In den vergangenen Tagen wirbelte James Dyson, Gründer und Patron der britischen Staubsaugerfirma, ordentlich Staub auf. Mitten in der bisher heissesten Phase der Brexit-Debatte liess Brexit-Befürworter Dyson eine Bombe platzen: Er wolle, so Dyson, die Firmen-Zentrale des Milliardenkonzerns nach Singapur verlagern. Im Heimmarkt hagelte es Kritik – ungewohnt für das Unternehmen, das von den Briten gerne als Ikone der Innovationskraft gefeiert wird.

Da kommt es dem Unternehmen wohl gerade recht, dass Jake Dyson – der Sohn des Firmengründers – ein neues Produkt erfunden hat, das heute lanciert wird. Es hört auf den Namen «Lightcycle» und ist – ein Lampe.

Das «Sensibelchen» unter den Lampen

Allerdings ist Jake Dysons Lampe nicht irgendeine kommune Lampe. Sondern eine smarte Lampe. Sie kann sich auf den Besitzer einstellen. Und auf den Ort, wo sie steht. Sie ist, könnte man sagen, das «Sensibelchen» unter den Lampen.

Konkret: «Lightcycle» leuchtet stets so, wie es der Nutzer gerade braucht. Sie kann helles, kaltes Licht aussenden, aber auch gedämpftes warmes Licht. Für ältere Menschen leuchtet sie intensiver als für jüngere Personen. Sie kann einen Raum grell ausleuchten oder dezent Licht-Akzente setzen. Und je nachdem, wo auf der Welt sie eingesetzt wird, produziert sie im Tageslicht-Modus ein leicht anderes Licht. Weil überall auf der Welt das Tageslicht leicht anders ist. Alles lässt sich per Knopfdruck auf der App steuern, welche die Lampe begleitet.

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Tüftler Jake Dyson sagt: «Licht ist von wesentlicher Bedeutung für unser Wohlbefinden und unsere Leistungsfähigkeit.» Insbesondere seit die Menschen über 90 Prozent ihrer Zeit in geschlossenen, meist künstlich ausgeleuchteten Räumen verbringen würden. 

Licht ist sein Ding

Lange bevor Jake Dyson als «Chief Engineer» in die Familienfirma des Vaters eingestiegen ist – 2013 nahm er Einsitz ins Board –, machte er sich mit einer Lampenfirma selbständig. Er nervte sich, so die Legende, über die kurze Lebensdauer von LEDs.

Nach plus minus 30'000 Stunden geht den Dioden das Licht aus. Dabei könnten sie theoretisch bis zu 180'000 Stunden leuchten. Das Problem, analysierte Dyson, ist die Überhitzung der leuchtenden Teile.

Also machte er sich daran, eine Kühlung für LEDs zu erfinden. Mit Erfolg: Bereits die ersten Dyson-Lampen hielten quasi ewig – rund 40 Jahre. Für die eben lancierten «Lightcycle»-Leuchten verspricht Dyson gar eine Lebensdauer von 60 Jahren.

Der Vater über den Sohn: «Er hat alles, was ich hatte. Und mehr.»

2015 übernahm Vater James die Firma des Sohnes – und integrierte sie als eigene Abteilung ins Familienunternehmen. «Mein Sohn», sagte James Dyson kürzlich in der «Bilanz», «ist viel schlauer als ich. Er hat alles, was ich hatte, und mehr, weil er erfinderischer ist.»

Ein fast erdrückendes Lob, schliesslich hat Vater James das Unternehmen quasi aus dem Nichts zu einem Riesen mit 12'000 Angestellten, weit über 4 Milliarden Pfund Umsatz und gut 1 Milliarde Pfund Reingewinn gemacht. Beim Kernprodukt Staubsaugern ist Dyson in vielen Märkten Europas Marktführer – auch in der Schweiz.

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Gemeinschaftsprojekt Elektro-Auto

Doch den grössten Hosenlupf der Firmengeschichte haben sich Vater und Sohn Dyson gemeinsam vorgenommen. Dyson will in den heissen Markt für Elektro-Autos einsteigen. Rund 2,5 Milliarden Franken steckt das Unternehmen in das Projekt. Bis 2021 soll es auf den Markt kommen.

Es ist ein Hochrisiko-Projekt. Das weiss auch Jake Dyson. Aber, wie er der «Bilanz» sagte: «Unsere Firma wird auch im Automarkt ihre disruptive Kraft unter Beweis stellen». Nimmt man den bisherigen Track Record von Dyson zum Massstab, könnte das selbstbewusste Statement womöglich gar realistisch sein. Allerdings muss sich Dyson auf dem Automarkt gegen Konkurrenten wie Tesla, BMW oder Daimler wehren. Also gegen andere Konzern-Kaliber als sie im Markt für Haushaltsgeräte üblich sind.

«Unsere Firma wird auch auf dem Automarkt ihre disruptive Kraft unter Beweis stellen.»

Jake Dyson

Wie das E-Mobil von Dyson aussehen oder was es können wird, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Sicher ist nur: Es wird kein Sportwagen und kein Billig-Wägelchen. Es wird high-end, aber nicht überentwickelt. James Dyson kokettiert damit, dass er noch nicht einmal wisse, ob sein E-Auto wie ein Auto aussehen wird. «Es wird ziemlich radikal», sagt er bloss.

EX-BMW-Mann an Bord

Drei Modelle sollen in Planung sein. Gebaut werden sie in einer Fabrik in Singapur, die bereits am entstehen ist. Wie ernst es Dyson mit Autos ist, zeigt auch die Ernennung von Roland Krüger als Chef des Projekts. Er wurde bei der Nissan-Premiummarke Infinity abgeworben und war zuvor Deutschland-Chef von BMW.

Krüger ergänzt ein bereits bestehendes Team von Auto-Profis. Ian Minards kommt als Leiter der weltweiten Produktionsentwicklung von Aston Martin. Andy Gawthorpe, zuständig für die Distribution im Autohandel, war im Marketing bei Jaguar Land Rover. Und Chefingenieur John Stamford wechselte aus der Formel 1 (Mercedes) zu Dyson. 

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Wie auch immer das Auto-Abenteuer sich entwickelt: Dank Jake Dysons neuer Lampe arbeiten die über 400 Leute, die bei Dyson am geheimnisvollen Projekt und dessen Batterien tüfteln, im allerbesten Licht.