Sojaprodukte liegen im Trend. In den 1930er Jahren war die Bohne bei uns jedoch so gut wie unbekannt. Als Ernst Lieberherr in jener Zeit Sojaprodukte herzustellen begann, war das eine Neuheit für die Schweiz. Die eiweiss- und nährstoffreiche Bohne hatte er in Indien kennengelernt. Dort leitete er von 1910 bis 1930 die Niederlassung einer Schweizer Exportfirma und fungierte als Honorarkonsul. Nach 20 Jahren musste Ernst Lieberherr krankheitshalber nach Hause zurückkehren. Er war von der vegetarischen Lebensweise der Inder derart beeindruckt, dass er solche Produkte vertreiben wollte. 1930 gründete er in seiner Sankt-gallischen Heimat Ebnat Kappel die Firma Morga.

Auch sein Enkel Ruedi Lieberherr, der heutige CEO des Familienbetriebs, verfolgt die Philosophie, gesunde und naturbelassene Lebensmittel anzubieten. Mittlerweile ist die Firma mit weit über 100 Voll- und Teilzeitangestellten einer der wichtigsten Arbeitgeber im Toggenburg. Regelmässig bildet Morga Lehrlinge aus und bietet auch einem behinderten Mitarbeiter einen Arbeitsplatz.

Teigwaren aus Sojamehl sind heute nur eines von zahlreichen Produkten auf pflanzlicher Basis. «Von einem so vielfältigen Sortiment von über 1500 Produkten würde uns jeder Betriebsökonom abraten. Aber die Herstellung von Nischenprodukten ist genau unsere Stärke», erklärt der Geschäftsführer. Zum Beispiel ein feiner Spezialgriess zum Kochen und Backen namens Paidol, der früher allen Hausfrauen geläufig war. Oder Früchte- und Getreidekaffee ohne Koffein. Oder der Tee aus Bio-Goldmelissen von einem Obertoggenburger Bauernhof.

Anzeige

Tee gehört zu den Grundpfeilern

«55% des Tees, der hierzulande getrunken wird, sind Kräutertee, 45% Schwarztee», sagt Ruedi Lieberherr. Der grösste Teil des Schweizer Teeabsatzes stammt aus dem Ausland. Für Morga gehören Grün- und Schwarztee, aromatisierte Teemischungen, Heil- sowie Kräutertees zu den Grundpfeilern des Sortiments. Vor kurzem hat man in eine neue Teebeutelmaschine investiert, die 250 Beutel in der Minute produziert. Das Besondere daran ist, dass der Faden mit zwei Knöpfen am Beutel befestigt ist statt mit einer Metallklammer.

Einen Stock weiter unten werden gerade Dörrfruchtmischungen in Zellophansäcklein abgefüllt. Ein ausgeklügeltes Waagesystem sorgt dafür, dass gleich viele von jeder Fruchtart im Sack landen und dass jede Einheit gleich schwer ist. Für andere Dörrfrüchte, wie getrocknete Mangos, gibt es keine Maschinen. Mitarbeiter füllen sie sorgfältig von Hand in Klarsichttüten ab.

Die getrockneten Früchte und Nüsse werden unter dem Namen Issro vertrieben. Es ist eine der Marken, die Morga in den letzten Jahren mitsamt den Arbeitsplätzen übernommen hat. Gemäss Ruedi Lieberherr gehört es zur Strategie, andere Marken im ähnlichen Segment dazuzukaufen. «Wir suchen die Zusammenarbeit mit Firmen im Lebensmittelbereich, die keine Nachfolger haben. Die Strategie trägt dazu bei, dass wir selbstständig bleiben können.» Sie hat auch zum finanziellen Erfolg geführt: Seit er Morga in dritter Generation übernahm, konnte er den Umsatz von 17 auf 35 Mio Fr. steigern.

Auch eine effiziente Logistik ist laut Ruedi Lieberherr ein wichtiger Faktor für einen selbständigen Betrieb: Die Konzentration im Lebensmittelhandel zwinge die Unternehmung, auf der Logistikseite unabhängig zu bleiben. Wie viele andere Betriebe spürt Morga die schwierigeren Bedingungen auf dem Weltmarkt und die bis um 40% gestiegenen Lebensmittelpreise. Als Folge wird ein Teil der Rohstoffe in grösseren Mengen eingekauft und je nach Produkt kühl und trocken im imposanten Hochregalwarenlager aufbewahrt.

Von Interesse sind für Ruedi Lieberherr auch Aufträge wie die Herstellung von laktose- und glutenfreier Streuwürze für Grossverteiler oder andere Kunden, die für die Produktion nicht ausgerüstet sind. «In den 1970er Jahren redete noch niemand von Bio. Heute liegen Gesundheit, Wellness und Bio im Trend», betont er. Der Nahrungsmittelbereich ist jedoch ein sich rasch wandelnder Markt. Von der Produktepalette, die Morga importiert, selbst produziert oder produzieren lässt, fällt immer mal wieder eines aus dem Sortiment oder kommt dazu. Mit den Anpassungen werden auch Ernährungstrends berücksichtigt, etwa vegetabile Bouillons und Gewürze. Oder Spezialprodukte für Menschen, die unter Diabetes oder Gluten-unverträglichkeit leiden.

Ausland gewinnt an Bedeutung

Einen grossen Teil der Produkte stellt Morga in zertifizierter Bio-Qualität oder nach Knospen- oder Demeter-Richtlinien her. Dafür interessieren sich auch Kunden im Ausland. Schon heute beträgt der Export ins europäische Ausland 15% des Umsatzes. Hier würde Ruedi Lieberherr gerne noch etwas zulegen. Mit der Präsenz an internationalen Food-Ausstellungen kann er immer mal wieder Kontakte für Exporte knüpfen.