der Schweizer Investor Alexander Fries, der seit zwei Jahrzehnten in San Francisco als Startup-Finanzierer arbeitet, ist bei iGroove dabei.

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Verkaufen will das Gründer-Trio sein Baby, das im Hedgefonds-Paradies Pfäffikon am Zürichsee beheimatet ist, aber ­ohnehin nicht. Im Gegenteil: Es hat noch viel vor. So viel, dass auch der deutsche Rapper Kool Savas zu iGroove gestossen ist. Er sucht für das Schweizer Unternehmen nach musikalischen Talenten mit kommerziellem Potenzial. Und er sagt: «iGroove wird das Musikgeschäft revolutionieren. Deshalb bin ich an Bord.»

Tatsächlich haben Hausammann und Co. soeben eine Weltpremiere lanciert. Sie haben eine Software geschrieben, die den Marktwert von Songs berechnen und so die künftigen Einnahmen von Künstlern vorhersagen kann. Das ist keine Spielerei, sondern kann Musikern das Überleben ­sichern. Denn die errechnete Summe kann sich ein Künstler als Vorschuss auszahlen ­lassen und damit zum Beispiel ein neues Album finanzieren.

Künstler kennen Marktwert besser

Der Künstler kann ausserdem mit der errechneten Summe auch gut gerüstet in Verhandlungen mit einem Label treten, weil er seinen Marktwert besser als vorher kennt – dank künstlicher Intelligenz und Machine Learning.

Damit aber nicht genug: iGroove erlaubt es zudem Dritten, in Vorschusszahlungen zu investieren. Um das Angebot zu pushen, bezahlt das Unternehmen derzeit 6 Prozent Zins. Die Vision ist, gezielte ­Investments in Musiker und Jungtalente zu ermöglichen. «Gerade in Krisenzeiten sind unsere Investmentverträge attraktiv. Sie korrelieren nicht mit anderen Märkten», sagt Hausammann.

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