Der Baufachmarkt gilt als Paradies für Männer. Zwischen Farbtöpfen, normierten Bauschalbrettern und Dübelsortimenten übertrumpft sich das starke Geschlecht gegenseitig beim Kauf möglichst potenter Schlagbohrer. Klar, dass sich eine Frau selten verirrt in diese klassische Männerdomäne. Doch das Klischee trifft nicht mehr zu - jedenfalls bei Jumbo. Im Gegenteil: «Über die Hälfte unserer Kunden sind Frauen», sagt Claude Lewin, CEO von Jumbo Baumärkte.

Jumbo spricht mit seinen 65000 Artikeln gezielt auch weibliche Kunden an. Die Maus-Frères-Tochter hat auf das Vordringen der deutschen Giganten Bauhaus und Hornbach reagiert und ihre Strategie modifiziert. «Wir haben den Dekorationsteil und den Gartenbereich stark ausgebaut», erklärt Lewin. «Deshalb nennen wir uns heute Jumbo Do it Deco Garden.»

Jumbo betreibt drei unterschiedliche Formate, um auf die verschiedenen Bedürfnisse der Heimwerker einzugehen: Maximo mit 8000 m², Jumbo mit 3550 bis 5000 m² und die kleineren Easy-Läden in Stadtlagen mit rund 1000m² Fläche, die als Nahversorger dienen. Der vierte Easy Jumbo soll im März im Zentrum von Basel eröffnet werden. Im Gegensatz zu den deutschen Baumarktriesen, die den Handwerkerprofi ansprechen, wendet sich Jumbo vor allem an die Freizeithandwerker.

Die Leute greifen in Krisenzeiten vermehrt selbst zum Hammer - so ein weiteres Klischee. Doch Lewin glaubt nicht, dass Jumbo zu den Krisengewinnern zählt. «Die Schweiz ist kein Land von Wohneigentümern wie die Franzosen und die Deutschen, die sehr vieles selber umbauen.»

Trotz Krise und Verdrängungsmarkt konnte Jumbo letztes Jahr mit seinen 1500 Angestellten seinen Umsatz um 3,9% auf 581 Mio Fr. steigern. Und das trotz der Tatsache, dass Jumbo im vergangenen Jahr sogar seine Filiale im Letzipark Zürich schliessen musste und nun noch 39 Verkaufsstellen führt. Letzipark-Besitzerin Coop, welche die Baumarktkette Bau+ Hobby führt, hat die Jumbo-Filiale übernommen.

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Obwohl Lewin bereits seit acht Jahren in der Nähe des Zürcher Letziparks einen neuen Standort sucht, wurde er bisher nicht fündig. «Uns wurden mehrere Objekte offeriert, aber jeweils nur 40 Parkplätze bewilligt», kritisiert er. Ähnliche Auflagen von Behörden haben bisher auch die zügige Expansion der deutschen Giganten gebremst. Profitiert hat Jumbo auch vom Veloboom. 52100 Zweiräder hat der Baumarkt im vergangenen Jahr verkauft, das sind 20% mehr als im Vorjahr. Darunter befinden sich 1000 Elektrovelos. «Wir sind der grösste Veloverkäufer der Schweiz», betont Lewin stolz.

Deutsche wollen expandieren

Neben Jumbo buhlen diverse weitere Baumarktketten um Kundschaft: Marktführer ist Coops Bau+Hobby. Jumbo auf Rang zwei hält nach eigenen Angaben 25% des Marktes. Der deutsche Anbieter Bauhaus führt erst zwei Baumärkte mit 11000 m² und 18000 m² in der Schweiz. «Voraussichtlich wird Bauhaus 2011 zwei neue Niederlassungen eröffnen», hofft Geschäftsleiter Peter Heussi. Mit nur zwei Filialen erzielt Bauhaus heute laut Heussi einen Umsatz von über 100 Mio Fr. Auch Hornbach will expandieren. Die Deutschen führen bereits fünf Schweizer Filialen und wollen insgesamt zehn eröffnen.

Schwer tut sich die Do it+Gar-den. Die Migros-Tochter hat 2009 drei Läden geschlossen. Ihr Umsatz ist von Januar bis Oktober um 4% eingebrochen, Rivale Bau+Hobby legte im selben Zeitraum um 2,8% zu, wie ein Insider weiss. Besser läuft es bei Obi, hier hält Migros die Lizenz. Für 2009 gibt Migros noch keine Umsatzzahlen bekannt. Umso mehr freut man sich bei Jumbo über den Erfolg. Trotzdem ist der Jumbo-Chef für 2010 vorsichtig: Er erwartet stabile Umsätze.