Es herrscht Steinzeit im Bereich der Immobilienausbildungen in der Schweiz!» So die Aussage eines Exponenten des Schweizer Immobilienmarktes. «Added value» ist gefragt, fremdklingende Namen wie «Corporate-Real-Estate-Manager»,«Asset-Manager» oder «Immobilien-Portfoliomanager» tauchen auf.

Auch Headhuntern und Human-Ressource-Leuten ist oftmals unklar, wie dieser Zusatznutzen konkret aussehen soll: Sollen sie einen Treuhänder mit betriebswirtschaftlicher Weiterbildung, eine Architektin mit MBA oder einen Ökonomen, der die technischen Belange on the job lernt, einstellen? Gesucht sind Immobilienspezialisten, die sowohl technisches, rechtliches, als auch ökonomisch fundiertes Wissen umzusetzen wissen.

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Das Ausbildungsangebot zeigt derzeit ein heterogenes Bild. Dem interessierten Architekten, Verwalter, Treuhänder, Techniker aber auch Ökonomen steht ein grosses Angebot von Weiterbildungskursen zu einzelnen Themen zur Verfügung. Organisationen wie IIR, Euroforum, Fame und viele mehr bieten Tagesseminare, Workshops und Wochenkurse zu ausgewählten Themen an durchaus aktuell und insbesondere unter dem «Networking»-Aspekt von einiger Bedeutung.

Fundierte Lehrgänge fehlen

Doch fehlen in der Deutschschweiz fundierte Lehrgänge sowohl auf Fachhochschul- als auch auf Universitäts- bzw. ETH-Niveau gänzlich. Interessierte müssen sich demzufolge ihre Grundlage für eine Immobilienkarriere selbst zusammenstellen durch ein klassisches Grundstudium und ergänzende Aufbaumodule. Dies, obwohl den Immobilien als Vermögenswert eine grosse Bedeutung zukommt: Der geschätzte Marktwert beträgt rund 2500 Mrd Fr.

Dieses Ausbildungsdefizit lässt sowohl für die Berufsleute unseres Landes als auch für institutionelle Investoren und Endverbraucher zu wünschen übrig.

Die weltweit renommierte Investmentbank LaSalle Investment Management beurteilt den Schweizer Markt heute noch als sehr abgeschottet im weltweiten Vergleich. Transparenz und Professionalität können u.a. durch ein verbessertes Bildungsangebot herbeigeführt werden.

Bis jetzt blieb dem bildungswilligen Akademiker und Fachhochschüler nur der Gang ins Ausland. Dort war nach den Milliardenverlusten in den frühen 90er Jahren klar, dass auch Immobilienprofis ökonomische Prinzipien anwenden müssen. Entsprechend wurde die Ausbildung vorangetrieben.

Gründung des RICS Switzerland

Das MIT, die Wharton University, die London School of Economics und die University of Reading im angelsächsischen Raum und die European Business School in Deutschland gehören zu den Leadern in Sachen fundierte und umfassende Ausbildung von Immobilien-Professionals. Deren Wissbegierde wird gestillt mit breiten und ausgewogenen Curricula, d.h. Fächern aus allen Bereichen der Immobilienwirtschaft.

Die Inhalte und Abschlüsse akkreditierter Lehrgänge erlauben den Teilnehmern das Erlangen international anerkannter Titel wie z.B. dem MRICS des «Member of the Royal Institution of Chartered Surveyors» (weltweiter Berufsverband von Immobilienexperten). Auch die Fachhochschule im nahe gelegenen Biberach (D) bietet einen MBA-Lehrgang «internationales Immobilienmanagement» an, welcher RICS-akkreditiert ist.

Betrachtet man die Szene in der Schweiz in den letzten Monaten etwas genauer, so sieht man da und dort einen RICS-«Kleber» auf einer Schweizer Schulmappe.

Im September letzten Jahres wurde der Schweizer Nationalverband RICS Switzerland in Bern gegründet. Er bietet (noch) keine Kurse an, akkreditiert aber Ausbildungen von Drittanbietern, welche die entsprechenden Kriterien erfüllen. Der Verband umfasst bereits 46 Mitglieder quer durch die Immobilienbranche, und es sollen noch mehr werden.

Dafür sorgen u.a. die Gründer des «Center of Urban and Real Estate Management» kurz Curem. Die Privatschule will in Zusammenarbeit mit der deutschen European Business School die Schweizer Bildungslücke für Immobilienprofis auf einem internationalen Niveau mit schweizerischer Qualität schliessen.

Die systematische Analyse und der Unterricht in ökonomischen, rechtlichen und steuerlichen Fragen, die unser Land betreffen, sind dabei ein ganz besonderes Anliegen. Die internationale Akkreditierung dieser neuen Bildungsstätte durch RICS ist im Gange. Der erste Lehrgang soll im Frühjahr 2005 starten. Auch andere deutsche Institutionen beabsichtigen den Markteintritt in die Schweiz, wie aus gut informierten Kreisen zu vernehmen ist.

Gleichzeitig planen auch traditionelle Berufsverbände wie z.B. realis, die Ausbildungsorganisation des SVIT (Schweizer Verein der Immobilientreuhänder), der derzeit wohl grösste und breitest abgestützte Immobilienberufsverband der Schweiz, Nachdiplomkurse (NDK) und Nachdiplomstudien (NDS). Aktuelle Themen wie «Lea-dership & Management», «Corporate Real Estate Management» oder Projektentwicklung werden dort aufgegriffen. Gespannt erwarten wir die neuen Angebote.

Claudio Rudolf ist Direktor Real Estate Consulting bei PricewaterhouseCoopers AG, Zürich, und Chairman von RICS Switzerland.


Immobilienmarketing: Euroforum

Am 30. - 31. März 2004 findet in Zürich-Glattbrugg die diesjährige Tagung mit anschliessendem Vertiefungsseminar «Immobilienmarketing heute» statt. Spezialisten der Immobilienbranche präsentieren Strategien und Konzepte für das Immobilienmarketing, u.a. mit Praxisbeispielen von Migros (WESTside) und den SBB.

Auskünfte und Anmeldung zu diesem Branchentreff erhalten Sie bei: EUROFORUM, Seestrasse 344/Postfach, 8027 Zürich, Telefon 01 288 94 50, www.euroforum.ch, Email: isabelle.wyss@euroforum.ch.


Bildungslandschaft Schweiz im Immobilienbereich

Schweiz Schweiz AuslandEinzelkurse Jahreskurse Jahreskurse

Stufe UNI/ETH

- Euroforum - Center for Urban and USA:

- Euroinstitut Real Estate Management - Massachusetts

- International (Curem) » RICS Institute of Technology

Center (FAME) - EPFL Lausanne (CRE)

- Ausbildungszentrum - Wharton University

für Experten der Real Estate Center

Kapitalanlage Schweiz Grossbritannien:

(AZEK/IAZI) - London School of

Economics

- University of Reading

(CSPREE)

Deutschland:

- Europäisches Institut

für postgraduale

Bildung (eipos)

- Akademie der

Immobilienwirtschaft

(ADI)

- Europeen Business

School

- Fachhochschule

Biberach

Stufe Fachhochschulen (FH)

- SVIT/realis - NDS Immobilien-

- Diverse FH Management

(realis/HWZ)

- FH Wädenswil

(Facility-Management)

- FH St. Gallen

(Immobilienökonomie)

- FH Horw (AEC)

Stufe höhere Fachhochschule (HF)

- SVIT/realis

- Treuhänder

- Verwalter

- Schätzer

- Makler

Quelle: Claudio Rudolf