Was ist das für eine Welt, in der wir mehr an den Worten des US-Präsidenten Trump zweifeln müssen als an den Aussagen des iranischen Mullah-Regimes? Was ist das für eine Welt, in der die Wirtschaftsstatistiken der zweitgrössten Wirtschaftsmacht, China, frei erfunden scheinen und in welcher Zweifel aufkommen an der Glaubwürdigkeit der Statistiken der grössten Volkswirtschaft, der USA? Was ist das für eine Welt, in der die grösste technologische Neuerung regelmässig «Wahrheiten» erfindet und als neue Heilsbringerin der Informationstechnologie gefeiert wird?
Eine Welt von Lug (Trump und Xi) und Trug (künstliche Intelligenz)! Oder positiv gesagt: eine Welt, in der gute Information wieder einen Wert bekommt. Eine Welt, in der traditionelle Medien wieder an Wert gewinnen. Woran orientieren wir uns, wenn die uns vermittelten Wahrheiten genauso gut Falschheiten sein könnten? An den Experten, die nicht nur eine Meinung, sondern auch eine Ahnung haben.
Aber wie kann die Öffentlichkeit echte Experten erkennen? Die Medien präsentieren Experten meist, ohne sie kritisch zu hinterfragen. Social Media kennt überhaupt keine Einordnung von Information. Je schriller die Aussage, desto besser.
Der Gastautor
Der Ökonom Klaus Wellershoff ist Gründer und Verwaltungsratspräsident von Wellershoff & Partners.
Der in den letzten Jahren medial, am WEF und anderswo gepflegte «Rumlaberismus» trifft uns dank KI wie ein Bumerang. Nationen sind nicht im Wettbewerb miteinander. Neue Technologien führen nicht zu Massenarbeitslosigkeit. Wenn Politiker das Wachstum der Staatsausgaben bremsen, ist das kein Sparen. Solche Aussagen sind der Nährboden für die Trumps in aller Welt und auch bei uns. Trainiert auf solchen Aussagen und ohne den berühmten «human in the loop», den menschlichen Kontrollfaktor, macht KI aus heisser Luft einen zerstörerischen Orkan.
Nur, kommt es so weit? Wir Menschen sind bequem. Aber spätestens im Praxistest, wenn der geballte Blödsinn, der uns immer häufiger präsentiert wird, nicht funktioniert, ist Schluss. Schluss aber vielleicht auch mit der Quelle, aus der wir diesen erhalten haben. Der massive Anstieg an KI-generiertem, kaum noch von der Realität zu unterscheidendem Inhalt bedeutet das Ende von Internet und Social Media als nützlichen Informationsquellen.
Aber was ist die Alternative? Das Ringen um die Wahrheit ist ein Krampf und kein Jekami. Für die klassischen Medien ist hier vielleicht die letzte Chance, zu überleben. In Zeiten von Fake News ist die vornehmste Aufgabe der Medien der Faktencheck. Oder noch besser: Wie wäre es mit mehr Fakten und weniger Meinung? Dafür müssten unsere Medienhäuser aber in die Qualität ihrer Journalisten investieren. Inhalt wird wichtiger als Form. Wer das nicht erkennt, wird den gleichen Tod sterben wie die sozialen Medien.
Und für meine Zunft? Angesichts von immer mehr manipulierten Daten bleibt uns Ökonomen nur die Rekonstruktion der Welt anhand verlässlicher Theorien und Datenquellen. Wenn man staatlichen Daten nicht mehr trauen kann, muss man versuchen, nicht staatliche Daten über die Welt zu sammeln, auszuwerten und seine Schlüsse daraus zu ziehen. Einfacher gesagt als getan. Zumal unsere Wissenschaftler zum grössten Teil Staatsangestellte sind.
Bis dahin gilt für uns Experten die Pflicht zur Konzentration auf das eigene Fachgebiet. Zu häufig reden wir Ökonomen über Dinge, in denen wir eben nicht Experten sind. Effekthascherei ersetzt keine Kompetenz. Oder mit den Worten eines deutschen Komikers: «Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten.»

