Dass er einmal Milliarden zum Umsatz Hollywoods beisteuern würde, hätte sich John Lasseter vor zwanzig Jahren sicher nicht träumen lassen. Damals schuftete er noch als kleiner Animationszeichner in den Disney-Studios von Burbank. Glücklich wurde der mittlerweile 49-Jährige dort nicht, und in seinem Hinterkopf formte sich die Frage seines Lebens: Kann man mit den Hochleistungscomputern, die gerade die Welt revolutionierten, nicht auch neuartige Animationsfilme herstellen? Eine Idee, die damals absurd erschien – und insbesondere bei Disney an heilige Überzeugungen rührte: War es nicht der menschliche Federstrich, der Mythos des Handgefertigten, der den Zeichentrick so beliebt machte? Offenbar nicht.

Zwei Jahre Lehrzeit beim «Krieg der Sterne»-Mogul George Lucas halfen Lasseter, die digitale Technik besser zu verstehen. Dann tat sich John Lasseter mit einem weiteren Computer-Visionär zusammen, dem Apple-Erfinder Steve Jobs. Sie gründeten die Firma Pixar, und 1995 brachten sie unter Lasseters Regie den ersten Spielfilm in die Kinos. «Toy Story» war eine Spielzeugwelt, aus Bits und Bytes erzeugt, irreal und künstlich in der Anmutung – und sofort ein Hit.

Aus dem viel versprechenden Anfang formte Lasseter, der bei der Arbeit nur Hawaii-Hemden trägt, ein Imperium der bunten Pixel: Allein «Finding Nemo», «Monsters Inc.» und «The Incredibles» spielten insgesamt 3,3 Milliarden Dollar ein. Im Januar dann schloss sich gewissermassen der Kreis: Disney-Chef Bob Iger und Pixar-Chairman Steve Jobs gaben den Zusammenschluss ihrer Unternehmen bekannt – John Lasseter war wieder zu Hause angekommen. Sein neuester Film: «Cars». Ab Juni in den Kinos.

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Perfektion à la Pixar

Fast schon irreal: John Lasseters Traumkarriere scheint einem seiner zahlreichen Leinwandepen entlehnt zu sein.

1984 - Lasseter, der seine berufliche Karriere 1979 bei Disney als Zeichner beginnt und 1983 gefeuert wird, schliesst sich der Computerabteilung von Lucasfilm an.

1986 - Steve Jobs übernimmt für fünf Millionen Dollar die Lucas Computer Group und benennt sie in Pixar um. Lasseters Kurzfilm «Luxo Jr.» wird für einen Oscar nominiert.

1988 - Pixar produziert Computer-animierte Werbespots für das Mundwasser «Listerine», die Lutschbonbons «Lifesavers» und den Orangensaft «Tropicana». Der Kurzfilm «Tin Toy» erhält eine Oscar-Nominierung.

1991 - Pixar unterzeichnet ein Produktionsabkommen mit Disney. Danach investiert der Mickey-Mouse-Konzern 26 Millionen Dollar in das Studio. Pixar verpflichtet sich im Gegenzug, drei Computer-animierte Kinofilme zu liefern.

1995 - Pixar veröffentlicht «Toy Story», das erste vollständig Computer-animierte Leinwandepos, das zu einer der erfolgreichsten Produktionen des Jahres avanciert und einen Oscar gewinnt. Eine Woche nach dem Kinostart von «Toy Story» geht Pixar an die Börse.

1997 - Pixar und Disney handeln ein gleichberechtigtes Kooperationsabkommen über fünf Kinofilme aus. Der Kurzfilm «Geri’s Game» gewinnt einen Oscar.

1998–99 - Die Animationsfilme «A Bug’s Life» und «Toy Story 2» kommen in die Lichtspielhäuser und erzielen Einnahmen von insgesamt 1,3 Milliarden Dollar an der Kinokasse und beim Videoverkauf.

2001–04 - Lasseter und seine Crew produzieren eine Reihe von Kino-Hits: «Monsters Inc.» (Peter Docter), «Finding Nemo» (Andrew Stanton), «The Incredibles» (Brad Bird). Die Filme spielen gemeinsam 3,3 Milliarden Dollar ein.

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2006 - Disney verkündet im Januar die Übernahme von Pixar. Im Juni kommt «Cars» in die Kinos.