Seit mehr als 50 Jahren ist der Shinkansen, der im Volksmund nur als «Bullet Train» bezeichnet wird, ein Symbol für die japanische Effizienz und Zuverlässigkeit. Nun will die Bahngesellschaft JR East die Krone des schnellsten Zuges der Welt zurückerobern, die den Japanern in den letzten Jahren entrissen wurde. Am Freitag begannen die Tests mit dem neuen Zug, der auf eine Höchstgeschwindigkeit von 400 Kilometern in der Stunde kommen soll.

Wenn der Alfa-X 2030 in Betrieb geht, soll er mit einer Reisegeschwindigkeit von 360 km/h verkehren. Das sind 10 km/h mehr als der chinesische Hochgeschwindigkeitszug Fuxing Hao, der schon heute zwischen Peking und Shanghai eingesetzt wird. Schneller sind bisher nur Magnetschwebebahnen, so etwa der Transrapid Shanghai. Dieser erreicht auf der Strecke zwischen dem Messezentrum und dem Flughafen Pudong bis zu 430 km/h.

22 Meter lange Nase

Der neue Shinkansen ist für die Strecke zwischen Tokio und Sapporo ausgelegt. Wegen der speziellen Bedingungen der Strecke sind die beiden Endwagen unterschiedlich gestaltet. In Fahrtrichtung Sapporo hat der neue Shinkansen eine extrem lange Nase, um den enormen Luftwiderstand zu reduzieren, der bei der Einfahrt in Tunnels entstehen wird.

Anzeige

Sie misst 22 Meter und nimmt fast den gesamten vordersten Wagen ein, so dass nur Platz für drei Fensterreihen bleibt. Ob dort überhaupt Passagiere mitfahren werden, sei bisher noch unklar, schreibt die Wirtschaftsagentur Bloomberg. Neu sind auch die Luftbremsen, die im Notfall wie bei einem Flugzeug ausgeklappt werden können. Zudem verfügt der Alfa-X über verbesserte Dämpfer, die das Entgleisungsrisiko bei Erdbeben minimieren sollen.

FILE - In this Oct. 1982 file, Japan's Shinkansen, high speed train, travels past Mount Fuji, crossing over the Fuji River, west of Tokyo. Zipping cross-country in a super-high speed train has become commonplace in many countries these days, but it was unheard of when Japan launched its bullet train between Tokyo and Osaka 50 years ago Wednesday, Oct. 1, 2014. (AP Photo/Fie)

Shinkansen im Jahr 1982: Der «Bullet Train» ist eine Alternative zum Flugzeug.

Quelle: Keystone

Zug statt Flugzeug

Die erste Shinkansen-Strecke wurde zu den Olympischen Sommerspielen 1964 in Tokio zwischen den Metropolen Tokio und Osaka eröffnet, und liess damit die beiden wichtigsten Zentren des Landes zusammenrücken. Noch heute bieten die Züge eine Alternative zum Flugzeug, preislich und bezüglich Reisezeit. Auf den Hauptlinien verkehren die Züge im Takt von wenigen Minuten und Verspätungen sind selten.

Anzeige

Während der Alfa-X trotz seines futuristischen Äusseren eine klassische Eisenbahn bleibt, haben die Japaner auf anderen Strecken noch ambitioniertere Pläne. Bereits 2027 soll eine Magnetschwebebahn zwischen Tokio und Nagoya in Betrieb gehen, die eine Spitzengeschwindigkeit von 505 km/h erreichen wird. Die Fahrzeit zwischen den beiden Städten soll sich damit von 110 Minuten auf 40 Minuten reduzieren. Auf einer Teststrecke erreichte der japanische JR-Maglev schon 2015 einen neuen Weltrekord von 603 km/h.

Japan Maglev

603 km/h: Das Beweisfoto zum Rekord mit der Magnetschwebebahn.

Quelle: Keystone