Wenn Notenbankpräsident Thomas Jordan über Wasser spricht, wissen wir: Es ist wieder einmal soweit. Das Land erhält eine neue Banknote. Im Wallis fliesse das Wasser durch Suonen, doziert der oberste Währungshüter in die Fernsehkameras. Und das mehrmals. Der neue «Lappen» ist Chef-Job.

Die Schweiz ist wohl das einzige Land der Welt, das sich so innig für sein Bargeld interessiert. Volle fünf Mal trat das Direktorium der SNB wegen einer einzigen Notenserie vor die Presse – Vorabinformationen nicht mitgezählt. Und in 15 Jahren geht es wieder von vorne los. Wir sind auch das einzige Land, dass seine Noten so oft neu gestaltet.

Schweizer lieben Bargeld. Noch immer wird schräg angeschaut, wer zugibt, lieber mit Karte zu zahlen. Geschäfte, die kein Cash akzeptieren? In Ländern wie Dänemark oder Schweden ist das längst normal. Bei uns dagegen wäre es undenkbar. Ökonomischer Selbstmord. Eine Beleidigung des Kunden. Bargeld gilt als Grundrecht.

Mit dem Papierfetzen in der Hand fühlen sich Herr und Frau Schweizer unabhängig von Staat und fremden Mächten. Die Banknote ist das Sturmgewehr der Zivilgesellschaft. Illusion und Mythos zugleich.

Es ist ein Zufall, dass die letzte Note der neuen Serie ausgerechnet am «Digitaltag» lanciert wurde. Aber es passt sehr gut zu einem Land, das sich für fortschrittlich hält, aber gerne die Erinnerung lebt. 

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