Die Teerstrasse hinauf zum Château La Poneyre ist so schmal, dass sich keine zwei Autos kreuzen können. Prompt naht Gegenverkehr: Ein grosser, schwarzer Geländewagen mit blitzenden Schweinwerfern nähert sich zügig, passiert das weit offen stehende, grün gestrichene Eisentor und stoppt mit einem Ruck. Die Fensterscheibe gleitet nach unten: «Kommen Sie zu uns? Zu Biver?», fragt die blonde Frau am Steuer. Wir nicken. Es ist Frau Biver, die – wie wir später erfahren – mit den beiden Kindern gerade auf dem Weg zur Schule ist. Sie deutet hinter sich: «Da oben sind wir, einfach weiter geradeaus.» Die Scheibe gleitet wieder hoch, der Geländewagen braust davon.

Die schmale Strasse ist wieder frei. Sie führt aber, entgegen unseren Erwartungen, nicht in einen gepflegten Schlosspark mit kreisrunder Vorfahrt, wie dies am noblen Genfersee üblich ist, sondern auf einen Bauernhof.
Ein langgestrecktes, zweigeschossiges Holzhaus dominiert den Hofplatz. Hier wohnt der Pächter, ein echter Bauer also, wie wir später erfahren werden. Am Rande plätschert ein alter Brunnen mit grossem Becken. Leere Gemüsekisten schwimmen darin. Ein Rottweiler mit gutmütigem Blick trabt heran, eine rot-weisse Tigerkatze folgt. Zwei Gänse watscheln über den Hof, leichter Kuhstallgeruch liegt in der Luft. So lebt er also, der Jean-Claude Biver, Chef der Luxus-Uhrenmarke Hublot.

«Es ist das Haus meiner Frau»

Schräg oberhalb des Bauernhauses, keine 50 Meter entfernt, ruht das Gutshaus der Bivers, Jahrgang 1865, drei Etagen, weiss mit sandgrauen Steinelementen, mit kleinem Türmchen und überdachtem Eingang.
Vor drei Jahren erst ist Familie Biver hier eingezogen. «Es ist das Haus meiner Frau», pflegt Biver zu sagen und schiebt gleich hinterher: «Meine Frau bittet mich, dies nicht mehr zu erwähnen.» Überhaupt möge sie, Sandra Biver, die Besuche von Journalisten nicht besonders. Sie fürchtet, verständlicherweise, um die Sicherheit ihrer Familie, weil mit jedem Bericht mehr private Informationen publik werden.

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«Offenheit ist auch ein Schutz»

Jean-Claude Biver hat dazu eine andere Meinung: «Ich glaube an die Kommunikation, an die Transparenz, an die Offenheit», sagt er. «Denn die Offenheit ist ein Schutz: Sie zwingt zur Wahrheit und zu einem möglichst fehlerfreien Leben.»
Biver behält dabei natürlich auch sein Geschäft im Blickwinkel: «Jeder, der eine meiner Uhren kauft, hat das Recht zu erfahren, wer ich bin, wie ich lebe und wo ich wohne.»
Seine Lebensart hat dem heute 58-jährigen gebürtigen Luxemburger zu einer erstaunlichen Karriere verholfen. Biver arbeitete zunächst für Audemars Piguet und heuerte Ende der 1970er Jahre bei Omega an. «Ein Sprung von der Kunst in die Industrie», bemerkt Biver heute. Doch er war höchst erfolgreich: Die Idee, die Filmfigur James Bond mit einer Omega zu bewaffnen, stammt schliesslich von ihm. Damit verhalf er dem Brand zum Durchbruch: Heute werben Topstars wie der Ex-James-Bond-Darsteller Pierce Brosnan, Model Cindy Crawford und Schauspieler George Clooney für Omega.
1981 übernahm Biver für 18000 Fr. die totgesagte Uhrenmarke Blancpain. Das war auf dem Höhepunkt der Quartz-Euphorie, als die Schweizer Uhrenbranche gerade von Nicolas G. Hayek wiederbelebt wurde. Der gebürtige Luxemburger machte aus Blancpain mit handgefertigten, prestigeträchtigen Mechanik-Uhren wieder eine Topadresse und verkaufte den Betrieb 1992 mit Millionengewinn an die Swatch Group. Bis 2003 arbeitete er dort auf höchster Managementebene mit.
Ende 2004 war Jean-Claude Biver der Erfolg verleidet, er suchte nach einer neuen Herausforderung. Als er ankündigte, er wolle den Umsatz von Hublot, deren Uhren sich fast nur noch in Spanien verkauften, bis 2008 vervierfachen, brandete ihm nur Spott entgegen. «Du bist ja verrückt, komplett übergeschnappt», musste er sich regelmässig anhören.
Mittlerweile sind die Kritiker verstummt. Der Umsatz von Hublot stieg in den vergangenen beiden Jahren von 26 auf 96 Mio Fr. 2004 schrieb das Unternehmen noch rote Zahlen, 2006 erzielte es einen Gewinn von 14 Mio Fr. Insgesamt beschäftigt die Uhrenfirma 100 Angestellte, nur 5 weniger als in früheren Jahren. Per 1. Januar 2007 wies Hublot einen Auftragsbestand von 116 Mio Fr. aus. Die Kollektionen sind ausverkauft, der Betrieb kommt mit dem Produzieren kaum hinterher.

Auf den Grill kommen eigene Produkte

Über dem Château La Poneyre hoch über dem Genfersee liegt noch Frühnebel. Es ist kurz nach 8 Uhr morgens an einem Werktag. Frühstücksgeruch liegt in der Luft. In den hohen, warmen Räumen des Château ist es ruhig. In der Küche hantiert die Haushälterin.
Ihr Blick schweift hin und wieder nach draussen, die Aussicht über die sanften Rebhänge hinaus auf den Genfersee ist spektakulär. Die Küche, am Stil der 50er Jahre angelehnt und komplett mit Gaggenau-Geräten ausgerüstet, wurde im ehemaligen Wintergarten untergebracht. Zum Leidwesen von Hausherr Biver, der zunächst eine wesentlich kleinere Küche eingeplant hatte. Schliesslich konnte ihn seine Frau überzeugen, dass die zahlreichen Gäste, die bei Bivers ein- und ausgehen, nur mit einer «richtigen» Küche anständig bewirtet werden können.
Unterhalb der rund 15 m langen, hohen Fensterfront der Küche liegt ein hübscher Garten mit dichten Kastanien, Sitzbänken und Liegestühlen aus Teak. Hier geht Biver, zumindest im Sommer, einer seiner Lieblingsbeschäftigungen nach: Grillieren. Das geniesst vor allem Bivers Sohn Pierre. Ausser Fisch kommt alles vom eigenen Bauernhof auf den Rost, zum Beispiel Gemüse und Schweinekoteletts.
An Schlechtwettertagen verbringt Biver gerne Zeit im grossen Salon, der an den Wintergarten grenzt. Um die Raumausstattung hat sich ausschliesslich Sandra Biver gekümmert: Die üppigen, raumhohen Vorhänge kommen aus dem Hause Ralph Lauren. Die Möbel – ausladende Sofas und ein antiker Tisch, aus England importiert – sind Einzelstücke. In Kombination verströmen sie einen behaglichen Luxus.
«Sie haben wirklich nichts zu Ihrem Haus beigetragen?», fragen wir nach. «Nun ja», sagt Biver leicht gedehnt. «Die Bilder und die Teppich stammen von mir. Ich liebe Teppiche», ergänzt er.
So liegen in jedem Raum, sogar in der Küche, sorgfältig ausgewählte, handgeknüpfte Kostbarkeiten, vorwiegend aus dem Orient. Auch die Wände hat Biver in Besitz genommen: Dicht an dicht reihen sich die Gemälde diverser Epochen. «Ich sammle seit 1967, da passt nicht alles zusammen», sagt Biver fast entschuldigend. Wobei sowohl er als auch wir wissen, dass ein gewichtiger Teil seiner Kunstsammlung wertvoll genug ist, um es an die Wand eines Museums zu schaffen. Zum Beispiel die Kohlezeichnung des Impressionisten Henri Matisse. Biver hat die Zeichnung in New York entdeckt. «Ich habe meine Frau Sandra darin erkannt», sagt er. Er bot an der Auktion mit und bekam den Zuschlag für das Porträt – und schenkte es seiner Gattin. Als ehemalige Studentin der Kunstgeschichte hat sie ein Flair für gute Arbeiten. Jetzt hängt das Bild im grossen Salon. Und wird unter anderem von Alarmanlage und drei Familienhunden bewacht.

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Persönliche Briefe für wichtige Kunden

Gegenüber dem Salon liegt das Arbeitszimmer des Entrepreneur. Auf einem überladenen antiken Sekretär aus dunklem Holz thront ein grosser Computermonitor, daneben ein Laptop. «Dank ihm habe ich stets alles mit dabei», erklärt Biver. Wie ein Zigeuner ziehe er durch die Welt und rühre als Aushängeschild von Hublot die Werbetrommel. Dafür braucht er portable Kommunikationsmittel.
Trotzdem hat Biver das Schreiben von Hand nicht verlernt. Nahezu täglich verfasst er persönliche Briefe an seine wichtigsten Kunden – mit seinem Lieblingsfüller, einem Meisterstück von Montblanc. Seine Briefe sind meistens seitenlang. Für Biver ist handschriftliche Korrespondenz eine Selbstverständlichkeit: «Damit zeige ich Ehrerbietung und Respekt», erklärt er. Die Uhrenbranche sei ein emotionales Geschäft. «Und ich identifiziere mich zu 100% mit meiner Marke», sagt er.
Das funktioniert aber nur, weil es Biver gelungen ist, die Marke begehrenswert zu machen. Wie? «Ich bringe mich in entsprechenden Internetforen ein, lade die interessantesten User ein und treffe sie», erklärt Biver, «vorzugsweise in guten Hotels.» Dort präsentiert der Hublot-CEO die neusten Modelle. Die Eingeladenen fühlen sich geschmeichelt, als Erste die neuste Kollektion gesehen zu haben, und geben die Informationen als «Geheimtipp» weiter. «Meine Gäste sind wunderbare Multiplikatoren», schmunzelt Biver.
Natürlich sind auch die Medien für die Publicity nützlich: Kein anderer Uhrenfirmen-Chef hat sich in den vergangenen drei Jahren so in der Öffentlichkeit gezeigt wie Jean-Claude Biver. Allein schon die Tatsache, dass Biver vom absoluten Marktführer Swatch Group zum angeschlagenen Nischenanbieter Hublot wechselte, sorgte für landesweite Schlagzeilen.
In Sachen Sponsoring bevorzugt Hublot derzeit vorwiegend Sportevents. Für Aufsehen sorgte Biver mit der Unterstützung der Schweizer Fussballtruppe an der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.
Ein wahrer Coup gelang Biver mit dem Sponsoringvertrag im Rahmen des Americas Cup. Hublot segelte an Bord des Prada-Teams Luna Rossa mit und legte aus diesem Anlass eine auf 1000 Stück limitierte Serie von «Big Bang»-Chronografen auf. «Unser Plan ist voll und ganz aufgegangen», schwärmt Biver. Man hat Hublot die 1000 Stück buchstäblich aus der Hand gerissen. Denn die Yacht Luna Rossa gewann in Valencia die Vorausscheidung und zog eher überraschend in den Final ein. «Die Publicity war einfach unglaublich», jubelt Biver noch heute.
Das nächste Sponsoringprojekt steht bereits. Hublot ist «nationaler Förderer» der Euro 2008 und tritt als offizieller Zeitmesser der Fussball-Europameisterschaft in der Schweiz und in Österreich auf.
Eines der Erfolgsrezepte von Hublot: Die Modelle der Hauptkollektion Big Bang erinnern an ein Bullauge, das auf französisch eben «hublot» heisst, und geniessen so einen hohen Wiedererkennungsgrad. Um dem Brand die nötige Exklusivität zu geben, verbindet «Big Bang» diverse Hightech-Materialien wie Kevlar, Karbon oder Magnesium als Werkstoffe. Nicht zuletzt wegen dieser Materialien sind die Uhren massiv teurer geworden: Vor zwei Jahren kostet eine Uhr ab Fabrik im Durchschnitt noch 2010 Fr. Heute sind es 6500 Fr. Als besonders heiss gilt die Nischenmarke vornehmlich unter den Bankern der Wall Street, der Londoner City oder des Zürcher Paradeplatzes. Und mit dem Engagement im Rahmen des Americas Cup konnte Hublot seine Zielgruppe spürbar erweitern.

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Grandiose Weinsammlung

Da klingelt Bivers Handy. Sofort steckt er sich den Knopf ins Ohr. «Allô?», ruft er. Pause. «Hahaha!» Wir stehen daneben, «Monsieur Hublot» vertieft sich ins Gespräch, scheint uns vergessen zu haben. Er knipst seine silberne Arbeitsleuchte an, setzt sich auf seinen Chefsessel, steht gleich wieder auf, umrundet mit federndem Schritt den Schreibtisch, tigert an den Regalen aus Massivholz entlang. Die sind schwer beladen mit Kunstbänden, Biographien (etwa Bill Clintons «My Life») und mit dutzenden Ausgaben des Nobelrestaurant-Führers Guide Rouge.
Plötzlich deutet Biver auf eine Tür in der Diele. «Gehen wir in den Keller», flüstert er, noch immer im Gespräch. Parlierend steigt er die Stufen hinab in ein Gewölbe, schliesst eine Tür auf und tritt in einen grossen Weinkeller ein. Sorgfältig gezimmerte Weinregale säumen das weisse Mauerwerk, kein Fach ist leer. «Ich hatte eine der bedeutendsten Kollektionen von Château d’Yquem aufgebaut», betont Biver, der sein Gespräch mittlerweile beendet hat, voller Stolz. Seine älteste Flasche stamme von 1811. «Sie ist das grandiose Highlight meiner Weinsammlung», sagt Biver stolz. Früher besass der passionierte Weinliebhaber alle Jahrgänge ab 1811 des weissen Süssweins. In der Zwischenzeit hat er einige Flaschen des weltberühmten Tropfens geleert. Nicht aber das 196 Jahre alte Juwel, das heute angeblich einen Wert von über 150000 Fr. hat.
Den 1811er hat Biver vor rund 20 Jahren auf einer Auktion ersteigert. Wann er auch diese Flasche leere? «Vielleicht auf dem Sterbebett», lacht er. «Oder meine Kinder geniessen ihn irgendwann.»
Die biversche Sammlung der edlen Tropfen – mehrere 100 Flaschen dürften
in diesem Keller lagern – betrachtet Biver aber nicht als Investment. «Sonst könnte ich ja keinen einzigen dieser Tropfen anrühren», sagt er lachend. Und so kommt es vor, dass der Hausherr – «je nachdem, wie ich mich gerade fühle» – an einem sehr schönen Abend eine sehr, sehr teure Flasche entkorkt. Einfach so. «Hauptsache, man geniesst», betont er. «Trinkt man hingegen nur, ist es ein Verbrechen.»
Nach dem Aufstieg zurück in die Beletage schnauft Jean-Claude Biver hörbar. Seit einer Infektion vor zehn Jahren bringt die Lunge nicht mehr die volle Leistung, Biver muss zudem Blutdruck senkende Mittel schlucken. Kein Wunder, möchte man sagen. Seinen Sonntag beginnt der Uhrenliebhaber üblicherweise um 4.30 Uhr. Also eigentlich wie an jedem Werktag. «Ich setze mich an meinem Schreibtisch, treibe die neusten Projekte voran, kommuniziere mit Asien, wo übrigens mein Sohn aus erster Ehe für Hublot tätig ist, und so weiter», berichtet Biver. Um 8 Uhr führt er seine Hunde spazieren, um 9 beginnt das Frühstück mit Frau und Kindern. Für den Rest des Tages ist Biver dann für seine Familie da.

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«Ich knüpfe hier an glückliche Zeiten an

Mittlerweile hat die Haushälterin alle Überreste des Frühstücks beseitigt, das Speisezimmer ist aufgeräumt. «Veuillez-vous vous asseoir?», fragt die Haushälterin, bietet Kaffee an. Man setzt sich an den kreisrunden, antiken Familientisch im gemütlichen Esszimmer, das direkt neben der Küche liegt. Die weiss gestrichenen Glasvitrinen, bestückt mit erlesenem Porzellan, sind im amerikanisch-englischen Landhausstil gehalten. «Was mich an diesem Ort hier interessiert, ist die Authentizität, das wahre Leben», erläutert Biver. Er, der ursprünglich aus Luxemburg stammt, verbrachte viele Tage seiner Kindheit auf dem Bauernhof seiner Grosseltern in der Bourgogne. «Diese glücklichen Zeiten haben mich geprägt. Hier, auf Château La Poneyre, kann ich daran anknüpfen.»
Gut, dass auch das Bauernpaar, das wie zu alten Zeiten die Flächen des Gutes bewirtschaftet, dem umtriebigen Uhrenfreund wohlgesinnt ist. Das war nicht von Anfang an so. «Das Haus stand vor unserem Einzug drei Jahre lang leer, manche Interessenten scheuten die Nähe zum Kuhstall», berichtet Biver grinsend.
«Als ich mich schliesslich als neuer Besitzer anmeldete, war der Bauer sichtlich nervös. Er bereitete sich wohl auf das Schlimmste vor.» Doch schon nach einigen Minuten «zeigte er sich hoffnungsvoll», lacht Biver. Einige Tage später schliesslich sei der Bauer, der nur ein Jahr älter als Biver ist, völlig beruhigt gewesen. Der Bauer ist für ihn heute nicht nur Freund, sondern auch Diskussionspartner und Ratgeber.
Auf die Erfahrung älterer Menschen setzt Biver auch bei Hublot. Per Anfang 2007 hat der 58-Jährige drei pensionierte Uhrmacher bei Hublot angestellt. Weitere sollen folgen: «Ich will so viele Rentner wie möglich anstellen», erklärt Biver. Denn diese Arbeitnehmer verfügen über einen reichen Erfahrungsschatz, den sie unbedingt an ihre jüngeren Kollegen weitergeben sollten. Aber ohne Druck des operativen Geschäfts.

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Drei Quellen und 60 Kühe

Der biversche Bauernhof verfügt über eigenes Wasser – nicht zuletzt einer der wichtigsten Gründe, weswegen sich Biver zum Kauf entschied. Er liess die Qualität des Quellwassers, das auf seinem Bauernhof aus dem Boden sprudelt, testen und hatte sogar schon Pläne, Wasser abzufüllen und zu verkaufen. «Leider befinden sich die Quellen nicht auf meinem Grundstück, ich habe daher keinen Einfluss auf mögliche Verschmutzungen», erklärt Biver.
Trotzdem freut er sich «wie ein Kind» (Biver über Biver) an seinem Wasser, das mit über 100 l pro Minute in Brunnentröge fliesst. «Wahrer Luxus» sind für ihn auch die 60 Kühe, die pro Jahr 150000 kg Milch geben, und die 40 bis 50 Eier, die sein Bauer täglich im Hühnerstall einsammelt.
Bivers grösstes Glück aber dürften die 24000 Hublot-Uhren sein, die pro Jahr fabriziert werden. «Die mache ich nämlich nicht für andere, sondern nur für mich allein», ruft er. Da sei es doch ein Zufall, nein, pures Glück, dass die Hublot-Kunden «genau so sind wie ich».

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Umtriebiger Uhrenfreund und passionierter Naturliebhaber

Familie Jean-Claude Biver (58) lebt mit seiner Frau Sandra, Tochter Carolina und Sohn Pierre hoch über dem Genfersee auf Château Le Poneyre in La Tour-de-Peilz VD. Der Gutsbetrieb mit 70000 m2 Umschwung beherbergt ein Pächterehepaar, rund 60 Kühe und weitere Nutztiere.

Werdegang Der Sohn eines Schuhhändlers und studierte Ökonom übernahm nach seiner Zeit bei Audemars Piguet die schlafende Uhrenmarke Blancpain und verhalf ihr zu neuem Glanz. Biver verkaufte Blancpain schliesslich mit Millionengewinn an die Swatch Group. Hier war er dann auch bis 2003 Konzernleitungsmitglied. 2004 heuerte Biver bei Hublot an, wo ihm dasselbe Kunststück wie mit Blancpain gelang. Heute ist Hublot ein höchst profitabler Nischenanbieter von besonderen Luxusuhren.
Offenheit Dass Jean-Claude Biver Haus und Hof aller Welt präsentiert, kommt nicht überall gut an. Biver sagt dazu: «Wissen Sie, ich sehe meine Person als Mittel zum Zweck, als Werbemassnahme sozusagen. Ich bin ein Spezialist im Guerilla-Marketing, meine Offensiven gehen nicht nur schnell, sondern sehr direkt über die Bühne.»

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Hublot Die in Nyon am Genfersee beheimatete Uhrenherstellerin Hublot wurde 1880 durch den Italiener Carlo Crocco gegründet. Die Marke ist in erster Linie bekannt für ihre puristischen Modelle im Bullaugenstil, die Namen wie Sport 1520, Chrono Sport 1620, New Super B oder Big Bang tragen. Hublot beschäftigt heute 100 Mitarbeiter, erwirtschaftete 2006 einen Umsatz von rund 96 Mio Fr. und stellt jährlich 24000 Uhren her, wovon knapp die Hälfte nach Spanien geht. Nicht zuletzt deshalb, weil König Juan-Carlos ein grosser Hublot-Fan ist.