Ein ganzer Tag und eine ganze Nacht im Bauch eines Fliegers, in Reihe 20, Mittelsitz in der Economy. Ein Albtraum, der bald für so manchen wahr werden könnte. Denn das Angebot an Extrem-Langstreckenflügen wächst – Fortschritte im Flugzeugbau ermöglichen es, Distanzen von 14’000 oder 15’000 Kilometern in einem Rutsch zu bewältigen. Das bedeutet Flugzeiten von 16 oder 18 Stunden (siehe Bildergalerie).

Qantas plant jetzt sogar eine Verbindung mit knapp 20 Stunden Flugzeit. Ab 2022 soll ein Linienflug New York und Sydney verbinden, 16’200 Kilometer nonstop. Am Freitag startet der erste von drei Testflügen der Airline. Eine Crew aus Wissenschaftlern, Piloten und Testpassagieren – Angestellte von Qantas – wird in einem Boeing Dreamliner abheben und erst am Sonntag in Sydney wieder landen. Mit den Extremflügen reagieren die Airlines auf steigende Nachfrage. Trotz Flugscham aufgrund des Klimawandels steigt die Zahl der Passagiere jährlich.

Neue Verträge mit Qantas-Piloten nötig

Der Zweck der Übung: Die Wissenschaftler protokollieren die Ernährung, den Schlaf und die Fitness von Piloten und Passagieren. Sie wollen prüfen, welche Folgen die lange Flugzeit für den Körper hat. Für die Passagiere mag ein Extremflug strapaziös sein, im Fokus stehen aber zunächst die Crewmitglieder.  Schon heute ist manches Crewmitglied an Tagen von extremen Langstreckenflügen 21 Stunden am Stück wach, wie die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO in ihrem Handbuch gegen Übermüdung schreibt.

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Handbuch für Airlines

Wie können Airlines der Übermüdung von Piloten und Flugbegleitern entgegenwirken? Das Handbuch der Internationalen Organisation für zivile Luftfahrt (ICAO) geht ins Detail. Es ist hier zu finden.

Für eine Linienverbindung von New York nach Sydney müsste die Genehmigung der australischen Luftfahrtbehörde angepasst werden, neu müssten Präsenzzeiten an Bord von mehr als 20 Stunden für das Flugpersonal erlaubt sein. Auch die Verträge mit den Piloten müssten neu ausgehandelt werden, wie Bloomberg berichtet. Gelingt es Qantas, den Extremflug einzurichten, sollen weitere Verbindungen von London nach Sydney oder aus Südafrika nach Australien folgen.

Die zehn längsten Flüge der Welt 2019

Dramatic Clouds above and below on Sunset
Emirates A380
Qantas Boeing 787
Qatar Boeing 777-200
Singapore Airlines A350-900
Delta Airlines Boeing 777
United Airlines Flight # 1 a Boeing 787 Dreamliner aircraft from Houston, Texas, taxis to the gate after landing at Chicago's O'Hare International Airport Monday, May 20, 2013.  The planes are returning after being grounded for four months by the federal government because of smoldering batteries on 787s owned by other airlines. (AP Photo/Charles Rex Arbogast)
Philippine Airlines A350
Qantas A380
United Airlines Boeing 787 Dreamliner
Dramatic Clouds above and below on Sunset
1|10

10) Johannesburg - Atlanta, 13'580 Kilometer, durchgeführt von Delta Airlines mit einer Boeing 777-200. Dauer: 16 Stunden 50 Minuten

Quelle: Delta Airlines

Bekommen Passagiere mehr Platz?

Auf den bisher etablierten Langstreckenflügen werden grosse, moderne Flieger wie der Boeing Dreamliner oder der A380 eingesetzt. Die Airlines können hier einiges für den Komfort der Passagiere tun, etwa die Beleuchtung im Flieger so takten, dass der Jetlag möglichst minimiert wird. Dennoch bleibt eine Reise in der Economy Class eine Reise auf Tuchfühlung mit den Sitznachbarn (was es wirklich bedeutet, fast 18 Stunden in der Economy Class auszuharren, lesen Sie hier).

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Noch ist es nicht sicher – aber unwahrscheinlich –, dass Qantas die teuren Ultralang-Flüge dadurch weniger wirtschaftlich macht, dass den einzelnen Passagieren erheblich mehr Platz eingeräumt und an Bord ein Fitnessstudio oder ein Yoga-Raum integriert werden. Es bleibt also den Passagieren überlassen, auf der Ultralangstrecke möglichst gut für ihr körperliches Wohl zu sorgen – zwischen New York und Sydney und jedes Mal bei einer Reise um den halben Globus.

Tipps gegen den Jetlag

  • Um den Jetlag zu minimieren, stellen Sie sich möglichst bereits im Flieger auf die Zielzeitzone ein. Stellen Sie Ihre Uhr bereits zum Start auf die Zielzeit um und versuchen Sie, entsprechend zu schlafen und zu essen. Helfen können dabei Apps wie Timeshifter oder Entrain, die aufgrund der Reisedaten Wach- und Schlafphasen berechnen oder Tipps geben, wann nach der Landung Sonnenlicht zu suchen oder zu vermeiden ist.
  • Trinken Sie viel, aber am besten nichts Alkoholisches.
  • Bewegen Sie sich im Flieger regelmässig, um die Blutzirkulation anzuregen. Das ist auch wichtig zur Vorbeugung von Trombosen. Mediziner empfehlen auf Langstreckenflügen auch das Anlegen von Trombosestrümpfen.
  • Schlafmittel oder die zusätzliche Einnahme des Schlafhormons Melatonin verwirren den Körper noch mehr. Am besten ist es, auf solche Hilftsmittel zu verzichten.