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Immobilien
Startups revolutionieren Immobilienmarkt

Neubau-Wonungen im Raum Zürich: Proptech-Startups mischen den Markt mit künstlicher Intelligenz und Big Data auf.Quelle: Getty Images

Die Disruption ist 2018 definitiv im Schweizer Immobilienmarkt angekommen. Proptech-Startups bringen mit neuen Angeboten Schwung in den Markt.

David Torcasso
Von David Torcasso
03.01.2018, Aktualisiert vor 4 Stunden

Jeder kennt es: Die endlosen Schlangen im Treppenhaus, die Formulare mit den vielen Fragen, die reihenweise benötigen Dokumente. Die Wohnungssuche ist trotz einer gewissen Erholung auf dem Wohnungsmarkt anstrengend. Dabei wünscht man sich doch nur eine passende Bleibe ohne zu viel Aufwand, Papierkram und am liebsten auf Knopfdruck. Aber so einfach ist es noch nicht. 

Während andere Branchen eine starke Disruption erleben, ist die Immobilienbranche nach wie vor «old fashioned». Dabei ist hier viel Geld im Spiel: Rund 150 Billionen Euro haben Privatimmobilien weltweit an Wert, Geschäftshäuser wohl nochmals so viel. Es ist erstaunlich, dass Real Estate bisher noch nicht so viel Beachtung bei den Startups fand und längst überholte Prozesse nicht in Frage gestellt werden. 

Immer mehr Investitionen

Doch im kommenden Jahr wird Proptech (abgeleitet vom englischen Wort «property») mehr Einzug in unseren Alltag halten. Gemäss der Venture Capital-Datenbank CB Insights wurden 2015 weltweit rund zwei Milliarden Dollar in Proptech-Firmen investiert. 2016 waren es bereits 2,7 Milliarden Dollar, und im vergangenen Jahr noch weitaus mehr. Die Zahlen zeigen eindrücklich, mit welcher Dynamik die Branche wächst. Das Finanzierungsvolumen für Proptech steigt jährlich um über 30 Prozent.

Dabei decken die Startups ein weites Feld von Dienstleistungen ab: Sie vereinfachen die Aufgaben von Immobilienverwaltungen, helfen beim Projektmanagement von Bauprojekten, verbessern die Ökologieeffizienz eines Gebäudes oder vernetzten die Innen- und Aussenwelt einer Immobilie. Am lukrativsten sind Dienstleistungen, die helfen, geeignete Miet- und Kaufobjekte zu finden. Sie greifen den Immobilienmakler unter die Arme. Dabei geht es nicht nur um Real Estate im weitesten Sinne, sondern die Digitalisierung der Immobilienbranche wirkt sich auch auf die Architektur, Mobilität und alles rund ums Haus aus. 

Neue Branchenorganisation

Um mehr Synergien nutzen zu können und sich auszutauschen, haben sich ein paar Dutzend Schweizer Startups, die im Immobilienbereich tätig sind, zu «Swissproptech» zusammengeschlossen. Mit dabei ist beispielsweise auch ein Startup, das sich mit dem Thema Wohnen bereits in der Schweiz einen Namen gemacht hat: Movu. Die Zürcher Onlineplattorm vereinfacht den Umzug.

Gründer und Geschäftsführer Laurent Decrue sagt über die neuen Entwicklungen: «Proptech ist ein Markt mit einem enormen Transformationspotenzial. Die Verbindung zwischen der alten und der neuen Wirtschaft kann viele spannende Produkte hervorbringen.»  Movu wurde 2014 gegründet, hat sich rasch zum führenden Anbieter entwickelt und wurde im vergangenen Sommer vom Versicherungskonzern Baloise zu einer nicht genannten Summe gekauft

Bringen Zug in die Szene

Das Branchennetzwerk «Swissproptech» hat zusammen mit der Credit Suisse auch eine Umfrage unter rund 45 Schweizer Proptech-Startups durchgeführt. Das sei eine aussagekräftige Stichprobe für das kleine Land, schreiben die Autoren der Studie. Und kommen zum Schluss: «Die PropTech-Firmen bringen erheblich Zug in die für ihre Gemächlichkeit bekannte Schweizer Immobilienbranche. Die Gründer haben praktisch alle Bereiche bereits erschlossen und zeigen viel Mut und Wille zum Wachstum.»

Das Potenzial des Schweizer Marktes sollte auch nicht unterschätzt werden – beträgt er doch etwa 3.5 Billionen Franken an Immobilienwerten. Die alteingesessenen Unternehmen sehen sich entsprechend herausgefordert und reagieren vermehrt mit Übernahmen und Beteiligungen. «Die PropTech-Landschaft dürfte folglich stark in Bewegung bleiben», sind sich die Autoren der Studie sicher. Auch Mattia Regi, Mitbegründer von Flatfox, einem digitalen Vermietungsprozess-Anbieter, sagt: «Der Zugang zu etablierten Mitgliedern der Immobilienbranche war eine der grössten Herausforderungen für uns. Wir sind froh um Unterstützung aus dem Netzwerk.»

Kunden wollen es, Immobilienfirmen (noch) nicht

Startups sind in der Immobilienbranche zurzeit die innovativsten Treiber und zeigen vor, was mit Technologie heute alles möglich ist. Propmatch etwas ist eine Vermittlungsplattform von Rendite-Liegenschaften. Die App unterstützt die User interaktiv Objekte zu analysieren, zu kaufen oder zu verkaufen. Für jede Parzelle findet Propmatch das passende Kaufprofil von Investoren. Für jedes erfasste Immobilienportfolio erstellt Propmatch detaillierte Suchprofile. Das macht den Vermittlungsprozess von Off-Market-Transaktionen für Renditeliegenschaften nicht nur schneller, sondern auch günstiger.

Aber auch weitere Ideen vereinfachen den ImmobilienmarktFlatfox, wie bereits erwähnt, ermöglicht mit einer Chatfunktion eine effiziente Suche nach Wohnungen und Mietern. Brixel bietet für den Immobilienverkauf 3D-Touren und Analysen an, während Locatee mittels Big Data das Bürogebäude intelligent und nutzerorientiert gestalten möchte. Archilyse hingegen verbindet Architektur mit künstlicher Intelligenz. All diese Schweizer Startups erleichtern dabei den Einstieg in den Markt, für Startups, für etablierte Unternehmen und für Kunden.

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